Sparkassen kassieren Kunden-Provision

Von: Birgit Müller
Letzte Aktualisierung:
Symbol Geld Haushalt Münzen Symbolfoto: dpa/Tobias Hase
Die Sparkasse vergibt ab Mitte April Provisionen für ihre Berater - das bedeutet erhöhte Vorsicht bei Geschäften mit Wertpapierfonds. Symbolbild: dpa

Aachen. Die Sparkassen ändern Mitte April ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Hiervon sind Kunden mit Wertpapierfonds betroffen. Wer sich beschwert, dem droht die Kündigung.

Kunden können nicht nur Sparbücher bei den Sparkassen abschließen, sondern auch Depots für Wertpapiere, um damit beispielsweise Fonds kaufen zu können. Im Gegensatz zu den Direktbanken sind diese Fonds teurer und werden jetzt noch unattraktiver. Zum 15. April wollen die Sparkassen ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen ändern: Ab dann, fließen die Provisionen, die bei der Vermittlung von Geldanlageprodukten eigentlich dem Kunden zustehen würden, den Sparkassen zu. Die Sparkasse will demnach die Provision für sich einbehalten und diese Praxis in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) einbetten, damit sich daran auch in Zukunft nichts ändert. Kunden, die bereits ein Wertpapierdepot bei der Sparkasse besitzen, stimmen dem automatisch zu, sofern sie nicht widersprechen. "Die Sparkassen greifen damit massiv in das bestehende Vertragsverhältnis ein. Sie weichen von gesetzlichen Regeln ab und all das ohne ihre Kunden aktiv um Zustimmung zu bitten", bemängelt Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzen bei der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Dies ist nicht nur bei den Sparkassen üblich, sondern auch bei vielen anderen Geldhäusern gängige Praxis.

Durch Provisionen ist eine unabhängige Beratung nicht mehr gewährleistet

Bereits seit Jahren kritisieren Verbraucherschützer das intransparente Provisionsmodell der Banken, der Berater sowie der Kooperationspartner. Denn durch die unterschiedlich hohen Provisionen bei Produkten, ist die Unabhängigkeit der Beratung gefährdet. Zumal die Vergangenheit zeigt, dass eben häufig die Produkte an den Kunden verkauft werden, die dem Banker das meiste Geld einbrachten - und eben nicht dem Kunden.

Diese Kosten fallen beim Fondskauf an

Stiftung Warentest schätzt, dass Banken jährlich zwei bis drei Milliarden Euro an Provisionen für gemanagte Investmentfonds einstreichen. Diese Summen kommen durch die sogenannten Ausgabeaufschläge zustande. Der Ausgabeaufschlag ist eine einmalige Gebühr, die beim Erwerb von Fondsteilen anfällt. Die Höhe des Ausgabeaufschlags wird von der Kapitalanlagegesellschaft festgesetzt und dient unter anderem der Deckung der Vertriebskosten. Je nach Fonds sind diese rund fünf Prozent hoch. Für eine 20.000 Euro Einmalanlage in einem Aktienfonds, den der Kunde zehn Jahre halten möchte und einer angenommenen Wertsteigerung von sechs Prozent im Jahr, fallen 950 Euro Vermittlungsprovision und 1.400 Euro Bestandsprovision an. Das sind hohe Summen, die ein Fonds zunächst einmal wieder durch Kurssprünge erwirtschaften muss, bevor der Kunde mit seiner Anlage eine Rendite erwirtschaftet. Vom Standpunkt der Sparkassen, haben sie ein dagegen ein Anrecht auf die Milliardenprovisionen, da sie damit ihre vermeintlich kostenlosen Beratungen finanzieren.

Was können Sie gegen die AGB-Änderung der Sparkasse unternehmen?

Nach Ansicht der Verbraucherschützer sollten Kunden mit einem Musterbrief Einspruch erheben. In diesem Fall müssen Kunden mit einer Kündigung rechnen und sich ein neues Depot suchen. Die Online-Sparkassentochter 1822 direkt bietet ein lukratives Depot ohne Kontoführungsgebühr. Ebenfalls kann die Comdirect mit ihrem Depot punkten, denn sie zahlt Neukunde einen Bonus von 50 Euro, wenn mindestens für 5.000 Euro Wertpapiere gekauft werden, oder diese von einem anderen Depot übertragen werden. Wer sich allerdings mit den Sparkassen um den Erhalt seiner Provision streiten möchte und dabei auch nicht die gerichtliche Konfrontation scheut, sollte unbedingt eine Rechtschutzversicherung besitzen. Außerdem sollten Kläger beim Anbieter nachfragen, ob er auch für diesen Streit die Anwalts- und Gerichtskosten übernimmt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert