Frankfurt/Main/Düsseldorf - Schuldenkrise und Minizinsen: Kleine Beträge sinnvoll anlegen

Schuldenkrise und Minizinsen: Kleine Beträge sinnvoll anlegen

Von: Neela Richter, dpa
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Den Sparstrumpf leeren: Auch wenig Geld lässt sich Gewinn bringend einsetzen. Foto: Kai Remmers/dpa/tmn

Frankfurt/Main/Düsseldorf. Die Sparzinsen sind im Keller. Ob Tagesgeld oder Festgeld, mehrjährige Sparbriefe oder Bundeswertpapiere - selten gibt es mehr als vier Prozent. Mancher findet es da sinnvoller, das Geld gleich auszugeben oder unter dem Kopfkissen liegen zu lassen. Das birgt allerdings keinen Schutz vor einer steigenden Inflationsrate.

Viele Experten sehen sie in der Folge der Schuldenkrise kommen. Mit den folgenden Tipps legen auch Kleinsparer ihr Geld gewinnbringend an.

Immer den Realzins errechnen: Die derzeit niedrigen Zinsen sind für Sparer frustrierend. Eberhard Beer von „Die Alten Hasen”, einem Netzwerk unabhängiger Finanzexperten mit Sitz in Frankfurt, erinnert aber daran, dass der Zinssatz allein wenig Aussagekraft hat. Wer von den Zinsen die Inflationsrate abzieht, erhält den sogenannten Realzins.

„Ich muss den Zins immer im Zusammenhang mit der Geldentwertung sehen: Wenn ich 2 Prozent Zinsen kriege und die Inflation 0 ist, dann ist das dasselbe wie 5 Prozent Zinsen bei einer Inflation von 3 Prozent”, rechnet Beer vor.

Zuletzt verkündete das Statistische Bundesamt für Mai eine Inflationsrate von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Auch so erklärt sich, dass Anbieter mit 4 Prozent derzeit top sind.

Das Ziel im Blick: „Die Ausgangsfrage muss immer sein: Was will ich mit meiner Geldanlage erreichen?”, sagt Beer. „Ist sie für das Enkelkind oder für die Altersversorgung? Anlagestrategie und Produktauswahl muss sich an den Zielen orientieren.” Die können kurzfristig oder langfristig sein, das Produkt starrer oder flexibler.

„Wer eine Liquiditäts-Reserve für die nächsten zwei Jahre bilden will, um jederzeit größere Ausgaben bewältigen zu können, muss anders anlegen als für die Altersvorsorge”, sagt Holger Handstein von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Je kürzer die Anlage-Zeit, desto weniger Risiko sollte die Anlage bergen.

Konservativ mit Tages- und Festgeld: „Beim Aufbau einer eisernen Reserve muss man darauf achten, dass man jederzeit ans Geld kommt - und das bedeutet Tagesgeld oder Sparbuch”, sagt Handstein.

Sparbücher, Tagesgeld-Konten oder Bundeswertpapiere: Das sind konservative Anlage-Varianten. Der Vorteil von Tagesgeld gegenüber langfristigen Anlage-Formen: Sollten die Zinsen steigen, lässt sich das Geld schnell in Produkte mit höherem Zinssatz umschichten.

Attraktiv seien häufig Angebote von Internet-Banken, sagt Beer. „Achten sollte man dann aber auf jeden Fall auf eine Einlagensicherung nach deutschem Standard.” Außerdem zahlen manche Banken beim Tagesgeldkonto monatlich die Zinsen aus, andere vierteljährlich, wieder andere jährlich.

„Bei großen Summen kann es sich lohnen, häufige Zins-Zahlungen zu bekommen, weil die Zinseszinsen direkt wieder mitverzinst werden.”
Häufig seien die Angebote zeitlich befristet oder die Anlagesumme begrenzt - ein weiteres Auswahlkriterium.

Weniger flexibel als täglich verfügbares Tagesgeld sind Festgeldkonten: Man muss sich entscheiden, für welche Zeit das Geld festliegt.

Eine weitere Möglichkeit sind Bundesschatzbriefe. „Die bringen weniger Zinsen als Tagesgeld- oder Festgeldangebote”, sagt Handstein. Beer hält Bundeswertpapiere derzeitigen nicht für lohnenswert.

Aktien: Wem Aktien zu unsicher sind, muss keine kaufen. Die Experten sind aber der Ansicht, dass auch kleine Beträge durchaus in Aktien wandern können. „Man sollte es aber tunlichst vermeiden, Einzelaktien zu kaufen”, sagt Handstein. „Dann kann das Risiko nicht gestreut werden”.

Außerdem fallen Börsengebühren an. Handstein plädiert daher für Fondssparpläne. „Dort sind sowohl die Risiko-Streuung gut als auch die Gebührenbelastung vertretbar.”

Wie aber wähle ich richtig aus? Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf rät, „defensive” Unternehmen zu suchen: „Das sind Energieversorger, Pharma-Unternehmen oder Versicherer.” „Man sollte sich an dem orientieren, was man kennt - deutsche Werte.”

Gold: Die Angst vor einer Inflation lässt viele überlegen, ihr Geld in Gold umzuwandeln. Davon rät Beer ab - Gold sei zu spekulativ für Kleinvermögen. Schließlich wird auch dieser Rohstoff gehandelt, und die Preise können schnell hoch und runter gehen. Zinsen bringt das Edelmetall auch nicht.

Verstehen und vorbereiten: Das Wichtigste sei, die Bankprodukte zu verstehen. Dazu gehört, sich nichts aufdrängen zu lassen. „Das Produkt muss meine Ansprüche befriedigen”, sagt Beer. „Und wenn ich das selbst nicht beurteilen kann, dann frage ich jemanden, der Ahnung hat, mir aber nichts verkaufen will.”
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