Rechtsschutzversicherungen sollten gut überlegt sein

Von: Oliver Mest, dapd
Letzte Aktualisierung:

Elmshorn. Die Deutschen sind streitlustig - und wollen die Streitlust versichern. Rechtsschutzversicherungen übernehmen die Kosten in vielen Fällen, aber was viele nicht wissen: Eine Vollkasko-Rechtsschutzpolice für alle Lebenslagen gibt es nicht. Man muss immer die Lebensbereiche absichern, in denen man Schutz haben möchte.

Zur Wahl stehen vor allem Privat-, Berufs-, Verkehrs- und Mietrechtsschutz sowie verschiedene Kombinationen dieser Policen.

Aber welche Policen sind sinnvoll? Ratsam ist auf jeden Fall der Verkehrsrechtsschutz. Denn wer - egal ob verschuldet oder nicht - in einen Unfall gerät, kann guten Rat vom Anwalt meist gebrauchen. Auch Arbeitsrechtsschutz ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine gute Stütze, wenn Ärger mit dem Chef droht und der Arbeitsplatz gefährdet ist.

Auch Mietrechtsschutz kann wichtig sein, wenn der Vermieter Sie loswerden will oder an der Mietpreisspirale dreht. Einzelpolicen für den Verkehrs- und Arbeitsrechtsschutz gibt es zu annehmbaren Konditionen, Mietrechtsschutz sollten Sie im Paket mit anderen abschließen, da der Einzelschutz zu teuer ist. Alternativ bieten die Mietervereine Einzelpolicen für ihre Mitglieder an.

Richtig versichern

Wichtig bei allen Rechtsschutzpolicen: Sie sollten rechtzeitig abgeschlossen werden. Denn die Police hilft nicht mehr, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, sprich der Rechtsstreit bereits schwelt. Ein Beispiel: Liegt die Kündigung des Arbeitgebers bereits im Briefkasten, übernimmt eine eilig abgeschlossene Rechtsschutzversicherung die Kosten für die rechtliche Auseinandersetzung nicht mehr.

Selbst bei einem rechtzeitigen Abschluss ist der Versicherungsschutz nicht sofort garantiert: In der Regel gibt es nämlich eine Wartezeit von einigen Monaten - erst danach übernimmt die Rechtsschutzversicherung die anfallenden Kosten. Der Versicherungsschutz ist an enge Voraussetzungen geknüpft: Zum einen muss ein Verfahren Aussicht auf Erfolg haben - und zum anderen muss es vom Versicherungsschutz umfasst sein. Das ist nicht immer der Fall, so sind etwa viele familienrechtliche Streitigkeiten nicht versichert.

Viele Rechtsschutzversicherungen bieten heute Verträge mit einer Selbstbeteiligung von 150 Euro an. Die Verträge sind dadurch im Schnitt 10 bis 30 Prozent günstiger als ohne Selbstbeteiligung, so dass sich die Auswahl eines Tarifes mit einem Eigenanteil durchaus lohnt.

Grundsätzlich sollte die Rechtsschutzversicherung ohnehin nur bei größeren Rechtstreitigkeiten in Anspruch genommen werden, deren Kosten deutlich über der Selbstbeteiligung liegen dürften. Interessant sind Tarife, die auf die Selbstbeteiligung verzichten, wenn sich der Fall nach der Erstberatung durch den Anwalt erledigt hat - so sparen Versicherte bei einfachen und leicht zu klärenden Fällen die Selbstbeteiligung und haben trotzdem anwaltlichen Rat erhalten.

Übersicht über bestehenden Schutz verschaffen

Manche haben eine Rechtsschutzversicherung und wissen es gar nicht. So ist zum Beispiel jede private Haftpflichtversicherung zugleich auch eine Rechtsschutzversicherung. Denn die private Haftpflicht wehrt unberechtigte Ansprüche ab - notfalls vor Gericht. Und auch Mitgliedschaften bei Mietervereinen oder in der Gewerkschaft beinhalten oft kostenlosen Rechtsschutz.

Bevor man also eine Zusatzversicherung abschließt, sollte der bestehende Versicherungsschutz geklärt werden, um ärgerliche und teure Doppelversicherungen zu vermeiden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert