Göttingen/Berlin - Richtig beantragt ist halb gespart: Werbungskosten richtig absetzen

Richtig beantragt ist halb gespart: Werbungskosten richtig absetzen

Von: Berti Kolbow, dpa
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Steuer / Aktenordner
Vieles lässt sich gegenrechnen: Je mehr Belege, desto geringer die Steuerlast. Foto: dpa

Göttingen/Berlin. „Absetzen” ist das wohl verheißungsvollste Wort beim Erstellen der Steuererklärung. Am meisten schlagen Steuerzahler mit den Werbungskosten heraus. Mit ihnen lässt sich die Steuerlast durch das Gegenrechnen verringern - jeder Posten ist bares Geld wert.

Was dabei Berücksichtigung findet, ist allerdings eine kleine Wissenschaft.

Grundsätzlich berücksichtigt der Fiskus alle Ausgaben, die für „den Erwerb und Erhalt von Einnahmen notwendig” sind. Wichtig ist, dass die Formulare korrekt ausgefüllt und die Aufwendungen glaubhaft belegt werden. Das gilt allerdings nur für all jene, deren Ausgaben über dem sogenannten Werbungskostenpauschbetrag von 920 Euro liegen. Angestellte kommen nicht unbedingt über den Betrag.

Wenn aber im Job viele Nebenkosten entstehen - vor allem bei Selbstständigen läppern sich Bürokosten und dienstliche Handyrechnungen schnell -, wird dieser Betrag überschritten. „Das trifft vor allem auf Arbeitnehmer zu, die weite Wege zur Arbeit zurücklegen”, sagt Steuerberater Björn Waltemathe aus Göttingen. Infolge eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts können Pendler in der Einkommensteuererklärung wieder die gesamte Strecke statt abrechnen und in der Anlage N des Antrag (Zeile 37 bis 47) eintragen.

„Aufgrund des Urteils können Pendler für die Jahre 2007 bis 2009 im besten Fall rund 1300 Euro mehr Werbungskosten absetzen”, sagt Isabell Pohlmann, Finanzexpertin der Stiftung Warentest in Berlin. Auch Aufwendungen für ganz oder teilweise selbst bezahlte Arbeitsmittel werden als Werbungskosten berücksichtigt (Zeile 49 bis 50). Dazu zählen Berufskleidung, Fachliteratur, Werkzeuge oder Bürobedarf. Knifflig wird es, wenn die Utensilien prinzipiell sowohl beruflich als auch privat genutzt werden können, wie im Fall eines neu gekauften Computers.

„Antragsteller können dann nur Kosten in Höhe des beruflich genutzten Zeitanteils angeben”, sagt Waltemathe. Einmalig angesetzt werden darf der Kaufpreis nur, wenn er unterhalb von 410 Euro lag. Kostete das Gerät mehr, muss es über mehrere Jahre abgeschrieben werden. Wird der private Internet- und Telefonzugang beruflich genutzt, müssen die einzelnen Posten detailliert zugewiesen werden. Ist das nicht möglich, akzeptiert das Finanzamt maximal einen Pauschbetrag von 20 Euro. „Und es muss glaubwürdig sein, dass tatsächlich private Gegenstände für den Beruf benötigt werden.”

Auch bei Aufwendungen für Dienstreisen muss der Antrag sorgfältig ausgefüllt werden. Wurde ein Teil davon bereits vom Arbeitgeber bezahlt, ist das in Zeile 65 zu vermerken. Von ihm nicht erstattete Kosten finden in Zeile 55 Platz. Vom Finanzamt berücksichtigt werden auch Übernachtungs- und Reisenebenkosten wie Parkgebühren, erläutert Pohlmann.

Miete, Strom oder andere Kosten für ein Arbeitszimmer im privaten Heim können seit 2007 nur noch dann abgesetzt werden, wenn der Raum im Mittelpunkt der beruflichen Arbeit steht (Zeile 51). Diese für Berufsgruppen wie Lehrer nachteilige Regelung steht derzeit in Musterprozessen auf dem Prüfstand. Pohlmann rät daher, die Ausgaben für das Arbeitszimmer weiter mit in der Steuererklärung anzugeben und gegen eine mögliche Ablehnung Einspruch einzulegen - mit Verweis auf die anhängigen Verfahren.

Zu den Werbungskosten zählen außerdem Beiträge zu Berufsverbänden (Zeile 48) oder Aufwendungen für Fortbildungen (Zeile 52). Für jegliche weitere Kosten, die etwa in Zusammenhang mit Bewerbungen, der Steuerberatung und durch berufsbedingte Umzüge oder Kontoführung entstanden sind, ist ein Sammelplatz auf dem Formular vorgesehen (Zeile 54). Anita Käding vom Bund der Steuerzahler in Berlin rät, dort nur die Gesamtsumme einzutragen und jeden Posten auf einem gesonderten Zettel aufzulisten: „Je transparenter der Antrag, desto schneller erfolgt die Bearbeitung.”

Auch Depotführungsgebühren sind als Werbungskosten absetzbar. Platz dafür bietet die Anlage Kap (Zeile 45 bis 52). Für Werbungskosten, die in Zusammenhang mit vermieteten Objekten entstanden sind, ist Anlage V (Zeile 33 bis 49) vorgesehen.
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