Versicherungswechsel lohnt oft nur auf den ersten Blick

Von: Oliver Mest, dapd
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Elmshorn. Der Herbst ist für Versicherungen und Versicherte gleichermaßen eine spannende Jahreszeit. Denn viele Standardverträge wie Hausrat- oder Haftpflichtversicherungen laufen zum Jahresende aus. Auch viele Kunden sehen Sparpotenzial und wollen wechseln.

Tatsächlich kann sich ein Wechsel für Versicherungsnehmer lohnen: Neue Verträge bieten oft eine bessere Leistung zu einem günstigeren Preis. Allerdings wird oft ein wahres Wechselfieber entfacht - unter anderem auch von zwielichtigen Maklern und unseriösen Versicherungsportalen im Internet, die an den Wechselwilligen verdienen wollen.

Es gibt auch Fälle, in denen ein Wechsel überhaupt nicht sinnvoll ist. Oft können Verbraucher froh sein, wenn sie eine wichtige Versicherung wie eine Berufsunfähigkeitspolice oder eine Krankenzusatzversicherung einmal bekommen haben. Wer den Anbieter wechselt, verliert oft viel Geld oder verschlechtert seinen Versicherungsschutz.

An anderer Stelle aber sollten Verbraucher das Sparpotenzial beim Versicherungswechsel nutzen: So kann ein Wechsel der Hausratversicherung schnell bis zu 100 Euro Ersparnis pro Jahr bringen. „Die Prämie und Ersparnis sollten aber an zweiter Stelle stehen. Entscheidend ist immer die Qualität des Versicherungsschutzes”, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

Qualität des Schutzes ist entscheidend

Wer genau hinsieht, erkennt: Nicht immer bringt ein Wechsel neben der ersehnten Ersparnis automatisch auch vergleichbare oder verbesserte Versicherungsbedingungen. Der Wechsel kann den Schutz auch verschlechtern. „Es kann beispielsweise gefährlich sein, eine Wohngebäudeversicherung zu kündigen”, sagt der unabhängige Versicherungsberater Jörg Deppner. Der Schutz reiche heute oft weniger weit als bei Policen, die einige Jahre alt seien.

„So waren beispielsweise Ableitungsrohre bis vor einigen Jahren immer versichert. Heute sind sie es in den meisten Fällen nicht mehr”, erklärt Deppner. Wer aber nur auf den Preis achte, übersehe dieses wichtige Detail oft - nicht zuletzt deswegen, weil die Verträge mit allerlei Nebensächlichkeiten „aufgepumpt” würden. „Mittlerweile gibt es viel zu viel Schutz, den die meisten gar nicht benötigen - wichtige Vertragsklauseln bleiben dabei oft auf der Strecke”, warnt auch Rudnik.

Wer wechselt, fängt manchmal bei Null an

Mit einem Wechsel der Versicherung laufen Versicherte somit meist auch Gefahr, erworbene Privilegien beim Alt-Versicherer zu verlieren. Am deutlichsten zeigt sich das am Beispiel von Krankenzusatzversicherungen: Im Laufe der Jahre steigen die Erstattungen für Zusatzleistungen wie Zahnersatz. Wer den Anbieter wechselt, fängt beim neuen Versicherer dagegen wieder bei Null an.

Anders ist die Lage bei der Rechtsschutzversicherung. Einmal absolvierte Wartezeiten wirken sich auch im neuen Vertrag aus. Bedingung dafür sei aber, erläutert Deppner, „dass der neue Vertrag lückenlos an den alten anschließt. Schon ein Tag Unterbrechung reicht aber, damit die erreichten Wartezeiten nicht auf den neuen Vertrag übergehen.” Vor einem Versicherungswechsel sollte deshalb immer auch bei scheinbar simplen Verträgen der Rat eines Experten eingeholt werden.

Versicherungsschutz in Gefahr

Es gebe sogar Fälle, in denen ein Wechselwunsch oder gar eine übereilte Kündigung in einem wahren Fiasko enden können, warnt Versicherungsberater Deppner mit Blick auf die private Krankenversicherung (PKV): „Finanziell fährt man bei einem Wechsel der PKV meist schlechter, außerdem machen Krankheiten und eventuell auch das Alter einen Wechsel in vielen Fällen sinnlos.”

Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung hingegen kann ein Wechsel durchaus sinnvoll sein: Der Markt hat sich geändert, viele Angebote sind heute deutlich besser als vor einigen Jahren. Wer deshalb wechsel will, für den hat Versicherungsexperte Michael Nischalke von der Stiftung Warentest einen guten Rat: „Kündigen Sie nur, wenn Sie den neuen Vertrag mit einem vergleichbaren Angebot bereits in der Tasche haben.” Ansonsten gilt die Devise: Ist ein Wechsel nicht realisierbar, sollten Verbraucher lieber den alten Schutz behalten, als am Ende ganz ohne Schutz dazustehen.
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