Schlaues Haus: Gebäudeautomation soll das Wohnen komfortabler machen

Von: Stephanie Hoenig, dpa
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Schlaues Haus/ Gebäudeautomation
Ob Dachfenster oder Haustür - per Funkverbindung lässt sich bei intelligenten Häusern fast alles auf Knopfdruck bedienen. Foto: dpa

Frankfurt/Main. Die Zeit „dummer Häuser” läuft ab. Bald wird Gebäudeautomation in Privathäusern Standard sein, so wie sie es in vielen Büro- und Verwaltungsgebäuden bereits jetzt ist. So sehen das jedenfalls die Hersteller solcher Technik.

Dagegen stehen aber hartnäckige Vorurteile: „Vernetzte Häuser werden von vielen Bauherren noch skeptisch als teure Spielerei ohne praktischen Nutzwert betrachtet”, sagt Klaus Jung, Geschäftsführer des Fachverbandes Installationsgeräte und -Systeme (ZVEI) in Frankfurt.

Viele hätten auch Angst, sich von der vermeintlichen Allmacht der Technik in den eigenen vier Wänden beherrschen zu lassen. Wer ein Haus baut oder modernisiert, plane deshalb weiterhin meist Elektroinstallation, Sanitär-, EDV- oder Heizungs-, Klima- und Lüftungstechnik getrennt voneinander - und vergebe damit die Chance, eine technisch zeitgemäße Immobilie zu besitzen.

Schuld an der fehlenden Akzeptanz sind laut Jung zu einem gewissen Teil Marketingstrategen: „Statt auf praktische und verbraucherorientierte Aspekte zu setzen, wurden zunächst futuristisch anmutende Szenarien herausgestellt.” Gern beschrieben worden seien vor allem Möglichkeiten, auf dem Heimweg per Handy einen vorbereiteten Braten zu garen oder Badewasser einzulassen. Auch die Konzentration auf Kühlschränke, die via Internet einkaufen, trage zur Skepsis bei.

Die Vernetzung von Gebäudetechnik und Geräten sei aber nicht nur eine Spielerei für Technikfans. „Die Vernetzung der Technik kann helfen, Energie einzusparen”, erklärt Jung. So könnten beispielsweise Fenster und Heizungsventile vernetzt werden. Wird dann ein Fenster geöffnet, regelt sich automatisch die Heizung herunter. Automation könne zudem den Schutz vor Wasserschäden, Stromschäden oder Einbrüchen erhöhen.

In erster Linie sollen „intelligente Häuser” aber komfortabler sein. Ihre Bewohner könnten sich beispielsweise das Bedienen der Lichtschalter per Hand sparen, indem sie bestimmte Lichtszenen programmieren, sagt Peter Sieger vom Unternehmen Busch-Jaeger Elektro in Lüdenscheid (Nordrhein-Westfalen). Darüber hinaus kann die „Intelligent-Home-Technologie” laut Jung auch die Betreuung von alleinlebenden Senioren und Behinderten erleichtern.

Über Funkverbindungen lassen sich Haustechniksysteme unterschiedlicher Hersteller vernetzen und mit einem einzigen Handsender bequem steuern. „Per Knopfdruck lassen sich Dachfenster, Sonnenschutz, Garagentor und Haustür von einem beliebigen Punkt im Haus bedienen”, erklärt Oliver Rilling vom Unternehmen Somfy in Rottenburg (Baden-Württemberg).

Neben Insellösungen können auch ganze Häuser herstellerunabhängig vernetzt werden. „Voraussetzung ist die sogenannte Bus-Technik”, erklärt Sieger. Aus der Vielzahl von Bus-Systemen habe sich in Europa KNX als Standard durchgesetzt. KNX soll sicherstellen, dass alle Komponenten in einer gemeinsamen Sprache kommunizieren, unabhängig vom Hersteller und von der Anwendung.

Auf diese Weise könnten alle Funktionen über ein einheitliches System gesteuert werden. So sei es möglich, dass das Haus regelrecht erwacht, sobald die Tür aufgeschlossen wird. Und für den Feierabend könne programmiert werden, dass sich die Heizung automatisch auf die Wohlfühltemperatur einstellt, die Jalousien geschlossen werden und das Licht gedimmt wird.

Eine bestehende Installation kann laut Sieger problemlos umprogrammiert und durch den Anschluss neuer Komponenten erweitert werden. Auf diese Weise lässt sich das Haus ebenfalls den sich verändernden Bedürfnissen der Bewohner anpassen - so gibt es auch keine Schwierigkeiten, wenn die Immobilie den Besitzer wechselt.

Hier finden Hausherren mehr Informationen

Umfassende Informationen über vernetztes Wohnen sind bei der Initiative Intelligentes Wohnen erhältlich (Internet: http://www.intelligenteswohnen.com). Über KNX, den Standard für die Haus- und Gebäudesystemtechnik, gibt http://www.knx.de Auskunft. Die Mitgliedsfirmen des Vereins KNX-Professionals Deutschland in Reutlingen errichten und programmieren solche Anlagen herstellerneutral (Internet: http://www.knx-professionals.de).
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