Aids-Stiftung muss sparen: Weniger Einzelhilfe

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Das Kondom gehört beim Ausgehen immer in die Tasche - genauso wie Handy und Monatskarte. Nur dann ist es im Zweifelsfall auch zur Hand. Foto: dpa

Düsseldorf. Die Deutsche Aids-Stiftung will aus Sparzwängen ihre Einzelhilfen für HIV-Infizierte zurückfahren, dafür aber verstärkt Projekte wie betreutes Wohnen fördern. Gründe seien sinkende Einnahmen sowie verbesserte Therapiemöglichkeiten, die den Betroffenen heute ein längeres Leben ermöglichten, sagte der geschäftsführende Vorstand Ulrich Heide am Montag in Düsseldorf.

Bundesweit sind nach Schätzungen 63.500 Menschen mit HIV/Aids infiziert - mit 14.000 Betroffenen leben die meisten von ihnen in Nordrhein-Westfalen.

Die Stiftung deckelte nach den Worten Heides die Mittel für individuelle Hilfe auf 650.000 Euro. Unter anderem seien einzelne Nahrungsmittelhilfen für HIV-positive Gefängnisinsassen gestrichen worden. Dies sei auch der Grund für den starken Rückgang der Zahl der bewilligten Anträge im vergangenen Jahr um mehr als 700 auf knapp 3100. Aus Kostengründen werde es in diesem Jahr noch einmal einen „deutlichen Rückgang” bei den Einzelhilfen geben, sagte Heide. „Wir werden uns nur noch auf die Gruppe der Bedürftigsten konzentrieren.”

Dazu gehören nach den Worten Heides Aids-Kranke im höheren Alter, die bereits an Nebenwirkungen der Medikamente litten, sowie eine zunehmende Zahl von Migranten, bei denen die Infektion erst in Deutschland festgestellt worden sei. Bei der Aids-Stiftung hätten in den vergangenen drei Jahren Menschen aus mehr als 130 Ländern um Hilfe nachgefragt.

Zugleich stockte die Stiftung die Mittel für Gruppen-Hilfsprojekte auf 600.000 Euro auf. Dazu gehören unter anderem betreutes Wohnen, Gruppen-Krankenreisen, Hilfe für alleinerziehende HIV-positive Frauen, berufliche Qualifizierungsprojekte sowie Hilfe für Migranten. Darüber hinaus fördert die Stiftung ausgewählte Projekte vor allem im südlichen Afrika.

Die Aids-Stiftung verzeichnete 2008 ein Defizit in ihren Büchern von rund 740.000 Euro aufgrund von Aktienabschreibungen infolge der Finanzmarktkrise. Ohne diesen Effekt hätte die Stiftung nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Christoph Uleer im laufenden Geschäft einen Überschuss von 100.000 Euro erzielt.

Einnahmen und Ausgaben hielten sich mit jeweils rund 3,4 Millionen Euro etwa die Waage. Die Erträge aus Spenden und Zuwendungen erhöhten sich 2008 um rund 12 Prozent auf knapp 2,8 Millionen Euro. Gleichzeitig gingen aber die Kapitalerträge zurück. Zehn Prozent des Stiftungskapitals sind nach Angaben Uleers Aktien.

Aids in Deutschland in sieben Daten

Zahl der HIV-Infizierten (2008): rund 63.500 (davon sind rund 51.800 Männer)

Zahl der HIV-Neuinfektionen: 3000

Todesfälle bei HIV-Infizierten: 650

Gesamtzahl der HIV-Infizierten seit Epidemiebeginn: 83.000

Gesamtzahl der Aids-Erkrankungen seit Epidemiebeginn: 35.200

Gesamtzahl der Todesfälle seit Epidemiebeginn: 27.500

(Quelle: Robert-Koch-Institut)
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