Göttingen/Stuttgart - Nicht einfach Knipsen: Fotograf ist eine anspruchsvolle Tätigkeit

Nicht einfach Knipsen: Fotograf ist eine anspruchsvolle Tätigkeit

Von: Sebastian Knoppik, dpa
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Von wegen, einfach mal knipsen und gucken, was dabei herauskommt: Der Beruf des Fotografen erfordert eine Menge Fachwissen und sorgfältigste Arbeit. Foto: dpa

Göttingen/Stuttgart. Für Fotografen gibt es viele Einsatzfelder. Klassische Porträt-Studios gehören genauso dazu wie Werbeagenturen oder Forschungsinstitute. Die neue, ab diesem Sommer gültige Ausbildungsordnung wurde daran angepasst.

Sie sieht vier verschiedene Schwerpunkte vor, auf die sich die Lehrlinge im dritten Ausbildungsjahr spezialisieren. Für alle angehenden Fotografen gilt: Sie müssen nicht nur kreativ sein, sondern sollten auch mit Menschen umgehen können.

„Fantasie und Kreativität sind bei Fotografen auf jeden Fall gefragt. Außerdem muss man sich die Welt zweidimensional vorstellen können”, erklärt Joachim Röttgers, selbstständiger Fotograf in Stuttgart. Schon beim Schießen des Bildes müsse der Fotograf das Ergebnis auf Papier oder dem Bildschirm vor dem geistigen Auge sehen, führt Röttgers aus, der für die Gewerkschaft Verdi die neue Ausbildungsordnung mitverhandelt hat.

Viele Jugendliche hätten völlig falsche Vorstellungen vom Beruf des Fotografen: „Es ist ja nicht nur ein bisschen Knipsen und in der Welt herumfahren.” Die professionelle Fotografie sei anspruchsvolles Handwerk, sagt Röttgers. Nicht nur der kreative Umgang mit Motiven zeichnet einen guten Fotografen aus. „Ich muss auch ein bisschen kommunikativ sein, um mit Kunden umgehen zu können”, sagt Hans Starosta, Vorsitzender des CentralVerbandes Deutscher Berufsfotografen (CV) in Göttingen. Und nicht zuletzt sollten Azubis in Zeiten der Digitalfotografie auch den Umgang mit dem Computer nicht scheuen.

Entsprechend hoch sind die Anforderungen. Grundsätzlich steht die Ausbildung allen Schulabgängern offen. Aber immerhin 47,4 Prozent der Fotografen-Azubis im Jahr 2006 hatten nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Bonn Abitur. 35,3 Prozent konnten einen Realschulabschluss vorweisen, 12 Prozent kamen von der Hauptschule. Vor allem in Englisch und Mathematik sollten Bewerber um Ausbildungsstellen im Fotostudio gute Noten haben, empfiehlt Röttgers.

Die neue Ausbildungsordnung, die seit dem 1. August gilt, sieht vier Schwerpunkte vor: Porträt-, Produkt-, Architektur- und Wissenschaftsfotografie. „Die Differenzierung ermöglicht es den Betrieben, die Ausbildung zum Fotografen besser an die betrieblichen Schwerpunkte anzupassen”, erläutert Arne Schambeck vom Bundesinstitut für Berufsbildung.

Die Schwerpunktausbildung erfolgt erst im letzten der drei Lehrjahre. „Wir wollen so den Fachidioten vermeiden”, gibt Bundesinnnungsmeister Hans Starosta als Grund an. „In den ersten beiden Jahren sind die Ausbildungsinhalte für alle Auszubildenden gleich”, erklärt Arne Schambeck. Ausbildung in Schwerpunkten heiße nicht, dass völlig unterschiedliche Qualifikationen vermittelt werden: Die Basis in den ersten Jahren der Ausbildung sei so breit angelegt, dass die Absolventen nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung, egal in welchem Schwerpunkt, in nahezu allen Bereichen der Fotografie arbeiten können.

Neben der Einführung der neuen Schwerpunkte wurde die neue Ausbildungsordnung vor allem an die Veränderungen der beruflichen Praxis angepasst. So müssen Auszubildende nun in der Prüfung nicht mehr zeigen, dass sie einen Film in der Dunkelkammer entwickeln können, sondern zum Beispiel den richtigen Umgang mit digitalen Bildbearbeitungsprogrammen beherrschen. „Die Ausbildungsordnung wurde außerdem um rechtliche Fragen der Fotografie ergänzt”, sagt Röttgers. Fotografen müssten sich schließlich auch mit dem Urheberrecht oder dem Recht am eigenen Bild auskennen.

Auch wenn das ganz große Geld für angestellte Fotografen nicht realistisch ist, kann Röttgers jungen Menschen die Ausbildung empfehlen: „Es ist ein toller Beruf, der großen Spaß macht.” Zudem gebe es durchaus Chancen für gute Fotografen. Zwar werde die Konkurrenz immer größer. „Aber im Prinzip werden immer Bilder gesucht.” Das Niveau werde allerdings immer höher. Fotografen könnten sich nur mit Qualität am Markt behaupten.

Azubis bekommen bis zu 400 Euro netto

Azubis im dritten Lehrjahr verdienen nach Angaben des Bundesinnungsmeisters Hans Starosta 400 Euro netto. „Das ist relativ wenig im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen”, räumt der Fotografenmeister ein: „Später verdienen Gesellen in einem Studio dann im Schnitt zwischen 2000 und 2500 Euro.”

Bis zu 4000 Euro netto im Monat seien bei Agenturen möglich, die etwa große Versandhauskataloge produzieren.
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