Ärzte fordern Reformen gegen Medizinermangel

Von: dpa
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Berlin. Angesichts zehntausender Mediziner vor dem Ruhestand fordern die Kassenärzte umfassende Reformen gegen drohenden Ärztemangel in ländlichen Regionen.

„Alle Maßnahmen müssen so ausgerichtet sein, dass auch mit einer kleineren Zahl von Ärzten eine Versorgung auf hohem Niveau gewährleistet werden kann”, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Köhler, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Bis 2020 würden rund 24.000 Haus- und 28.000 Fachärzte in den Ruhestand gehen - bei derzeit insgesamt rund 120 000 Vertragsärzten. In den Kliniken stünden 20.000 Chef- und Oberärzte vor der Pension. Die Lücke könne nicht geschlossen werden: Von den derzeit 76.000 Medizinstudenten stehe mehr als ein Viertel nicht für die Versorgung zur Verfügung. Die anderen beenden ihr Studium nicht, lassen sich nicht bei den Ärztekammern registrieren oder arbeiten woanders.

„Die Politik hat endlich erkannt, dass wir vor einem gravierenden Ärztemangel insbesondere in ohnehin strukturschwachen Gebieten in Deutschland stehen”, sagte Köhler. Abwanderung führe hier zu einer schrumpfenden, im Schnitt aber auch bei weitem älteren Bevölkerung. Unter anderem Hausärzte würden dort verstärkt gebraucht.

Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hatte Schritte gegen drohenden Ärztemangel auf dem Land angekündigt. An diesem Donnerstag will sich der Gemeinsame Bundesausschuss - das oberste Gremium von Ärzten, Kliniken und Krankenkassen - mit dem Thema befassen.

Köhler sprach sich für eine kleinräumigere Bedarfsplanung aus. Heute kann es sein, dass in einem der 395 Planungsbezirke für Praxisärzte keine neuen Mediziner mehr zugelassen werden, obwohl es in einzelnen Gebieten eines solchen Bezirks Bedarf an neuen Ärzten gibt.

„Notwendig sind ein Bündel an Maßnahmen, um den Arztberuf attraktiv zu machen und damit letztlich die flächendeckende Versorgung zu erhalten”, sagte Köhler zudem.

Die Arbeitsbedingungen für Ärzte müssten besser, Bürokratie müsse abgeschafft, angemessenes Honorar müsse bezahlt werden. „Garant einer flächendeckenden Versorgung muss zudem der Kollektivvertrag bleiben”, forderte Köhler mit Blick auf Sonderverträge zwischen Hausärzten und Krankenkassen.

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