Wohnungssuche: Im Buchstaben-Dschungel den Durchblick behalten

Von: Angelika Röpcke, dpa
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Wohnungssuche: Im Buchstaben-Dschungel den Durchblick behalten
Genaues Hinsehen beim Studieren der Wohnungsanzeigen vermeidet später böse Überraschungen. Foto: dpa

Berlin/Würzburg. Beim Blick in den Anzeigenteil von Tageszeitungen begegnet der Wohnungsuchende oft einem Sammelsurium an Abkürzungen - BLK, EBK, TGL-Bad, WW-Solar - jeder Buchstabe kostet Geld. Und Inserenten wollen sparen. Hinzu kommen Formulierungen wie netto/kalt, brutto/warm, Maisonette oder Loggia.

Doch in der Regel ist es gar nicht so schwer, sich in diesem Wust zurechtzufinden. Viele Zeitungen haben einheitliche Standards und Abkürzungsverzeichnisse. Dennoch sollten Wohnungssuchende besonders bei den Angaben zu den Nebenkosten genau hinsehen, um später nicht überrascht zu werden.

„Die meisten Abkürzungen betreffen Ausstattungsmerkmale”, sagt Sven Johns, Bundesgeschäftsführer des Immobilienverbands IVD in Berlin. BLK bedeutet Balkon, EBK Einbauküche, ETW ist die Etagenwohnung, KP der Kaufpreis, MM meint Monatsmieten, TG die Tiefgarage, Part bedeutet Parterre. „Ob Waschmaschine mit WM oder WaMa abgekürzt wird, ist unterschiedlich.” WaKü hingegen sei heute nicht mehr so üblich - Waschküchen gebe es mittlerweile nur noch selten.

Mit den Abkürzungen soll der Laie nicht durcheinandergebracht werden. „Die Immobilienmakler und Verwalter und die Eigentümer haben kein Interesse an einer Irreführung”, sagt Johns. Vielmehr seien sie „peinlichst” bemüht, alles ordnungsgemäß anzugeben.

Wer quer durch die Wohnungsanzeigen liest, stößt dennoch immer mal wieder auf verwirrende Begriffe wie netto/kalt. „Das ist die reine Wohnungsmiete ohne Nebenkosten”, erläutert Rechtsanwalt Rainer Graf aus Würzburg. In der Regel würden Vermieter zwar die Miete plus der Nebenkosten aufführen, müssten dies aber nicht zwingend. „Richtig und wettbewerbsrechtlich einwandfrei ist folgende Angabe in einer Zeitungsannonce”, sagt Johns: 330,- ¤ Miete + NK oder die Angabe 380,- ¤ Miete inkl. NK. „In diesem Fall betragen die Nebenkosten 50 Euro.”

Spricht der Vermieter von Warmmiete, werden die Nebenkosten nicht extra abgerechnet. „Man kann vereinbaren, dass der Mieter 500 Euro zahlt, damit ist alles abgegolten”, sagt Mietrechtsspezialist Graf. Bei Studenten, die nur ein kleines Zimmer haben, sei diese Praxis üblich. Strom kommt dann aber oft extra dazu. Brutto/kalt wiederum bedeutet nach Johns Worten die Miete einschließlich der Betriebskosten, aber ohne die Kosten für die Heizung. Bei netto/warm sei die Miete ohne Betriebskosten inklusive der Heizkosten gemeint.

Verwechslung gibt es häufig auch bei Wohn- und Nutzfläche. Die Wohnfläche werde bewohnt, die Nutzfläche wie der Keller nicht, sagt Graf. Eine Loggia ist ein Balkon mit einer Abtrennung nach rechts und links, unter Maisonette versteht man eine Dachgeschosswohnung. ZKDB heißt Zimmer, Küche, Diele, Bad; ein „B” mehr - dann ist noch ein Balkon dabei. Wer sich im Buchstaben-Dschungel nicht zurechtfindet, sollte bei der Zeitung oder dem Internetportal nachfragen.

Der Deutsche Mieterbund in Berlin rät Wohnungssuchenden, immer zwischen den Zeilen zu lesen. „Absolut ruhige Wohnlage” heißt oftmals nur, dass es hier nicht ganz so laut ist wie üblich. Wer auf Formulierungen wie „Für Schnellentschlossene” anspringt, gerät unter Umständen an vier Wände, die seit langem leer stehen.

Auch bei den Betriebskosten - also den Nebenkosten - ist Übersicht gefragt. Sie sind in der Betriebskostenverordnung geregelt. Zu ihnen zählen laut Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund zum Beispiel Heizung und Warmwasser, Grundsteuer, Aufzug, Straßenreinigung oder Müllbeseitigung. Auch die Sach- und Haftpflichtversicherung sowie der Hausmeister gehören in die Nebenkosten. Instandhaltungskosten oder Wohnungsverwaltungsgebühren darf der Vermieter dagegen nicht an den Mieter weitergeben.

Heizkosten-Entwicklung beachten

„Im aktuellen Abrechnungsjahr erwarten wir insbesondere bei den Heizkosten Kostensteigerungen von 20 bis 25 Prozent”, sagt Ulrich Ropertz vom Deutschen Mieterbund in Berlin. Mieter sollten daher nun darauf achten, dass ihre monatliche Vorauszahlung ihrem Verbrauch möglichst nahe kommt.

„Häufig setzt der Vermieter beim Abschluss des Mietvertrages die Betriebskostenvorauszahlungen zu niedrig an.” Dadurch wird dem Mieter eine Gesamtmiete vorgetäuscht, die ihm finanzierbar erscheint. „Wenn dann nach einem Jahr erstmals über die Nebenkosten abgerechnet wird, kommt für viele Mieter ein böses Erwachen und sie müssen hohe Nachzahlungen leisten”, warnt Ropertz.
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