Berlin - Warum man manche Steuertricks wirklich nicht braucht

Warum man manche Steuertricks wirklich nicht braucht

Von: Oliver Mest, ddp
Letzte Aktualisierung:
Steuererklärung
Steuerzahler müssen bei der Steuererklärung einiges beachten.

Berlin. Natürlich ist die Versuchung groß: Alle haben das Gefühl, zu viel Steuern zu zahlen und wollen daher bei ihrer Steuererklärung gern tricksen. Falsche Angaben können aber bei einer genauen Prüfung des Finanzamtes im schlimmsten Fall als ausgewachsene Steuerhinterziehung bewertet werden und ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen.

Grund genug also, ehrlich zu sein im Umgang mit dem Finanzamt. Bei den Fahrtkosten zum Beispiel ist solche Ehrlichkeit das oberste Gebot. Hier sollten Steuerzahler wirklich nur die Strecke angeben, die sie täglich fahren und nicht einfach ein paar Kilometer draufschlagen. Denn dem kann das Finanzamt mittels eines elektronischen Streckenplaners schnell auf die Schliche kommen.

Für die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ist die kürzeste Straßenverbindung maßgebend. Aber: Eine längere Strecke wird akzeptiert, wenn sie verkehrsgünstiger ist und regelmäßig genutzt wird. So ist es möglich, den 30 Kilometer langen Weg zur Arbeit abzusetzen, der den Steuerzahler auf dem Autobahnring um die Stadt herumleitet, als den 20 Kilometer langen Weg quer durch die Stadt.

Ebenfalls ein Stolperstein ist der Firmenwagen: Viele Selbstständige und Angestellte mit Firmenwagen versuchen immer wieder, einen möglichst hohen Teil Ihrer Autokosten steuerlich geltend zu machen.

Am besten geht das immer noch, wenn man ein Fahrtenbuch führt, um genau zu zeigen, wann man beruflich und wann man privat unterwegs ist. Probleme gibt es vor allem immer wieder, wenn der Firmenwagen auch für die Fahrt zur Arbeit genutzt werden könnte. Hier hilft oft nicht einmal ein Nachweis in Form einer Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr, dass der Wagen tatsächlich nicht genutzt wird, um die Steuerpflicht zu umgehen.

Denn, so das hessische Finanzgericht (AZ: 11 K 1844/05) in einem Urteil, es kommt nicht darauf an, ob ein Arbeitnehmer den Dienstwagen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte auch tatsächlich nutzt. Entscheidend sei die bloße Nutzungsmöglichkeit. Wer die Besteuerung vermeiden will, muss sich einem überwachten Fahrverbot durch den Arbeitgeber unterwerfen und zum Beispiel den Wagenschlüssel beim Pförtner abgeben.

Das Arbeitszimmer: Es war einmal das wirklich lohnende Steuersparmodell des sprichwörtlichen „kleinen Mannes”: Dieser richtete sich (am besten in der eigenen Immobilie) ein Büro ein und beteiligte das Finanzamt an den Kosten. Mittlerweile können dieses Steuerspar-Modell nur noch Selbstständige und Angestellte mit einem Home-Office wirklich nutzen, viele Angestellte können nichts mehr absetzen. Steuerzahler sollten sich deshalb auch nicht darauf konzentrieren, dem Finanzamt ein paar Euro mehr für das Arbeitszimmer unterzujubeln.

Das wird in der Regel nicht gelingen und spätestens, wenn die Prüfer vor der Tür stehen, wird man Probleme haben, die fingierten Kosten durchzuboxen. Wichtiger: Nur die Kosten für die anteilige Miete oder Immobilienbelastung fallen unter die Beschränkung der Absetzbarkeit. Zusätzlich kann man Einrichtungsgegenstände absetzen, die beruflich genutzt werden - ohne Begrenzung. Das betrifft zum Beispiel Büromöbel oder Lampen: Damit lässt sich oft ganz legal mehr sparen als durch das Arbeitszimmer selbst.

Grundsätzlich gilt: Steuertricks sind mit Vorsicht zu genießen. Oft haben die Geheimtipps steuerrechtliche Auswirkungen, die Laien kaum überblicken. Und dann wird aus dem vermeintlichen Sieg gegen das Finanzamt ganz schnell ein Bumerang, der teuer und stressig werden kann. Besser ist es immer, sich von Experten beraten zu lassen, die wissen, welche „Tricks” wirklich funktionieren.
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