Rente vom eignen Haus: Neue Form der Geldanlage für Immobilienbesitzer

Von: Korrespondent Oliver Mest, ddp
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Hamburg. Viele Rentner sind heutzutage im wahrsten Sinne des Wortes „steinreich”. Als Hausbesitzer steckt ihr Kapital oft allein in den eigenen vier Wänden fest. Aufgrund des demografischen Wandels sinkt zudem das Niveau der gesetzlichen Rente immer weiter.

Deshalb gestaltet sich für viele Menschen, die jetzt am Beginn ihres Ruhestandes stehen, die alltägliche Finanzlage weniger gut.

Das eigene Haus aber zu verkaufen ist für viele Senioren keine Option, da die emotionale Bindung an das eigene Zuhause oftmals sehr stark ist. In Form der Immobilienrente ist es nun aber möglich, das eigene Haus von der Bank beleihen zu lassen.

Die Funktionsweise ist dabei recht einfach, denn es läuft sozusagen wie eine umgekehrte Hypothek ab - denn diesmal bezahlen die Banken dem Hauseigentümer einen monatlichen Betrag.

Dieser Kredit unterscheidet sich grundlegend von einem normalen Kredit, da er bis zum Lebensende nicht zurückgezahlt werden muss.

Stattdessen bekommt der Hausbesitzer sogar noch ein lebenslanges Wohnrecht von der Bank eingeräumt. Der Kreditbetrag, der sich am Ende der Laufzeit, konkret bis zum Lebensende des Hauseigentümers aufgebaut hat, kann dann am Ende beispielsweise von den Angehörigen getilgt werden.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Erben den restlichen Wert der Immobilie von der Bank ausgezahlt bekommen. Die Idee der umgekehrten Hypothek ist in den USA unter Rentnern sehr verbreitet und wird dort als „reverse mortgage” bezeichnet. Die Akzeptanz dieser Möglichkeit der Verrentung ist hoch und deshalb auch wichtiger Bestandteil der Finanzierung im Ruhestand.

Da es sich um ein neues Bankprodukt handelt, ist die Anbieterzahl einer Immobilienrente ist in Deutschland noch überschaubar. Doch besonders die öffentlichen Förderbanken, beispielsweise die Investitionsbank Schleswig-Holstein, haben sich an die Spitze dieser Einführung gesetzt.

Allerdings sind zum Erhalt der Immobilienrente einige Kriterien zu erfüllen, unter anderem muss der Eigentümer mindestens 60 Jahre alt sein. Zusätzlich wird oft die Grundschuld zugunsten der Bank beschränkt. Hierbei wird der übliche Beleihungswert angesetzt, dessen Grenze bei 60 bis 80 Prozent des Verkehrswertes liegt.

Beim Abschluss einer Immobilienrente sollte man auf einige Punkte achten: Zunächst sollte das Objekt weitestgehend oder sogar komplett abbezahlt sein. Dadurch lässt sich eine möglichst hohe Immobilienrente erzielen.

Günstig ist auch die Variante, bei der als Rentenempfänger beide Eheleute berechtigt sind. Dies bezieht sich auf die volle Rentenhöhe, aber vor allem auch auf das lebenslange Wohnrecht.

Zudem sollte vertraglich festgelegt werden, dass man das gewährte Wohnrecht auch bei einem Auszug wirtschaftlich nutzen kann. Dies kann sehr nützlich sein, wenn man beispielsweise aufgrund einer gesundheitlichen Verschlechterung in ein Altersheim ziehen muss.

In diesen Fällen kann man dann neben den festen monatlichen Rentenzahlungen durch die Bank auch noch Mieteinnahmen bekommen, in dem man die Immobilie weiter vermietet.

Ebenfalls sollte die Rente an die Inflationsrate gekoppelt sein. Durch diese „indexierte” Rente erhöhen sich bei steigender Teuerungsrate somit auch die Rentenzahlungen.

Der eingegangene Vertrag mit der Bank sollte zudem eine Rückübertragungsklausel enthalten. Diese regelt die Vorgehensweise, wenn die Bank ihren monatlichen Zahlungen nicht nachkommen sollte.

Leistet das Bankinstitut, die nach dem Kaufvertrag fälligen Rentenzahlungen nicht, verwirkt es deshalb auch seinen Anspruch auf eine eventuell vereinbarte spätere Übertragung der Immobilie. Als Bezugsgröße für die Rückabwicklungsklausel ist ein Zahlungsausfall von mehr als zwei Monatsraten üblich.

Neben den aufgezählten Punkten ist auch die richtige Wahl des Notars wichtig, der den Vertrag mit der Bank ausarbeitet. Da es sich um ein neues Produkt handelt, sind viele Notare noch unerfahren mit dieser Materie.

Deshalb sollte man genau nachfragen, ob der gewählte Notar auch schon spezifische Erfahrungen mit der „Immobilienrente” vorweisen kann.
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