Berlin/Köln - Wenn die Rente nicht ausreicht: Unterstützung für Senioren

Wenn die Rente nicht ausreicht: Unterstützung für Senioren

Von: ddp
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Rentnerin
Den deutschen Senioren scheint es gutzugehen. Ausgestattet mit einer ordentlichen Rente, genießen die "Best Ager" ihre Freiheit im Ruhestand, besuchen exklusive Konzerte, reisen um die Welt und lassen sich ihren Herbst des Lebens etwas kosten. Doch längst nicht alle Rentner entsprechen dem schillernden Bild, das die Produktwerbung von der Generation 60+ zeichnet. "Wir stellen fest, dass immer mehr Senioren verschuldet sind", sagt Kerstin Noell, Seniorenberaterin bei der Diakonie Köln. Knappe Renten und die Tatsache, dass alte Menschen in ihrem Alltag häufig höhere Kosten zu bestreiten hätten als jüngere, seien die Hauptgründe für die Armut im Alter. Foto: ddp

Berlin/Köln. Den deutschen Senioren scheint es gutzugehen. Ausgestattet mit einer ordentlichen Rente, genießen die „Best Ager” ihre Freiheit im Ruhestand, besuchen exklusive Konzerte, reisen um die Welt und lassen sich ihren Herbst des Lebens etwas kosten.

Doch längst nicht alle Rentner entsprechen dem schillernden Bild, das die Produktwerbung von der Generation 60+ zeichnet.

„Wir stellen fest, dass immer mehr Senioren verschuldet sind”, sagt Kerstin Noell, Seniorenberaterin bei der Diakonie Köln. Knappe Renten und die Tatsache, dass alte Menschen in ihrem Alltag häufig höhere Kosten zu bestreiten hätten als jüngere, seien die Hauptgründe für die Armut im Alter.

„Senioren müssen oft mehr Geld für Dinge wie die Ernährung, die Heizkosten und die gesundheitliche Versorgung ausgeben”, erklärt Heike Nischwitz von der Koordinierungsstelle „Rund ums Alter” des Humanistischen Verbandes Deutschlands in Berlin. Diese Mehrkosten ließen sich nicht vermeiden und daher könnten alte Menschen ihre finanzielle Not kaum kompensieren.

„Senioren verspüren oft eine große Scham wegen ihrer finanziellen Notlage. Schließlich haben viele von ihnen ihr Leben lang hart gearbeitet und sind immer mit ihrem Geld ausgekommen”, sagt Nischwitz. Ändere sich diese Situation mit dem Eintritt in das Rentenalter, scheuten sich viele davor, Hilfe anzunehmen. „Viele wenden sich erst an uns, wenn es eigentlich schon fünf nach zwölf ist und beispielsweise schon der Strom abgestellt wurde”, berichtet Kerstin Noell.

Die Diplom-Sozialarbeiterin rät Betroffenen, rechtzeitig aktiv zu werden und prüfen zu lassen, ob sie staatliche Leistungen und Stiftungsgelder in Anspruch nehmen könnten.

„Um eine knappe Rente aufzustocken, kann man beispielsweise Gelder im Rahmen der Staatlichen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung beziehen”, erklärt Noell. Diese Form der Sozialhilfe könne man auch einmalig erhalten, wenn beispielsweise aufgrund der Jahresabrechnung des Stromanbieters plötzlich zu wenig Geld auf dem Konto sei. „Wer die Grundsicherung bezieht, kann außerdem eine Befreiung von den Rundfunkgebühren und einen Sozialtarif bei der deutschen Telekom beantragen”, sagt Noell.

Eine andere Möglichkeit, die Rente zu ergänzen, bestehe in der Beantragung von Wohngeld, das aber auch nur einkommensabhängig gewährt werde. „Im Bedarfsfall kann im ein oder anderen Fall auch ein Antrag auf Übernahme einmaliger Leistungen bei einer sozialen Stiftung gestellt werden. Hierzu sollte man sich an eine Beratungsstelle wenden”, erklärt Heike Nischwitz. Unterstützung erhalte man in der Regel über Seniorenberatungsstellen in den jeweiligen Stadtverwaltungen oder über die Wohlfahrtsverbände in den Regionen.

Viele Senioren haben Sorge, dass sich die Ämter die finanziellen Leistungen von ihren Kindern oder Enkeln zurückholen. Kerstin Noell beruhigt Betroffene: „Meiner Erfahrung nach kommt es ganz selten vor, dass Angehörige für ihre Eltern oder Großeltern Unterhalt zahlen müssen.” Allerdings müssten die Verwandten ihre Einkommensverhältnisse zur Prüfung offenlegen.

Meist ist es für finanziell benachteiligte Senioren nicht möglich, sich im Alltag noch mehr einzuschränken, um Geld zu sparen. „Die Betroffenen stammen schließlich aus einer Generation, die den sparsamen Umgang mit ihren Gütern gelernt hat und ohnehin nicht verschwenderisch lebt”, sagt Heike Nischwitz. Manchmal könnten ältere Menschen ihre täglichen Ausgaben aber doch noch verringern, indem sie beispielsweise Glühbirnen gegen Energiesparlampen austauschten.

Außerdem sei es lohnenswert, den Stromverbrauch veralteter Elektrogeräte und den Nutzen verschiedener Versicherungen zu überprüfen. Auch bei Verträgen mit Telefonanbietern ließen sich oft kostengünstigere Varianten finden. „Um diese Kosten zu überprüfen und Alternativen zu finden, sollten sich Senioren von den Beratern der Verbraucherzentrale unterstützen lassen”, rät die Sozialarbeiterin.

Neben finanzieller Förderung können Senioren auch von anderen sozialen Hilfsangeboten profitieren. „Kleiderkammern bieten beispielsweise gut erhaltene Kleidung an und in verschiedenen Städten könnten finanziell Bedürftige bei der örtlichen Tafel günstige Lebensmitteln erhalten”, berichtet Kerstin Noell. Sie empfiehlt Betroffenen außerdem, offen über ihre finanzielle Mangelsituation zu sprechen und nicht zu versuchen, ihre Lage vor ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zu verbergen.

„Viele werden erstaunt sein, wie viele Menschen in ihrem Umfeld sich in der gleichen misslichen Lage befinden”, sagt die Seniorenberaterin. Mit anderen Betroffenen könne man sich dann zusammentun und gemeinsam nach Lösungen für die alltäglichen Probleme suchen, die durch die Altersarmut entstehen.
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