Adventlicher Genuss ohne allergische Reue

Von: Ilka Kreutzträger, dapd
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Berlin/Mönchengladbach. An Lebkuchen, Spekulatius und Schoko-Nikoläusen kommt man im Advent kaum vorbei. Auf jedem Weihnachtsmarkt und in den Supermärkten sind die Stände und Regale voll von den süßen Genüssen. „Die Verführung durch Süßigkeiten ist gerade in der Weihnachtszeit besonders groß”, sagt die Mönchengladbacher Ernährungswissenschaftlerin Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund.

 Für Menschen mit einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit eine echte kulinarische Herausforderung. Etwa acht Prozent der Kinder und vier Prozent der Erwachsenen reagieren der Expertin zufolge auf unterschiedliche Lebensmittel allergisch.

Meiden ist die beste Strategie

Nüsse, Erdnüsse, Äpfel, Weihnachtsmänner aus Schokolade, Lebkuchen und Plätzchen, aber auch die typischen Weihnachtsgewürze wie Anis, Zimt und Kardamom können Allergien verursachen. „Besonders Nuss- und Erdnussallergiker müssen vorsichtig sein und können nicht einfach so überall zugreifen”, rät Lämmel. Auch Pollenallergiker müssen aufpassen. „Gewürze und Nüsse in Weihnachtsgebäck enthalten Stoffe, die ähnlich strukturiert sind wie etwa Birkenpollen und daher zu allergischen Reaktionen führen können”, sagt der Venerologe und AllergologeTorsten Zuberbier, Chef der Charité-Klinik für Dermatologie in Berlin und Mitglied der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF).

Diese Reaktionen machten sich beispielsweise durch ein Kribbeln auf der Zunge und im Hals oder durch Juckreiz am Gaumen und in den Ohren bemerkbar. „Meistens sind solche Reaktionen zunächst harmlos”, sagt Zuberbier. Gefährlich werde es erst, wenn Mund und Rachen anschwellen, denn das könne zu Atemnot führen. Dan sollte man das allergieauslösende Nahrungsmittel unbedingt meiden und am besten mit einem Allergologen sprechen, der spezielle Notfallmedikamente verschreiben könne.

Fertiges Weihnachtsgebäck besser meiden

„Wer gegen bestimmte Nahrungsmittel allergisch ist, sollte immer einen Blick auf die Verpackung werfen”, empfiehlt Zuberbier. Denn seit 2005 müssen EU-weit die 14 Produktgruppen ausgewiesen werden, die am häufigsten Allergien auslösen. Lämmel rät Allergikern trotzdem von abgepackten Süßigkeiten und fertigem Weihnachtsgebäck ab. Zwar stehe auf manchen Produkten der Hinweis „Kann Spuren von . . . enthalten”. Aber eben nicht auf jeder Verpackung. „Es gibt auch Firmen, die verzichten auf den Hinweis auf Spuren, weil der Gesetzgeber diesen nicht vorschreibt”, sagt Lämmel. Denn die Kennzeichnungspflicht gelte nur, wenn der Allergieauslöser als Zutat im Lebensmittel verarbeitet ist und nicht nur ungewollt durch die Produktion - zum Beispiel auf demselben Fabrikband - in das Lebensmittel hineingeraten ist.

Aber nicht Nussallergiker müssten aufpassen, auch Pollenallergiker könnten mit sogenannten Kreuzreaktionen auf die typischen Weihnachtsgewürze wie Zimt oder Anis reagieren. Bei verpackten Plätzchen müssten Gewürze nicht einzeln aufgelistet werden, wenn weniger als zwei Prozent enthalten sind. „Allergiker können also nicht immer mit einer vollständigen Auflistung der Gewürze rechnen”, sagt Lämmel.

Für den Allergiker ist es also schwierig, nicht aus Versehen zur falschen Süßigkeit zu greifen. „Es gibt allerdings einige Hersteller, die ihre Ware in nuss- und erdnussfreien Werken produzieren”, sagt Lämmel. Welche das sind, kann man bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung erfahren. (dge.de)

Auch auf dem Weihnachtsmarkt laufen Allergiker Gefahr, unwissentlich in Naschwerk mit Allergierisiko zu beißen. „Ein umfangreiches Zutatenverzeichnis ist nur für verpackte Lebensmittel vorgeschrieben”, sagt Lämmel, nicht aber für die lose Ware, wie sie in den Buden auf dem Weihnachtsmarkt angeboten wird. „Ich weiß also nicht, was wirklich im Glühwein oder im Bratapfel drin ist”, sagt die Ernährungsexpertin.

Vorsicht sei vor allem bei den gebrannten Makadamianüssen, gebrannten Pinienkernen oder gebrannten Mandeln geboten. „Es kann zu sogenannten Kreuz-Kontaminationen kommen”, erklärt Lämmel. Wer beispielsweise allergisch gegen Makadamianüsse sei und sich gebrannte Mandeln kaufe, könne nicht sicher sein, ob die beiden Produkte in der Herstellung wirklich sauber voneinander getrennt wurden. „Man muss immer mit Spuren rechnen und darum besser: Finger weg”, sagt Lämmel.

Weihnachtskekse am besten selber backen

„Einfacher ist, die weihnachtlichen Süßigkeiten selbst herzustellen”, sagt Lämmel. Man könne Schokolade selbst herstellen, beim Backen auf Nüsse verzichten und stattdessen beispielsweise auf Mandeln ausweichen. „Beim Selbstbacken sollte der Allergiker Rezepte meiden, die Nougat oder Marzipan enthalten”, rät Allergologe Zuberbier. Weizenallergiker könnten als Weizenersatz etwa Buchweizenmehl oder Roggenmehl verwenden.

„Man sollte gerade in der Weihnachtszeit darauf achten, dass man allergischen Kindern eine kleine Box mit Süßigkeiten mitgibt”, rät Lämmel. Dann werden die Kinder im Kindergarten oder Schule gar nicht erst in Versuchung geführt, beim Adventsteller zuzugreifen.

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