Alarmsignal hohes Fieber: Dahinter können Meningokokken stecken

Von: Johanna Uchtmann, dpa
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Eltern sollten immer achtsam sein, wenn ihr Kind plötzlich einen heißen Kopf hat - Ursache ist womöglich eine ernste Erkrankung. Foto: dpa

Würzburg/Hannover. Zuerst sieht es aus wie eine Grippe: Fieber, manchmal Durchfall und Erbrechen. Eine Meningokokken-Erkrankung verläuft aber häufig schlimmer, als die ersten Symptome vermuten lassen. Spätestens, wenn der Nacken steif ist oder rote Flecken auf der Haut auftreten, sollten die Alarmglocken schrillen.

„Etwa neun Prozent der Erkrankten sterben”, erklärt Prof. Ulrich Vogel vom Nationalen Referenzzentrum für Meningokokken an der Universität Würzburg. Direkte Folgen einer Meningokokken-Infektion sind eine Blutvergiftung oder eine Hirnhautentzündung, die sogenannte Meningitis. Später kann es unter anderem zu Hirnschäden kommen.

„Besonders gefährdet sind Kleinkinder bis zu zwei Jahren und Jugendliche”, warnt Matthias Pulz, Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes in Hannover. Außergewöhnlich sind die mögliche Schwere und die Unvorhersehbarkeit der Infektion: „Bei Kindern kann es aus völliger Gesundheit ganz plötzlich zu einer schweren Erkrankung kommen”, sagt der Mediziner.

Meningokokken sind Bakterien, die bei 10 bis 25 Prozent der Bevölkerung als natürliche Besiedler auf der Rachenschleimhaut leben, erklärt Prof. Friedrich Hofmann, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) in Berlin. Der Träger der Bakterien sei nicht automatisch infiziert, er bemerke sie in der Regel nicht einmal. Er kann aber durch Tröpfcheninfektion Mitmenschen anstecken oder bei einem schwachen körpereigenen Abwehrsystem selbst erkranken.

Wie lässt sich eine Infektion erkennen? „Eltern sollten immer achtsam sein, wenn ihre Kinder hohes Fieber entwickeln”, sagt Vogel. Auch ein steifer Nacken und Einblutungen in die Haut seien Warnsignale.

Die roten Flecken lassen sich von harmlosen Hautveränderungen am besten mit einem Glastest unterscheiden. Bleiben die Flecken, wenn ein Glas fest auf die Stelle gedrückt wird, ist Vorsicht geboten: Bei einem schwer erkrankten Kind kann das ein Zeichen für Störungen des Gerinnungssystems sein - typisch für eine Meningokokken-Infektion. Weitere mögliche Signale sind Benommenheit oder Sehstörungen. In diesen Fällen sollte das Kind sofort zum Arzt.

„In Deutschland treten derzeit glücklicherweise jährlich nur 0,5 Fälle pro 100.000 Einwohner auf”, sagt Vogel. Schließlich macht es der Körper den Meningokokken nicht gerade leicht: Zwei Barrieren gilt es zu durchbrechen. Die Rachenschleimhaut ist die erste Hürde und besonders dann anfällig, wenn Atemwegsinfekte, Tabakrauch oder Heizungsluft sie austrocknen. Den Weg von der Blutbahn ins Gehirnwasser versperrt die Blut-Hirn-Schranke.

Gelingt den Meningokokken dennoch die mühsame Reise, sind die Folgen schwerwiegend. „2008 wurden in Deutschland insgesamt 459 schwere Meningokokken-Erkrankungen gemeldet, von denen 44 tödlich verliefen”, sagt Pulz. 10 bis 20 Prozent der Überlebenden müssen laut Hofmann mit langfristigen Folgen wie Hirnschäden, Schwerhörigkeit oder Lernschwierigkeiten leben.

Pulz rät, Säuglinge, Kinder und Jugendliche unbedingt impfen zu lassen. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen. Laut Hofmann sind bisher 13 verschiedene Meningokokken-Gruppen bekannt. Gegen die Gruppe-C-Meningokokken - die in Deutschland etwa ein Viertel der Erkrankungen verursachen - gibt es einen Impfstoff. Gegen viele andere Gruppen, wie die Serogruppe B, haben die Forscher noch nichts in der Hand. Vogel ist aber zuversichtlich: „In vier bis sechs Jahren kommt der erste Serogruppe-B-Impfstoff auf den Markt.”

Die Stiko empfiehlt, Kinder im zweiten Lebensjahr gegen Serogruppe-C-Meningokokken impfen zu lassen, solange es noch keine weiteren Impfstoffe gibt. Ältere Kinder und Jugendliche sollten das nachholen, wenn sie als Kleinkinder nicht geimpft wurden. „Man muss aber auch die Personen im Umfeld ins Auge nehmen”, sagt Pulz. Er rät unter anderem zu einer Meningokokken-Impfung für enge Kontaktpersonen - Menschen aus dem selben Haushalt oder Kinder der gleichen Kindertagesstätte.


Impfung für Risikogruppen

Erst seit 2005 werden Zweijährige routinemäßig gegen Meningokokken geimpft. Daher gibt es Risikogruppen, für die sich auch im höheren Lebensalter eine Meningokokken-Impfung empfiehlt. Dazu zählen Menschen, deren Immunsystem gestört ist oder die keine Milz haben. Besonders gefährdet sind auch Reisende, die Ziele in Afrika, Vorderasien oder Lateinamerika ansteuern.

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