Online oder traditionell versichert: Vorteile von Web und Makler

Von: Susanne Collins, dpa
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Schadensmeldung oder Vertragsabschluss: Wer sich Versicherungsdeutsch lieber erklären lässt, bleibt besser beim Vertreter, statt online abzuschließen. Foto: Wedopress/GDV

Berlin/Düsseldorf. Der Beruf des Versicherungsvertreters hat hierzulande ein schlechtes Image. Viele Deutsche sind zum Beispiel der Ansicht, zu seiner Ausübung gehöre es, andere „übers Ohr zu hauen”. Das ergab jüngst eine Marktforschungsstudie der Agentur Faktenkontor. Viele lassen ungern einen Repräsentanten einer Versicherung ins Haus - und schließen lieber online ab. Dabei sollten aber Information und Vergleich nicht auf der Strecke bleiben - zum Teil geht es um langlaufende Verträge.

Unter dem Strich bleibt: Beide Wege haben Vorteile.

„Online-Versicherungen eignen sich vor allem für diejenigen, die sich intensiv mit ihrer Situation und dem für sie nötigen Versicherungsschutz auseinandergesetzt haben”, erläutert Holger Schmitt-Tanou vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin. „Wer nach ehrlicher Selbsteinschätzung eher desinteressiert oder orientierungslos ist, sollte das persönliche Beratungsgespräch suchen.”

Eine erste Orientierung gibt die Unterscheidung von beratungsintensiven und vielfach bekannten Versicherungen. „Beim Thema Altersvorsorge raten wir beispielsweise dringend zum persönlichen Gespräch. Über die verschiedenen Kfz-Versicherungen informieren sich viele Versicherungsnehmer dagegen im Internet”, lautet die Erfahrung des Experten. Ebenso wenig erklärungsbedürftig seien für viele Reise- oder Hausratversicherung.

„Auch bei den Risikolebensversicherungen spricht nichts gegen einen Online-Abschluss”, sagt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Die Angebote seien sich oft ähnlich und könnten allein über den Preis verglichen werden. Ganz anders liegt der Fall bei der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Zur Beratung rät die Verbraucherschützerin zum Beispiel auch beim Thema Kapitalbildende Lebensversicherung. Ein persönliches Gespräch fehle manchem Versicherten beim Online-Abschluss aber nicht nur vor Vertragsabschluss. Auch beim Ausfüllen eines Schadenformulars stehen Online-Versicherte alleine da. Sie können telefonisch nachfragen. Doch wer die Bögen lieber von Angesicht zu Angesicht durchgeht, fährt mit dem herkömmlichen Vertrieb oft besser.

Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig sieht einen klaren Vorteil der Online-Versicherungen darin, dass Kunden selbst bestimmen könnten, wann sie sich mit dem Thema beschäftigen - also auch spät abends oder sonntags. Wer vergleicht, sollte außerdem über die unterschiedlichen Beratungsmodelle Bescheid wissen: „Es gibt den Ausschließlichkeitsvertreter, der für eine einzige Versicherung arbeitet”, erklärt Schmitt-Tanou. „Es gibt den Mehrfachagenten, der mit mehreren Anbietern zusammenarbeitet. Und es gibt Makler, die unabhängig von Versicherungsunternehmen deren Angebote vergleichen können.”

Online-Kunden schätzen vor allem den günstigeren Preis. Webangebote können zwischen 15 und 20 Prozent günstiger ausfallen. „Das ergibt sich aus dem geringeren Verwaltungsaufwand, beispielsweise bei Vertragsänderungen oder Schadensmeldungen, die vom Versicherten im Internet ausgefüllt werden”, erklärt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. „Und auch die Provision wird herausgerechnet.” Der rechtliche Rahmen, das Versicherungsvertragsgesetz, gelte für alle gleichermaßen.

Das heißt: Alle Kündigungsregeln oder Pflichten sind im Schadensfall einheitlich. Preise und Leistungsumfang variieren. Rudnik rät daher auch, nicht allein Web-Vergleiche zu durchforsten: „Viele Online-Rechner vergleichen lediglich die Beiträge und nicht die verschiedenen Bedingungen. Zudem führen sie längst nicht alle Versicherungsangebote.”

Zählt ein Vergleichsportal beispielsweise nur 20 Kfz-Versicherungen auf, seien das viel zu wenige, urteilt Weidenbach. Einen vollständigeren Überblick böten unabhängige Organisationen wie die Stiftung Warentest. Heyer rät auch zu einem Blick ins Impressum. „So lässt sich feststellen, ob beispielsweise ein Vermittler oder Makler diese Seite betreibt. Ist das der Fall, werden im Vergleich sicherlich nur die Versicherer einbezogen, mit denen der Anbieter zusammenarbeitet.”

Vor dem Abschluss eines Vertrags kann es sich lohnen zu prüfen, ob der Anbieter Mitglied im Verein Versicherungsombudsmann ist. Die Schlichtungsstelle überprüft neutral Entscheidungen der Versicherer - egal, ob Online- oder traditionelles Angebot.
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