Umziehen leicht gemacht: Richtig laden und fahren

Von: Marina Leunig, dpa
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Umziehen Transporter
Herausforderung für Laien am Lenkrad: Wer nur selten einen Transporter fährt, sollte wegen der ungewohnten Fahrzeugmaße besonders vorsichtig sein. Foto: dpa

München/Fulda. Julia Ringe aus Oldenburg ist genervt: Zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren zieht die 28-Jährige um. „Wieder muss ich meinen Kram allein von A nach B bringen”, stöhnt die Sozialpädagogin. Professionelle Umzugsfirmen sind ihr zu teuer.

Doch den Umzugstransporter selbst zu lenken, stellt sie vor eine große Herausforderung. „Das ist ein ganz ungewohntes Fahren”, erklärt Maximilian Maurer vom ADAC in München.

Aber nicht nur das Fahren will gelernt sein. Auch bei der Wahl des Leihfahrzeugs, der Versicherung und beim Beladen können schnell Fehler passieren. „Zunächst muss sichergestellt sein, dass man den Wagen mit seinem Führerschein fahren darf”, sagt Michael Katzer, Unfallanalytiker der Dekra in Fulda.

Für 7,5-Tonner etwa gelten nur alte Autoführerscheine der Klasse III, die vor dem 1. Januar 1999 ausgestellt wurden. Dann kam die neue Euro-Fahrerlaubnis: Mit dem Autoführerschein der Klasse B ist bei 3,5 Tonnen Schluss - also bei der Sprinterklasse.

Viele wissen aber gar nicht, welcher Wagen für ihre Zwecke am besten geeignet ist. Da hilft ein Anruf bei einem Autovermieter. „Wenn jemand dort sagt, ein Schrank, das Bett und die Yuccapalme müssen mit, nennt ihm der Mitarbeiter den passenden Wagen”, erklärt Stefanie Dargel vom Verleiher Europcar in Hamburg.

Neben Kleintransportern wie Mercedes Sprinter oder Ford Transit bieten einige Verleiher auch sogenannte Koffer-Lkw an. „In Kleintransportern stören oft die Radkästen im Bereich der Ladefläche - bei einem Koffer-Lkw ist diese eben”, sagt Dargel. Und auch Besitzer des Führerscheins der Klasse B dürfen zumindest die kleineren Exemplare fahren. Ein Anhänger mit maximal 750 Kilogramm Gewicht ist ebenfalls erlaubt, wenn das zulässige Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen nicht überschritten wird.

Zum Verleiher gehen Kunden am besten zu zweit, sagt Katzer. Vier Augen sehen schließlich mehr als zwei - zum Beispiel beim Erstellen eines Schadensprotokolls, zu dem der Dekra-Fachmann vor Fahrtantritt dringend rät. So lässt sich später Ärger über vermeintlich neue Beulen und Kratzer vermeiden. Katzer empfiehlt auch, nur bei seriösen Anbietern zu mieten. Außerdem sollten sich Automieter die Bedienung des Fahrzeugs ihrer Wahl ausführlich erklären lassen.

Wer den passenden Wagen gefunden hat, dem fehlt noch die Versicherung. Der Mietpreis enthält die Haftpflichtversicherung, heißt es beim Autovermieter Sixt in Pullach (Bayern). Eine Vollkaskoversicherung mit individueller Selbstbeteiligung oder ohne sei zusätzlich buchbar. „Immer eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung wählen”, rät Maximilian Maurer vom ADAC. „Bei mehreren hundert Euro Selbstbehalt würde schon ein harmloser Kratzer ins Geld gehen.”

Nach den Formalitäten kommt die Arbeit. „Einfach alles ins Auto schmeißen geht zwar schnell. In der neuen Wohnung hatte ich aber leider einen Spiegel weniger”, hat Julia Ringe ihre Lektion gelernt. Michael Katzer empfiehlt deshalb, formschlüssig zu packen: Schwere Gegenstände gehören auf den Ladeboden, leichtere Dinge sollten darauf so dicht wie möglich aneinandergestellt werden. Gurte, Seile und Decken halten das Ganze dann bruchsicher zusammen. „Für Schäden, die auf nicht gesicherte Ladung zurückzuführen sind, haftet der Fahrer”, warnt Katzer.

„Am Steuer des Transporters sitzt am besten jemand, der so einen Wagen schon einmal gefahren hat”, erklärt Maximilian Maurer. Dies gelte umso mehr für 7,5-Tonner. Im Gegensatz zu Autos verzögern die Lastwagen zum Beispiel mit Druckluft. Ein solches Bremssystem reagiert viel härter, als es Autofahrer gewohnt sind.

Bei Kleintransportern unterschätzen Neulinge meist die starke Motorisierung. Gerade mit einem leeren Fahrzeug ist Tempo 150 auf der Autobahn schnell erreicht. „Der Fahrer muss sich über den längeren Bremsweg und das besondere Kurvenverhalten im Klaren sein - insbesondere bei Nässe”, sagt Maurer.

Wer mit einem Umzugsleihwagen unterwegs ist, sollte auch an die ungewohnte Höhe und Länge des Fahrzeugs denken - das heißt: Abstand halten und Vorsicht bei Brücken und Durchfahrten walten lassen. Um zehn Prozent senke ein Navigationsgerät die Unfallquote, sagt Stefanie Dargel. Der Fahrer kann sich damit besser auf das neue Fahrzeug und den Verkehr konzentrieren und müsse nicht im Straßenatlas blättern.

Schlimmer als das Fahren empfinden die meisten das Einparken. Zu zweit geht auch das einfacher. „Nach hinten raus sieht man nichts. Die Außenspiegel sind die einzige Einparkhilfe”, erklärt Katzer. Deshalb sei ein Einweiser wichtig. Wenn der nicht mehr zu sehen ist, unbedingt stoppen, rät der Experte. Denn auf unbekannten Parkflächen mit einem fremden Fahrzeug verschätze man sich sehr leicht.

Maximilian Maurer hat noch einen Tipp für alle, die Geld sparen wollen: Die Nachfrage nach Umzugstransportern sei am Wochenende immer groß. Wer seinen Umzug werktags plant, könne deshalb häufig deutlich günstiger einen Wagen mieten.

Autoverleiher bieten oft umfangreiches Umzugszubehör an: Sie verleihen Sackkarren, Gurte, Decken oder Umzugskartons und Möbelroller. Auch ein Navi gibt es für drei bis fünf Euro pro Tag. Auf ihren Internetseiten stellen viele Verleiher außerdem Umzugs-Checklisten zur Verfügung und geben Fahr-Tipps.
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