Bremen/Mainz - Zu kostbar für den Abfluss: Tricks und Kniffe zum Wassersparen

Zu kostbar für den Abfluss: Tricks und Kniffe zum Wassersparen

Von: Thomas Voigt, ddp
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Bremen/Mainz. Das kostbare Nass rauscht nahezu pausenlos ins Kanalsystem: Fast 130 Liter Wasser verbraucht jeder Bundesbürger durchschnittlich an einem Tag.

„Dabei werden lediglich vier Prozent des hochwertigen Trinkwassers zum Kochen oder Trinken verwendet”, sagt Hans Weinreuter, Energie- und Umweltexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz in Mainz. Der mit Abstand größere Teil fließt durch Wasserhähne und Waschmaschinen oder spült die Toilette. „Doch mit ein paar einfachen Tricks und Kniffen lässt sich ohne hohe Anschaffungskosten der Verbrauch auf 70 bis 100 Liter Wasser pro Person reduzieren”, empfiehlt der Umweltexperte.

An Wasserhähnen oder im Duschschlauch hat sich der Einsatz von Durchflussbegrenzern bewährt. „So ein Zwischenstück ist im Handel für etwa fünf Euro erhältlich”, sagt Weinreuter. In Kombination mit Luftsprudlern ersetzt Luft das Wasser und macht es auf diese Weise fülliger. „Ein Durchflussbegrenzer reduziert die Wassermenge von 16 bis 20 Litern auf bis zu acht Liter pro Minute”, bestätigt Haushaltsberaterin Katja Muchow vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Bremen. Allerdings sei diese Technik für Durchlauferhitzer oder drucklose Speicher nicht geeignet.

Für die Dusche kann nach Muchows Worten alternativ ein Sparduschkopf installiert werden. Gegenüber 25 Litern pro Minute bei herkömmlichen Duschköpfen lässt so ein Sparmodell nur 8 bis 10 Liter Wasser durch. Noch mehr sparen kann man beim Duschen laut Muchow mit einem Thermostatmischer, bei dem sich die gewünschte Temperatur fest einstellen lässt.

Der bewährte Spartipp „Duschen statt Baden” ist aufgrund derlei technischer Verbesserungen heute gültiger denn je. „Ein Duschgang anstelle eines Vollbades spart im Durchschnitt jeweils 100 Liter Wasser”, erklärt Hans Weinreuter. Wer dennoch hin und wieder auf ein entspannendes Bad nicht verzichten mag, dem rät Katja Muchow zum Einbau einer Körperformwanne mit geringerem Volumen: „So eine Wanne kann bei einem Vollbad bis zu 25 Liter Wasser einsparen.”

„An Küchenspüle und Handwaschbecken sorgen Einhandhebelmischer anstelle der herkömmlichen zwei Wasserhähne für eine schnellere Temperaturregelung und geringeren Wasservorlauf”, empfiehlt Verbraucherberater Weinreuter. Beim Kauf sollte jedoch darauf geachtet werden, dass in der Mittelstellung noch kaltes Wasser fließt. „Einfache Einhebelmischer lassen in der Mittelstellung noch Mischwasser durch”, erklärt Katja Muchow vom BUND. „Das verschwendet Energie, wenn warmes Wasser gezapft wird, obwohl kaltes gewünscht ist.” Einhandhebelmischer sind ab etwa 30 Euro im Handel erhältlich.

„Tag für Tag jagen wir eimerweise Trinkwasser durch die Klospülung”, mahnt Hans Weinreuter. Ein wassersparender WC-Spülkasten bringe mit deutlich weniger Wasser die gleiche Leistung. Alte Kästen können außerdem mit Wasserstopp-Tasten aufgerüstet werden, so ein weiterer Tipp des Umweltexperten. Der Preis liege zwischen 5 und 15 Euro. „Herkömmliche Spülkästen verbrauchen pro Spülung neun bis zwölf Liter, moderne Kästen kommen dagegen mit sechs Litern aus”, erklärt auch Katja Muchow.

Ein neuer Kasten kostet nach ihrer Rechnung mit Montage 150 bis 200 Euro und kann bei einer vierköpfigen Familie bis zu 155 Euro Wasserkosten im Jahr einsparen. Relativ neu ist nach Muchows Worten ein 4,5-Liter-WC, mit dem der Wasserverbrauch um bis zu 60 Prozent reduziert werden kann. Die Familie kann damit bis zu 200 Euro jährlich sparen. Spülkasten und WC bilden dabei eine Einheit und können nicht beliebig mit anderen Systemen kombiniert werden.

Ein undichter WC-Kasten lässt bis zu 500 Liter pro Tag in den Kanal sprudeln. „Bei einem Wasser- und Abwasserpreis von knapp fünf Euro pro Kubikmeter kostet so eine Verschwendung bis zu 870 Euro im Jahr”, rechnet Muchow vor. Auch die völlig überflüssigen Mehrkosten durch tropfende Wasserhähne läppern sich laut Hans Weinreuter: „So ein tropfender Hahn produziert innerhalb von 24 Stunden rund zehn Liter Wasser”, hat er ermittelt. Da sei dringend eine neue Dichtung fällig.

Beim Neukauf von Wasch- und Spülmaschinen sollte unbedingt auf niedrige Verbrauchswerte geachtet werden, betont der Verbraucherberater: „Bei Waschmaschinen sollten nicht mehr als 10 bis 12 Liter pro Kilo Wäsche, bei Spülmaschinen nicht mehr als 15 bis 20 Liter pro Spülgang durch das Gerät rauschen.” Außerdem rät Weinreuter, nur volle Maschinen in Gang zu setzen und bei Waschmaschinen auf die Vorwäsche zu verzichten.

Vom Geschirrspülen von Hand rät BUND-Expertin Muchow dringend ab: „Unter fließendem Wasser werden so bis zu 150 Liter pro Tag verbraucht und auch im Waschbecken wären für eine Spülmaschinen-Füllung bis zu 50 Liter erforderlich. Dagegen ist eine moderne Spülmaschine deutlich sparsamer.” Auch Obst und Gemüse sollte laut Katja Muchow nicht unter fließendem Wasser, sondern in einer Schüssel gereinigt werden: „Danach können Sie das Wasser zum Blumengießen verwenden”, lautet ihr Tipp. Das spare nicht nur Wasser, sondern erhalte auch einige Vitamine.

Die größte Wasserersparnis erzielen Hausbesitzer durch den Einbau einer Regenwassernutzungsanlage. „Damit kann man den jährlichen Trinkwasserverbrauch halbieren”, sagt Muchow. Regenwasser eignet sich nach ihren Worten für die Wäsche und natürlich für die Toilettenspülung. Die Anlage sammelt das Wasser auf dem Dach und leitet es in einen Tank.

Von dort werden über separate Leitungen die Verbrauchsstellen versorgt. In einigen Bundesländern wird der Einbau einer solchen Anlage gefördert. „Wer außerdem auf seinem Grundstück das Versickern von Regenwasser weitgehend ermöglicht, kann sogar von Niederschlagswassergebühren befreit werden”, unterstreicht Hans Weinreuter. Auskunft gibt die zuständige Stadt- oder Gemeindeverwaltung.
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