Sparpotential durch Selbstbeteiligung

Von: Fritz Himmel
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Versicherung
Bei einer Autoversicherung zahlt fast jeder einen Selbstbehalt, wenn es um Teil- oder Vollkasko-Verträge geht, beispielsweise 150, 300 oder 500 Euro im Jahr. Das kann sich durchaus lohnen. Foto: dpa Foto: dpa

Aachen. Viele Versicherungen sind mit einem sogenannten Selbstbehalt abschließbar. Wer bereit ist, bei einem Schadenfall oder einer Krankheit einen Teil der Kosten selbst zu übernehmen, muss dafür im Gegenzug für gewöhnlich niedrigere Beiträge zahlen. Ein Tarif mit Selbstbeteiligung bedeutet in der Regel: Bis zur vereinbarten Höhe trägt man die anfallenden Kosten selbst.

Ist die vereinbarte Grenze überschritten, zahlt die Versicherung den Rest. Bevor man aber eine Selbstbeteiligung vereinbart, sollte man sich genau über die möglichen Folgen informieren und Gedanken machen.

Private Krankenversicherung

Beim Abschluss einer privaten Krankenversicherung (PKV) kann man auf eigenen Wunsch einen Selbstbehalt vereinbaren, um so seinen monatlichen Versicherungsbeitrag zu senken. Es gibt generelle, behandlungsbezogene oder auch prozentuale Selbstbeteiligungen -; je nach Versicherung und eigenem Gusto. Wird beispielsweise die generelle Selbstbeteiligung gewählt, so zahlt man im Krankenversicherungsfall pro Jahr eine vereinbarte Summe zunächst selbst, bevor dann die PKV einspringt.

Besonders Selbstständige und Freiberufler können vom Selbstbehalt profitieren, sofern sie sich gesund fühlen und keine schweren Erkrankungen vorliegen. Jedoch kann sich bei einer langwierigen Erkrankung auch hier der Selbstbehalt negativ auswirken, insbesondere dann, wenn sehr hohe Beträge vereinbart wurden. Es ist daher sinnvoll, einen Selbstbehalt von 500 bis 800 Euro jährlich nicht zu überschreiten. "Ein zu hoch kalkulierter Eigenbetrag kann im Nachhinein nicht mehr reduziert werden", warnt hier Susanne Meunier von der Stiftung Warentest.

Bei Angestellten ist die Selbstbeteiligung dagegen oft ein Minusgeschäft. Denn während die Firma zum monatlichen Krankenversicherungsbeitrag einen Anteil von 50 Prozent zusteuert und damit auch von einer Beitragsersparnis durch die Selbstbeteiligung profitiert, muss der Arbeitnehmer dagegen im Falle einer Krankheit seinen Selbstbehalt komplett alleine tragen. Angestellte sollten hier genau durchrechnen und abwägen, bevor sie sich darauf einlassen.

Fazit:

Deutliche Ersparnis möglich -; aber individuelle Situation entscheidet.

Private Haftpflichtversicherung

Erhältlich sind Selbstbeteiligungstarife mit meist 150 bis 250 Euro Selbsthalt. In der Privathaftpflicht ist solch ein Vertrag jedoch wenig sinnvoll. Die häufigsten Schadenfälle liegen eher im unteren dreistelligen Bereich. Bei einer höheren Selbstbeteiligungssumme geht ein Versicherter dann stets leer aus. Es darf dann sogar doppelt gezahlt werden: die Versicherungsprämie und der Schaden. Für eine Familie ist ein guter Basisversicherungsschutz bereits ab rund 60 Euro im Jahr zu haben. Da lohnt es sich für ein paar Prozent Prämienersparnis im Jahr nicht, im Schadensfall auch noch selbst Geld zahlen zu müssen.

Fazit:

Eher Finger weg.

Rechtsschutzversicherung

Bei der Rechtsschutzversicherung lässt sich mit einer Selbstbeteiligung ordentlich sparen. Die Experten vom Analysehaus Morgen & Morgen haben errechnet: Eine Beispielfamilie zahlt eine Versicherungsprämie in Höhe von 210 Euro im Jahr, wenn die Selbstbeteiligung bei 150 Euro liegt. Ohne Selbstbeteiligung steigt dagegen die Prämie auf 300 Euro an. Hier lohnt es sich immer, die Tarife genau zu checken.

Fazit:

Selbstbeteiligung meist vorteilhaft.

Kfz-Versicherung

Bei einer Autoversicherung zahlt fast jeder einen Selbstbehalt, wenn es um Teil- oder Vollkasko-Verträge geht, beispielsweise 150, 300 oder 500 Euro im Jahr. Das kann sich durchaus lohnen. Denn bei kleineren Schäden ist die Beitragsersparnis oft deutlich höher, als der bezahlte Schaden. Mittels Selbstbeteiligung sind Beitragsersparnisse von 30 Prozent keine Seltenheit. Das entspricht oft einigen hundert Euro. Je länger man schadenfrei ist, desto rentabler wird der Selbstbehalt.

Fazit:

Lohnt sich meist.

Wohngebäudeversicherung

Mit einer Selbstbeteiligung im Schadenfall können Versicherungsnehmer bei der Wohngebäudeversicherung in aller Regel den Beitragssatz spürbar verringern. In diesem Bereich schreiben die meisten Assekuranzen zurzeit rote Zahlen. Daher drängen viele Versicherer bei Neuverträgen automatisch auf eine Selbstbeteiligung der Versicherten. So führt die Ergo eine Selbstbeteiligung von 500 Euro bei Neuabschluss ein. Dafür gibt es 25 Prozent Rabatt auf den Versicherungsbeitrag. Und nach schadenfreien Jahren sinkt auch die Selbstbeteiligung.

Fazit:

Lohnt sich meist.

Grundsätzlich gilt:

Je höher die Eigenbeteiligung, desto höher ist auch der Prämiennachlass. In den meisten Fällen hält Hajo Köster vom Bund der Versicherten Selbstbehalte durchaus für sinnvoll. Kunden sollten aber immer genau abwägen, bevor sie sich dafür entscheiden.

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