Weiterbildung in Krisenzeiten: Wissen macht den Arbeitsplatz sicherer

Von: Deike Uhtenwoldt, dpa
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Weiterbildung schadet nie - wenn sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Gelegenheit dazu bietet, umso besser. Foto: dpa

München. So ändern sich die Zeiten: War vor einem halben Jahr noch der Fachkräftemangel das beherrschende Thema, ist es jetzt die Krise.

„Wenn sie so schnell geht, wie sie zu uns gekommen ist, wird das andere Thema bleiben und Investitionen in Weiterbildung sind gefragt”, fasst Kai Probst, Geschäftsführer der TÜV SÜD Akademie in München, die Haltung seiner Kunden zusammen.

Die Akademie hat im vergangenen Jahr bundesweit 90.000 Teilnehmer in unterschiedlichen Maßnahmen geschult. Nichts deute darauf hin, dass es in 2009 weniger werden. „Bis auf ein Training für einen Automobilzulieferer hatten wir bisher weder Verschiebungen noch Stornierungen”, sagt Probst.

Gerade im Mittelstand habe sich die Erkenntnis durchgesetzt, sich in schwierigen Zeiten für die besseren zu rüsten, meint Probst. TÜV-geprüfte Weiterbildungsnachweise in den Bereichen Qualitätsmanagement und Umweltmanagement seien sehr gefragt. Zuletzt sogar mit steigender Tendenz: „Der Mittelstand verspürt den Druck noch nicht, Kosten einzusparen”, erklärt Probst.

Anders ist das eine Ebene darüber, ist Sabine Seuferts Erfahrung. Die Leiterin des Swiss Centre for Innovations in Learning (Scil) an der Universität St. Gallen sieht eine zunehmende Lücke zwischen Weiterbildungsbedarf und -praxis bei Deutschlands Führungskräften. Die Finanzkrise trage nicht gerade dazu bei, sie zu schließen: „Die Entscheidungsprozesse sind auf jeden Fall verlangsamt, und es hat auch schon Budgetkürzungen im Bildungsbereich gegeben.”

Viele Arbeitnehmer dagegen investieren jetzt in ihre Weiterbildung, um als Arbeitskraft attraktiv zu bleiben. Laut einer repräsentativen Umfrage der forsa Gesellschaft für Sozialforschung im Auftrag des Fernlerninstituts ILS (Institut für Lernsysteme), denkt jeder dritte Arbeitnehmer seit Beginn der Wirtschaftskrise verstärkt über eine berufliche Weiterbildung nach. In der Altersgruppe zwischen 20 und 29 Jahren ist es sogar fast jeder zweite.

Von diesem Bildungsengagement profitieren Fernlerninstitute wie das ILS: „Gegenüber dem Vorjahr haben wir die Anmeldezahlen um 25 Prozent gesteigert”, erklärt Dörte Giebel, ILS-Sprecherin in Hamburg. Der Boom sei eindeutig auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen. Der Trend gehe zu staatlichen oder öffentlich-rechtlichen, etwa IHK-Abschlüssen. Neben betriebswirtschaftlichen Lehrgängen nehmen der Gesundheitsbereich und die Persönlichkeitsbildung zu.

„Wer seinen Arbeitsplatz schützen will, muss Kompetenzen sammeln”, betont auch Kai Probst. Es sei auch Aufgabe des einzelnen Mitarbeiters, sich mit seinen beruflichen Zielen und dem persönlichen Weiterbildungsbedarf zu befassen. Wer damit in die Personalentwicklung oder zu seinem Fachvorgesetzten geht und deutlich macht, was die Maßnahme dem Unternehmen bringt, finde in der Regel Gehör: „Der Mitarbeiter gibt einen Teil seines Urlaubs, das Unternehmen übernimmt die Kosten, diese Kombination findet immer mehr Anhänger.”

Aber auch wer seine Weiterbildung selbst organisiert und bezahlt, sollte das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen, rät Dörte Giebel. „Weiterbildungsbereitschaft wird grundsätzlich positiv bewertet, umso mehr, wenn sie Wissenslücken im Unternehmen schließt.” Allerdings sollte der Mitarbeiter darauf achten, dass die Maßnahme zu seiner Persönlichkeit passt. „Es braucht Motivation, sich parallel zum Beruf weiterzubilden.”

Gerade um diese Doppelbelastung sieht es in wirtschaftlich guten Zeiten schwierig aus: Wenn die Mitarbeiter Arbeitszeiten von 50 Stunden und mehr haben, kommt das Lernen oft zu kurz. Insofern könne die Krise auch eine Chance sein, Versäumtes nachzuholen und sich für neue Zeiten zu wappnen, meint Seufert. „Die Automobilbranche wird nach der Krise anders aussehen als davor. Das wird Konsequenzen für viele Zulieferer haben. Darauf sollten sie sich vorbereiten.”

Wichtig ist, die Weiterbildungsmaßnahme genau auszuwählen und sie intern oder per E-Learning zu begleiten. „Die Zeit der Incentives ist definitiv vorbei”, erklärt Bildungsmanagerin Seufert. Statt Weiterbildung nur als Belohnung für erfolgreiche Mitarbeiter zu sehen, sollte das Thema in alle Prozesse, etwa in die Jahresgespräche, eingebunden werden. Die Auswahl dürfe sich weiterhin nicht nur von Geschäftszielen, sondern auch von den Entwicklungszielen leiten lassen. Seufert fordert daher ein dreigliedriges Kompetenzmodell für Manager, bestehend aus Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz: „Gerade in der Krise muss ich auch mich und andere führen können. Fachwissen allein hilft nicht weiter.”


Literatur:
Weiterbildungsverhalten in Deutschland, W. Bertelsmann Verlag, Bestell-Nr. 14/1105, ISBN 978-3-7639-1963-5, 49,90 Euro.

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