Steuerpflicht im Alter: Auch Rentner müssen sich beim Fiskus erklären

Von: Angelika Röpcke, dpa
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Der Fiskus weiß Bescheid: Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben, wenn sie Einkünfte in bestimmter Höhe haben. Foto: dpa

Berlin/Regensburg. Auch wer in Rente geht, ist nicht unbedingt von der Steuerpflicht entbunden. Gerade in diesem Jahr kommt auf Rentner einiges Neues zu. Denn von Herbst an erfahren die Finanzämter direkt von den Rentenversicherungsträgern, wer welche Rentenarten und Beträge bezieht.

Die meisten müssen dann letztlich zwar keine Steuern zahlen. Aber oft müssen sie zumindest eine Erklärung einreichen.

Hintergrund ist zum einen das Alterseinkünftegesetz von 2005, das den zu versteuernden Anteil der Bezüge Jahr für Jahr für Neurentner höher werden lässt. Dazu kommt die Neuregelung zwischen Fiskus und Rentenversicherung. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums müsse etwa ein Viertel der Rentnerhaushalte - das seien rund 3,3 Millionen - eine Steuererklärung abgeben, sagt Jörg Schwenker, Geschäftsführer der Bundessteuerberaterkammer in Berlin. Denn auf dem Konto vieler älterer Menschen landen monatlich nicht nur Renten und Pensionen. Viele haben noch weitere Einkünfte, etwa durch das Vermieten eigener Immobilien oder durch Kapitalvermögen.

Oder sie arbeiten im Ruhestand weiter. Solche weiteren Einkünfte müssen beim Fiskus angezeigt werden. „Entscheidend ist die Höhe der jährlichen Einkünfte”, sagt Schwenker. Von diesen werden zum Beispiel Werbungskosten - etwa für Arbeitsmittel - abgezogen. Für alleinstehende Rentner gilt Schwenker zufolge eine Werbungskostenpauschale in Höhe von 102 Euro, bei Paaren sind es 204 Euro. Überschreiten die Einkünfte nach Abzug der Werbungskosten den Grundfreibetrag - also das steuerliche Existenzminimum -, ist in aller Regel die Abgabe einer Steuererklärung fällig.

Für Singles bedeutet das nach Aussage von Anita Käding vom Bund der Steuerzahler aus Berlin: Wer 2008 mehr als 7664 Euro verdient hat, ist steuerpflichtig. Ehepartner dürfen zusammen nicht mehr als 15.329 Euro verdient haben, um steuerbefreit zu sein. „Wer weniger Einnahmen hat, wird nicht besteuert”, erklärt Schwenker.

Viele Ältere haben im Ruhestand einen Minijob. „Bis zu 400 Euro im Monat dürfen dazu verdient werden, ohne Abgaben zu zahlen”, sagt Schwenker. „Erst jede weitere geringfügige Beschäftigung ist dann steuer- und sozialversicherungspflichtig”, sagt Wolfgang Benzel aus Regensburg, der einen Ratgeber zum Thema geschrieben hat. Am Ende des Jahres werden alle Einkünfte zur Veranlagung zusammengefasst und die Einkommensteuer ermittelt. Es gibt aber etliche Wege, um die Steuerlast zu drücken.

Beispielsweise haben einige Senioren noch minderjährige Kinder, für die Freibeträge gelten. Der Kinderfreibetrag beträgt laut Benzel 1824 Euro. Hinzu kommt der Freibetrag für Betreuung, Erziehung oder die Ausbildung eines Kindes, der vom Einkommen abgezogen werden könne. „Bei zusammen veranlagten Ehegatten verdoppeln sich die Beträge”, erläutert Benzel. Und die Freibeträge stünden Vater oder Mutter auch dann zu, wenn der andere Elternteil bereits tot ist.


Aber auch andere Ausgabenposten können die Steuerschuld verringern. „Wenn die Gesundheit nicht mehr mitspielt und höhere Ausgaben für Ärzte und Arznei- oder Hilfsmittel anfallen, können diese als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden”, sagt Schwenker. Jeder Euro, der oberhalb der sogenannten zumutbaren Eigenbelastung anfällt, mindere die zu zahlende Steuer. „Und wenn Haushaltshilfen in Anspruch genommen werden, können die Ausgaben gegebenenfalls als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend gemacht werden.”

Sogar außergewöhnliche Belastungen wie die Bestattung des verstorbenen Partners sind absetzbar, soweit der fällige Betrag nicht aus dem Nachlass bestritten werden kann. „Darunter fallen allerdings nur die unmittelbaren Bestattungskosten, nicht Bewirtungs- und Reisekosten der Trauergäste sowie Trauerkleidung”, sagt Käding. Ebenso sollten Ältere auf den Formularen anführen, ob ihnen Kosten für die Unterbringung in einem Pflegeheim entstanden sind.

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen auch Aufwendungen wegen einer Behinderung. Ein Mehraufwand für die Wäsche, die Kosten für behinderungsbedingte Heilbehandlungen und Medikamente, für Hilfsmittel wie einen Rollstuhl oder Prothesen können abgezogen werden, sagt Käding. Auch Einbauten in der eigenen Wohnung - etwa zusätzliche Griffe - drücken die Steuerlast. Hierbei sei aber zu beachten, dass die Einbauten nicht zu einer Werterhöhung der Wohnung führen dürften. Dann entfällt der Steuerabzug.

Literatur: Wolfgang Benzel: Der aktuelle Steuerratgeber für Rentner und Ruhestandsbeamte, Walhalla, ISBN: 978-3-8029-3823-8, 9,50 Euro.


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