Frankfurt/Main/Quickborn - Zinsen verzweifelt gesucht: Welche Anlage wie viel bringt

Zinsen verzweifelt gesucht: Welche Anlage wie viel bringt

Von: Falk Zielke, dpa
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Sparbuch
Für Geld auf dem Sparbuch gibt es derzeit so gut wie keine Zinsen. Foto: Daniel Karmann

Frankfurt/Main/Quickborn. Sparen? Ja, gerne. Viele Bundesbürger legen regelmäßig Geld beiseite. Auf lukrative Anlageformen achten sie aber nicht unbedingt. Die Mehrheit nutzt dafür das Girokonto (59 Prozent) oder das Sparbuch (52 Prozent), wie eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Toluna im Auftrag der Comdirect Bank zeigt. Rund ein Drittel hat ein Tagesgeldkonto (34 Prozent) oder bewahrt einfach nur Bargeld zu Hause auf (33 Prozent).

Viel Rendite springt dabei aber im Moment nicht heraus. „Viele Banken zahlen derzeit für Tagesgeld 0 Prozent Zinsen”, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung in Frankfurt am Main. Vom Sparen abraten würde er trotzdem nicht: „Wer regelmäßig jeden Monat 100 Euro beiseite legt, hat nach zwei Jahren immerhin 2400 Euro angespart.” Geld, das dann zum Beispiel für eine Fernreise, neue Möbel, Schmuck oder ein Designerkleid ausgegeben werden kann.

Wer schon einen größeren Betrag angespart hat, sollte sich nach guten Angeboten umsehen. „Es gibt durchaus Banken, die Neukunden bis zu 1 Prozent Zinsen für Tagesgeld zahlen”, hat Herbst beobachtet. Doch Vorsicht: Im Kleingedruckten verstecken sich oft Fallen – zum Beispiel die Bedingung, dass der Zinssatz nur für sechs Monate garantiert wird. Bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro bekommt der Sparer dann aber immerhin 50 Euro Zinsen.

Mehr rausholen können sicherheitsorientierte Sparer, wenn sie Einmalbeträge in lukrative Festgeldanlagen investieren. Zwar liegt der durchschnittliche Zinssatz bei einer Laufzeit von zwölf Monaten laut FMH derzeit bei gerade einmal 0,19 Prozent. Gute Anbieter zahlen hier allerdings bis zu 1,26 Prozent Zinsen. Bei einer Laufzeit von drei Jahren sind sogar bis zu 1,7 Prozent Zinsen jährlich möglich. Bei einem Anlagebetrag von 10.000 Euro bekommen Sparer hier am Ende also immerhin rund 519 Euro.

Der Haken: Die besonders gut verzinsten Angebote, die auch über Zinsportale zugänglich sind, kommen oft von ausländischen Banken, zum Beispiel aus Bulgarien oder Rumänien. Nach Ansicht der Stiftung Warentest sind solche Angebote aber nicht unbedingt empfehlenswert. „Wir halten die Sicherungseinrichtungen dieser Länder mit geringer Wirtschaftskraft für nicht stabil genug, um bei einer Bankpleite alle Kunden zeitnah zu entschädigen”, heißt es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Finanztest” (Heft 2/2018).

Sicher ist Spargeld aus Sicht der Experten bei Banken aus Deutschland, Belgien, Österreich, Frankreich, Großbritannien oder Schweden. Die besten Anbieter zahlen hier laut „Finanztest” für Festgeld mit einer Laufzeit von einem Jahr immerhin ein Prozent Zinsen und bei einer Laufzeit von drei Jahren 1,35 Prozent.

Wer sein Geld für fünf Jahre fest anlegt, kann den Warentestern zufolge sogar bis zu 1,8 Prozent bekommen. Sinnvoll ist ein so langer Zeitraum aber nicht unbedingt, findet Herbst. „Bis dahin sollten die Zinsen insgesamt wieder gestiegen sein”, vermutet er.

Sparer, die mehr wollen, müssen mehr riskieren. Eine Möglichkeit sind Aktien, die Dividenden ausschütten. Für Anleger kann sich das lohnen: Rund 46 Milliarden Euro haben allein die in Deutschland an den Börsen notierten Unternehmen im vergangenen Jahr an ihre Aktionäre ausgeschüttet. Der Löwenanteil – fast 32 Milliarden Euro – entfiel nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) auf die 30 im Dax notierten Unternehmen.

In den vier Indizes Dax, MDax, SDax und TecDax lag die durchschnittliche Dividendenrendite im vergangenen Jahr bei 2,5 Prozent – und damit weit über den besten derzeit erhältlichen Zins-Angeboten der Banken. Viel geringer wird die Beteiligung 2018 voraussichtlich nicht ausfallen. „Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass in diesem Jahr insgesamt um die 50 Milliarden Euro ausgeschüttet werden, sagt DSW-Sprecher Jürgen Kurz.

Um die Rendite und das Risiko in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen, ist eine Mischung aus Aktien und Zinsanlagen ratsam. Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) bieten auch wenig erfahrenen Anlegern eine einfache Möglichkeit, in Aktien zu investieren. Diese Fonds bilden einen Börsenindex nach. Wer zum Beispiel einen Teil seines Geldes in einen ETF auf den Dax steckt, profitiert so auch von den künftigen Dividendenzahlungen.

Mit der richtigen Verteilung können Anleger sogar erreichen, dass das eingesetzte Kapital am Ende erhalten bleibt, wenn die Kurse an den Börsen nachgeben. Ein Beispiel: Wer ein Festgeld für 1,75 Prozent mit einer Anlagedauer von zehn Jahren abschließt, kann seinem Garantiedepot einen Aktienanteil von 15,9 Prozent beimischen, rechnen die Experten der Stiftung Warentest vor.

Der Zinsertrag des Festgeldes könne hier über die Laufzeit einen Totalverlust der Aktien ausgleichen. Ein Totalverlust ist bei weltweit anlegenden Indexfonds, etwa auf den MSCI World-Index, allerdings eher unwahrscheinlich. Denn dazu müssten die Aktien aller rund 1600 in dem Index erfassten Unternehmen wertlos werden.

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