Was tun Kunden mit jährlich 40 Mrd. Euro Versicherungsgeld?

Von: Horst Peter Wickel
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Aachen. Etwa 40 Milliarden Euro zahlen deutsche Versicherungen im Jahr an ihre Kunden aus, wenn Lebens- und Rentenversicherungen fällig werden. Bei der Wiederanlage hapert es.

Bei den Deutschen steht bei der Vermögensplanung immer noch die Immobilie im Mittelpunkt. Laut einer GFK-Studie, die die Gothaer Versicherung in Auftrag gegeben hatte, nutzt ein Drittel der Versicherten ihre ausbezahlte Versicherungsprämie für die schnellere Tilgung des Immobilienkredits, die Renovierung oder die Sanierung sowie für den Erwerb einer Eigentumswohnung oder eines Hauses.

Finanzexperten und Verbraucherschützer halten eine solche Investition für sehr sinnvoll. Während Mieter im Alter mit weiter steigenden Mietkosten zu rechnen haben, sinken die Wohnkosten für Immobilieneigentümer laut Statistischem Bundesamt erheblich.

Auf dem zweiten Platz der Wunschliste von Personen, deren Lebensversicherung zur Auszahlung kommt, steht die Realisierung von Konsumvorstellungen. Beliebt sind hier Reisen, Möbel und Autos. Laut der besagten Umfrage wollen fast zwölf Prozent der Befragten das Geld dafür nutzen, um es für ihre Kinder und Enkelkinder anzulegen. 13,3 Prozent gaben an, das Geld selbst zu benötigen, um den Lebensunterhalt im Alter bestreiten zu können.

Grundsätzlich lässt sich feststellen: Die Versicherungsgesellschaften müssen größtenteils mit einem Abfluss der ausgezahlten Beträge rechnen, sie haben, so GDV-Präsident Alexander Erdland, ein Problem bei der Wiederanlage. Detlef Schmidt, Inhaber der Schmidt Management Consulting GmbH (SMC) schätzt den Wiederanlageanteil auf zehn Prozent.

Daher konzentrieren sich Versicherungen zunehmend darauf, Kunden Anschlussangebote schmackhaft zu machen. So bekommen beispielsweise Kunden der Allianz zwölf Monate vor Ablauf ein erstes Schreiben mit Unterlagen, die alle Möglichkeiten der Wiederanlage bei dem Versicherer aufzeigen. Bei Barmenia, Axa und Gothaer geschieht dies sogar mit einer Vorlaufzeit von rund zwei Jahren. In einer jüngsten SMC-Wiederanlagestudie kam heraus, dass 78 Prozent der befragten Versicherer der Ansicht sind, dass bei in puncto Wiederanlagemanagement noch einiges zu gibt, um den Verkauf zu stimulieren.

Bei Fälligkeit einer Lebensversicherung handelt es sich zumeist um größere Summen. Deswegen ist es ratsam, bezüglich der Wiederanlage das Gespräch mit einem Bank- oder Anlageberater zu suchen. Bevor Sie Anlageentscheidungen treffen, sollten Sie einen Kassensturz machen. Eine solche Analyse beinhaltet die Gegenüberstellung von Vermögenswerten und Verbindlichkeiten, berücksichtigt aber auch Aspekte wie Sicherheit, Flexibilität und Rendite, rät Tanja Wilkniß vom Verbraucherservice Bayern.

Nach ihren Angaben geht das Kapital schnell zu neige, wenn man davon leben will. So sind 100.000 Euro zum Beispiel schon nach elf Jahren aufgebraucht, wenn man monatlich nur 750 Euro davon ausgibt. Legt man die Summe aus der Lebensversicherung hingegen in Wertpapiere oder Fonds an, steht man vor einem ähnlichen Problem: Will man das Anlagekapital auf Dauer erhalten, dann muss man sehr sparsam von den Erträgen leben.

Sollten Sie in der Situation sein, dass Ihre Lebensversicherung bald fällig wird, sollten Sie bei der Wiederanlage nicht überstürzt handeln. Lassen Sie sich das Geld erst einmal überweisen und zahlen es auf ein Tagesgeldkonto oder ein Geldmarktkonto ein oder entscheiden sich für eine Festzinsanlage, empfiehlt Wilkniß.

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