Umzugskisten packen und Steuern sparen

Von: Monika Hillemacher, dpa
Letzte Aktualisierung:
Umzug Steuern sparen
Das Finanzamt hilft: Beim Umzug können unter anderem die Ausgaben für Spedition und Möbelpacker von der Steuer abgesetzt werden. Foto: dpa

Berlin/Frankfurt/Main. Neuer Job, neue Freundin, Nachwuchs oder der Traum vom Eigenheim: Gründe für einen Umzug gibt es jede Menge. Um die Kosten zu begrenzen, sollten Verbraucher eine Reihe von Steuervergünstigungen nutzen.

Bei beruflichen Wohnungswechseln dürfen Arbeitnehmer außerdem damit rechnen, dass ihnen die Firma finanziell und organisatorisch unter die Arme greift.

Sowohl bei privaten als auch bei beruflich bedingten Umzügen beteiligt sich das Finanzamt an den Kosten. So ließen sich zum Beispiel die Ausgaben für Spedition und Möbelpacker steuermindernd geltend machen, erklärt Nora Schmidt-Keßeler, Hauptgeschäftsführerin der Bundessteuerberaterkammer (BStBK) in Berlin. Bei einem selbst organisierten Umzug ist die Rechnung über die Leihwagen-Miete ebenso abzugsfähig wie Lohn, Essen und Getränke für fleißige Helfer. Darüber hinaus können „sonstige Ausgaben” - zum Beispiel Ummeldegebühren oder Kosten eines neuen Telefonanschlusses - in der Steuererklärung als Werbungskosten aufgelistet werden.

„Wer seine Umzugskosten vom Finanzamt anerkannt bekommen will, sollte sämtliche Belege aufbewahren”, empfiehlt Schmidt-Keßeler. Der Abzug ist aber begrenzt. Für private Wohnungswechsel akzeptiert das Finanzamt unter der Rubrik „haushaltsnahe Dienstleistungen” maximal 4000 Euro. „Das betrifft aber nur Arbeitskosten, nicht den Kauf von Umzugskartons.” Wer beruflich die Kisten packen muss, kann entweder einen Pauschalbetrag absetzen oder die tatsächlichen Kosten.

Für den Pauschalbetrag gelten nach Angaben der Steuerberater seit dem 1. Juli 2009 folgende Sätze: 628 Euro für Ledige und 1256 Euro für Verheiratete. Hinzu kommen 277 Euro für jede weitere im Haushalt lebende Person, etwa Kinder oder Großeltern. Benötigen Kinder Nachhilfeunterricht, um in der neuen Schule mitzukommen, können Eltern bis zu 1584 Euro steuermindernd anrechnen lassen.

Von den Steuervorteilen profitieren auch Berufseinsteiger und Rentner. Diejenigen, die „ihren ersten Arbeitsplatz oder ein zeitliches begrenztes Jobangebot mit Zweitwohnsitz annehmen”, können unter Umständen sogar zweimal Ausgaben anmelden: beim Antritt der Stelle und am Ende. Zieht jemand aus einer Dienstwohnung aus, weil er in den Ruhestand geht, gilt das als beruflich begründeter Umzug.

Viele Firmen unterstützen ihre Mitarbeiter bei Umzügen wegen Versetzung oder Stellenwechsel. Sie zahlen zum Beispiel „Gardinengeld” oder schalten eine sogenannte Relocation-Agentur ein. Diese Dienstleister übernehmen alle lästigen Arbeiten von der Wohnungssuche über die Ämtergänge bis zur Auswahl der neuen Schule.

Dafür zahlen die Unternehmen vierstellige Beträge. In den Genuss der Betreuung kommen in der Regel Führungskräfte und Spezialisten, sagt Petra Grossmann aus Frankfurt, die seit zehn Jahren die Agentur „Averto” betreibt. Was in welcher Höhe bezahlt wird, ist verschieden. „Die Leistungen werden üblicherweise zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter ausgehandelt.”

Werden ganze Abteilungen verlegt, schließen Unternehmen und Betriebsräte meist eine Betriebsvereinbarung ab. Diese gilt für alle betroffenen Mitarbeiter und sorgt dafür, dass „alle in gleicher Situation gleich behandelt werden”, sagt Jochen Homburg vom Bundesvorstand der IG Metall in Frankfurt. Neben Umzugs- und Maklerkosten kann das Abkommen Zuschüsse für Familienheimfahrten oder für weite Wege zum Arbeitsplatz regeln. Solche Vergünstigungen „müssen aber in der Steuererklärung aufgeführt werden”.

Etwa eine halbe Million Menschen arbeiten weit weg von zu Hause und unterhalten deshalb eine Zweitwohnung - hier kommt das Stichwort „doppelte Haushaltsführung” ins Spiel. Die Miete für die Wohnung oder ein Hotel erkennt das Finanzamt steuermindernd an. Bei eigenen Immobilien sind unter anderem Zinsen und Nebenkosten absetzbar.

Die Obergrenze liegt laut BStBK beim vergleichbaren Aufwand einer 60-Quadratmeter-Mietwohnung. Am Kauf von Tisch, Bett und Schrank beteiligt sich der Fiskus genauso wie an Makler-Ausgaben oder der Renovierung. Selbst die Mahlzeiten fernab der Heimat finanziert Vater Staat mit: Verbraucher können maximal drei Monate lang zwischen sechs und 24 Euro pro Tag pauschal für Essen und Trinken in der Steuererklärung ansetzen. Wöchentliche Heimfahrten werden mit 30 Cent pro Kilometer oder dem Fahrpreis öffentlicher Verkehrsmittel angerechnet.

Seit zwei Urteilen des Bundesfinanzhofs (Az.: VI R 58/06 und VI R 23/07) akzeptieren Finanzämter auch aus privaten Gründen unterhaltene Zweitwohnungen. Schmidt-Keßeler gibt ein Beispiel. „Eine berufstätige Frau zieht vom Familienwohnsitz A zunächst zu ihrem Mann nach B, kehrt später aber wegen der Kinder nach A zurück, weil die Lebensbedingungen besser sind.” Wohnt und arbeitet der Mann weiterhin in B, kann er die dortige Wohnung als Zweitwohnsitz absetzen. Der Knackpunkt: „Arbeitsort und Lebensmittelpunkt dürfen nicht übereinstimmen.” Das nachzuweisen, dürfte Familien leichter fallen als Singles.

Die Zweitwohnungssteuer

Die Zweitwohnungssteuer darf nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht auf Zweitwohnungen von Ehepaaren erhoben werden, weil das die Ehe benachteiligen würde. Singles können die von den Kommunen erhobene Steuer als Werbungskosten absetzen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert