Berlin - Pflege: Angehörige sollten über ihre Belastung sprechen

Pflege: Angehörige sollten über ihre Belastung sprechen

Von: dapd
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Altenpflege
Ein Tabu, und doch: Viele pflegende Angehörige haben schon Situationen erlebt, in denen sie ruppig oder sogar aggressiv gehandelt haben. Foto: dpa

Berlin. Gewalt in der Pflege ist ein Tabuthema. Doch viele pflegende Angehörige haben schon Situationen erlebt, in denen sie ruppig oder sogar aggressiv gehandelt haben.

„Meistens kommt es zwar nicht zu physischer Gewalt, aber durchaus zu psychischen Misshandlungen von Pflegebedürftigen”, weiß Imke Wolf, Leiterin der Online-Angehörigenberatung pflegen-und-leben.de. Lieblosigkeit, Vorwürfe, Entwürdigungen - die Ausdrucksformen der Aggressionen sind vielfältig. „Die meisten Pflegenden wissen, dass dieses Verhalten falsch ist. Sie haben ein sehr schlechtes Gewissen und sind erschrocken über sich selbst”, sagt die Diplom-Psychologin aus Berlin.

Die Gründe für die aggressiven Ausbrüche lägen oft in einer kompletten Überforderung durch die Pflegesituation. „Viele Angehörige übergehen permanent ihre eigenen Bedürfnisse - und oft erhalten sie für ihr Engagement nicht mal ein Dankeschön”, sagt Imke Wolf. Die Aggressionen seien ein Anzeichen dafür, dass bei dem Betroffenen einen Grenze überschritten wurde. „Es ist wichtig, dass pflegende Angehörige diesen Zusammenhang verstehen und sich nicht verurteilen”, sagt Wolf.

Sie empfiehlt Betroffenen, in akuten Situationen die Notbremse zu ziehen. „Wenn man den aggressiven Affekt spürt, hilft nur noch Abstand”, sagt Wolf. Man sollte also nach Möglichkeit aus dem Raum gehen und erst einmal tief durchatmen. „Es hilft, etwas Kaltes zu trinken oder langsam bis zehn zu zählen”, sagt die Expertin. Gut sei auch, sich einen selbstberuhigenden Satz zu sagen, beispielsweise: „Alles ist noch mal gut gegangen, ich habe mich beherrscht.” Verspüre man immer wieder Aggressionen gegenüber dem Pflegebedürftigen, sollte man sich jemandem anvertrauen, rät Imke Wolf. „Ein Gespräch mit anderen Familienmitgliedern, mit einem Nachbarn oder mit dem Pflegedienst bringt oft schon Entlastung”, sagt die Expertin. Danach gelte es, gemeinsam zu schauen, was die Auslöser für die Überforderung sind. „Aus diesem Anlass könnte man eine Familienkonferenz einberufen, in der der Betroffene seine Situation beschreibt und in der man gemeinsam nach Lösungen sucht.” Möglicherweise lasse sich die Pflegesituation entschärfen, indem andere Familienmitglieder sich stärker engagieren oder indem man professionelle Unterstützung dazu holt.

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