Wohneigentum: Deutschland eines der ärmsten Länder

Von: Thomas Brummer
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Aachen. In Vermögensstudien belegt Deutschland einen der letzten Plätze in Europa. Grund: Zu wenig Haushalte haben Wohneigentum.

Die Deutschen haben das geringste Vermögen in der EU. Zu dieser alarmierenden Erkenntnis kam die Europäische Zentralbank bereits 2013. Demnach hatte der Durchschnittsdeutsche ein Vermögen von 51.400 Euro. Hierbei handelt es sich in der Sprache der Statistiker um den sogenannten Median. Bei rund 82 Millionen Euro hat, wenn man alle Bürger nach ihrem Vermögen in einer Reihe aufstellen würde, der 41 Millionste jenes Vermögen von 51.400 Euro.

Selbst Spanier und Griechen sind wesentlich reicher

Hohe Arbeitslosigkeit und dennoch vermögend. Das scheint die Devise im kriselnden Süden Europas zu sein. So kamen die Italiener 2013 auf 173.500 Euro im Schnitt, der durchschnittliche Spanier erreicht einen Vermögenswert von 182.700 Euro. Selbst die viel gescholtenen Griechen kommen im Median auf ein Vermögen von 101.900 Euro.

Wie kann das sein?

An der Wirtschaftskraft kann diese Diskrepanz nicht liegen. Deutschland gilt als Wirtschaftsmotor Europas, die Arbeitslosigkeit ist niedrig und die Staatsverschuldung moderater als andernorts. Der Grund ist auf den ersten Blick bei den Bürgern zu suchen. Die relativ hohen Vermögen anderer europäischer Staaten fußen auf Wohneigentum.

Wer eine abbezahlte Immobilie hat, ist automatisch mehr oder weniger vermögend. Laut Interhyp stagniert die Eigentümerquote in Deutschland seit zehn Jahren bei rund 43 Prozent. Berlin ist mit einer Quote von etwa 15 Prozent nicht nur Bundeshauptstadt, sondern auch Miethauptstadt. In drei genannten südeuropäischen Ländern liegt diese Quote bei mehr als 70 Prozent. In Rumänien ist mit mehr als 96 Prozent fast jeder Bürger Eigentümer.

Die Hürden sind hoch

Banken erwarten häufig, dass Kunden mindestens 20 Prozent des Kaufpreises mitbringen. Hinzu kommen aber noch Nebenkosten, die die Institute nicht mitfinanzieren. Dazu zählen Grunderwerbsteuer, Gebühren für Notar und Grundbuchamt sowie häufig noch die Maklerprovision. Diese Kosten belaufen sich schnell auf zehn Prozent - in manchen Bundesländern noch mehr.

14 von 16 Bundesländer haben die Grunderwerbsteuer erhöht

Nur Bayern und Sachsen verzichten bis dato auf eine Erhöhung der Grunderwerbsteuer. Es gilt weiter der Satz von 3,5 Prozent. In allen anderen Bundesländern haben die Finanzminister an der Schraube gedreht, so dass in vielen Teilen der Republik bereits 6,5 Prozent für Vater Staat zu berappen sind. Diese Kosten werden nicht mitfinanziert und knappern damit am Eigenkapital, welches man der Bank vorweisen könnte.

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat hierzu einen Vorschlag: Die Steuer sollte so gestaltet werden, dass sie monatlich über einen Zeitraum von zehn Jahren beglichen werden kann, so die IW-Forscher vor. Außerdem sollten die Bundesländer die Grunderwerbsteuer senken, bei Weiterverkäufen innerhalb von fünf Jahren jedoch eine Zusatzsteuer erheben. "So machen die Länder bei den Steuereinnahmen keine Verluste, gleichzeitig sanktioniert die Steuer die Spekulation mit Wohnungen", sagt IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

Miet-Kauf-Modell

Die Kölner Forscher schlagen zudem ein neues Finanzierungsmodell vor. Beim Miet-Kauf-Modell etwa würden potenzielle Käufer die Immobilie zunächst mieten und würden diese zu einem festen Zeitpunkt später kaufen, was den Kapitalbedarf senkt. "Die Mietzahlungen können dabei zu einem gewissen Teil auch als Anzahlung auf den Kaufpreis berücksichtigt werden", so Voigtländer.

Als Rentner lieber im Eigentum

Gerade wenn es Richtung Rente geht, macht sich eine eigene Immobilie in aller Regel bezahlt. Vor allem, wenn Sie in einer Stadt bzw. Metropolregion leben, in der Sie bereits heute eine hohe Miete zahlen, können Sie davon ausgehen, dass sich das auch bis zu Ihrer Verrentung nicht zu Ihrem Vorteil ändern würde.

Dazu ein Rechenbeispiel aus dem Mieten-Rechner: Sie zahlen heute eine monatliche Kaltmiete von 800 Euro. Sie rechnen in den kommenden 30 Jahren mit einer jährlichen Mietpreissteigerung von 1,7 Prozent. Ergebnis: Sie haben von heute an bis in 30 Jahren insgesamt knapp 372.000 Euro Miete gezahlt. Ihre monatliche Belastung liegt nach drei Jahrzenten bei rund 1.327 Euro. Das wird für viele Rentner eine zu hohe Belastung sein.

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