Ärzte nehmen häufig Lebensverkürzung in Kauf

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Bochum. Palliativmediziner haben laut einer Umfrage bei mehr als drei Viertel ihrer schwerkranken Patienten lindernde Maßnahmen vorgenommen, die möglicherweise das Leben der Patienten verkürzt haben.

Dies hat eine am Montag veröffentlichte Studie von Medizinethikern der Ruhr-Universität Bochum ergeben. Dazu waren 780 ärztliche Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin anonym befragt worden. In der Palliativmedizin geht es um die Linderung von Symptomen bei Schwerkranken am Lebensende, wenn eine Heilung nicht mehr möglich ist. Neben Schmerzen werden etwa Übelkeit, Angstzustände, Appetitlosigkeit oder Atemnot behandelt.

Die Umfrage bezog sich auf 780 Todesfälle. In 69 Prozent der Fälle wurden therapeutische Maßnahmen begrenzt und für einen Teil der betroffenen Patienten ein früherer Todeseintritt erwartet. „In zehn Fällen wurde der Tod gezielt durch Substanzen herbeigeführt: In neun Fällen durch den Arzt und in einem Fall durch den Patienten selbst”, hieß es. Tötung auf Verlangen ist in Deutschland strafbar.

In 47 Fällen wurden die Patienten nicht über eine mögliche Lebensverkürzung informiert, obwohl sie zum Zeitpunkt der Entscheidung als selbstbestimmungsfähig eingeschätzt wurden. Das „beste Interesse des Patienten” oder „die Vermeidung eines möglichen Schadens” wurden als Gründe für ein solches Vorgehen angegeben.

Die Deutsche Hospiz Stiftung kritisierte das Verhalten dieser Ärzte: „Der Patientenwille muss immer über allem anderen stehen. Wenn selbst speziell ausgebildete Palliativmediziner diese rechtliche Maxime verletzen, ist das eine große Gefahr für alle Schwerstkranken”, erklärte Stiftungs-Vorstand Eugen Brysch. Er forderte die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin und die Bundesärztekammer dazu auf, „für ethische und rechtliche Klarheit in der Ärzteschaft zu sorgen”.

Die Studienergebnisse könnten nicht auf die gesamte Ärzteschaft in Deutschland übertragen werden, sagte Jan Schildmann vom Institut für Medizinische Ethik der Universität. „Es ist jedoch bemerkenswert, dass ein Teil der befragten Ärzte eine Verkürzung des Lebens als Konsequenz ärztlichen Handelns nicht nur vorhersieht, sondern beabsichtigt.”
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