Pfändungsschutzkonto bei Schuldnern noch zu unbekannt

Von: Daniel Gerhards
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Alsdorf. Mit einem Pfändungsschutzkonto können Schuldner einen Freibetrag vor dem Zugriff der Gläubiger sichern, doch viele Schuldner nutzen diese Möglichkeit nicht.

Diese Bilanz zieht die Verbraucherzentrale NRW ein Jahr nach Einführung des sogenannten P-Kontos. Es bietet verschuldeten Menschen die Möglichkeit, frei über einen gesetzlichen Grundfreibetrag zu verfügen.

Was ist ein P-Konto?

Mit einem P-Konto können Schuldner automatisch frei über einen monatlichen Grundfreibetrag (1028,89 Euro) verfügen. Berücksichtigt werden nicht nur Arbeitseinkommen, Renten oder Sozialleistungen, sondern auch Zuwendungen Dritter - etwa Rückzahlungen vom Energieversorger oder Geldgeschenke. Der Schuldner kann von seinem P-Konto auch Überweisungen tätigen, dies ist bei herkömmlichen Pfändungskonten oft nicht möglich.

Ist der Freibetrag in allen Fällen gleich?

Der Grundfreibetrag erhöht sich durch Kindergeld oder Unterhaltsverpflichtungen. Einem Familienvater mit Frau und zwei Kindern steht beispielsweise ein pfandfreier Betrag von 2215,57 Euro monatlich zu. Davon machen bisher zu wenige Betroffene Gebrauch: „Die Schuldner werden oft nicht gut informiert. Und sie informieren sich auch selber nicht. Viele wissen nicht, dass man mehr bekommen kann, als den Grundfreibetrag”, erklärt Jutta Wedrich, Schuldnerberaterin der Aachener Verbraucherzentrale.

Was benötigt man, um den Freibetrag zu erhöhen?

Eine Bescheinigung, auf der die unterhaltspflichtigen Personen und der Kindergeldbezug eingetragen sind. Diese Bescheinigungen werden von Sozialleistungsträger, Familienkassen, Arbeitgebern oder anerkannten Schuldnerberatungsstellen ausgestellt. Das Papier muss bei der Bank vorgelegt werden. „Ohne diese Bescheinigung wird alles über 1028,89 Euro weggepfändet”, erklärt Ulrike Ermert, Schuldnerberaterin der Alsdorfer Verbraucherzentrale.

Kann man sich sein Geld Rückwirkend vom Gläubiger zurückholen?

Nein. „Was einmal weg ist, ist weg”, sagt Ermert. Selbst wenn der Fehler bei der Bank liegt, bliebe nur der Weg der Klage. Die Beraterinnen erlebten schon einen Fall, in dem eine Familie mit fünf Kindern bloß den Sockelbetrag von 1028,89 Euro bekam, weil sie ihrer Bank keine Bescheinigung vorlegte.

Kann man mehrere P-Konten einrichten?

Jeder das Recht ein bestehendes Giro-Konto in ein P-Konto umzuwandeln. Wenn man mehrere Konten führt, geht das allerdings nur einmal. Um das zu kontrollieren und Missbrauch zu verhindern, wird das P-Konto bei der Schufa eingetragen.

Gibt es noch andere Möglichkeiten das Konto vor der Pfändung zu schützen?

Ja, aber nur noch bis zum 31. Dezember. Heute sind Sozialleistungen ohnehin pfändungsfrei, wenn sie innerhalb von 14 Tagen ausgezahlt werden. Zudem kann das Amtsgericht einen Betrag vom Arbeitslohn von der Pfändung ausschließen. Diese beiden Möglichkeiten entfallen zum Ende dieses Jahres. Wer dann kein P-Konto hat, läuft Gefahr, dass das Konto von den Gläubigern gelehrt wird.
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