Nachhaltigkeitsbanken: ein wachsender Markt

Von: Brigitte Watermann
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Aachen. Banken, die sich die Begriffe ethisch, ökologisch und sozial auf die Fahnen geschrieben haben, fristen in Deutschland noch ein Nischendasein. Doch der Kundenstamm wächst.

GLS Bank - der Platzhirsch

Marktführer ist die GLS Bank aus Bochum. Das 1974 gegründete Institut kam Ende 2014 auf 188.000 Kunden. Mit Geldanlagen beispielsweise in Form von Festgeld, Tagesgeld oder Sparbrief, werden zum Beispiel Waldorfschulen und -kindergärten, Behinderten- und Senioreneinrichtungen, regenerative Energieprojekte sowie ökologische Landwirtschaft finanziert. "Die Kunden, die zu uns kommen, wollen wissen, was wirklich mit ihrem Geld passiert", sagt Vorstand Andreas Neukirch. "Ihnen ist wichtig, dass wir ihre Einlagen für die Kreditvergabe in zukunftsorientierten Branchen verwenden und das auch für sie nachvollziehbar machen." Die Bilanzsumme der Bank betrug 2014 3,64 Milliarden Euro (Plus 12,4 Prozent) und auch die Zahl der Mitglieder der Genossenschaftsbank stieg auf inzwischen gut 37.000. Ab einem Investment von 500 Euro kann man Mitglied werden, es winkt eine Dividende von zwei bis vier Prozent pro Jahr.

Die Umweltbank - fränkische Nachhaltigkeit

Bekannt ist auch die Umweltbank aus Nürnberg, die 1997 gegründet wurde. Das Wachstum fiel im Vergleich zur GLS Bank allerdings 2014 klar schwächer aus: Die Bilanzsumme legte um gut drei Prozent auf jetzt knapp 2,6 Milliarden Euro zu. Mittlerweile betreut sie gut 115.300 Kunden mit dem Ziel: "So viele Umweltprojekte wie nur möglich zu fördern." Sie finanziert ausschließlich Umweltprojekte -; Erneuerbare Energien, Bio-Landbau und Ökohäuser. Für Anleger hat sie zum Beispiel Sparbriefe, Sparbücher und Sparverträge, aber auch ein Tagesgeldkonto im Angebot. Risikofreudigere Anleger haben seit 2001 die Möglichkeit, auch in die Aktie der Umweltbank zu investieren. In den vergangenen fünf Jahren war das ein gutes Geschäft: Der Aktienkurs legte berechnet auf den Stichtag 31.03.2015 in dieser Frist um gut 266 Prozent zu.

Die Ethikbank - die Transparente

Seit 2002 gibt es die Ethikbank, eine Niederlassung der Volksbank Eisenberg. Die Ethikbank und ihr Mutterkonzern kommen aktuell gemeinsam auf rund 31.000 Kunden und rund 51.000 Konten. Das Institut bietet ethisch-ökologische Girokonten, Geldanlagen und Kredite für Privat- und Geschäftskunden an. Viel Wert legt die Bank darauf genau zu offenbaren, wie und wo das Geld ihrer Kunden verwendet wird. Einen Geschäftsschwerpunkt hat die Bank auch im Bereich von Krediten für die umweltfreundliche Modernisierung von Immobilien -; ein Bereich, den die Bank weiter forcieren will. "Immer mehr Menschen wollen wissen, was mit ihrem Geld passiert. Sie identifizieren sich zunehmend nicht mit dem bloßen Besitz des Geldes, sondern vor allem mit dem gesellschaftlichen Wert, den sie damit schaffen können", so Vorstandsvorsitzender Klaus Euler.

Die Triodos-Bank - weltweit vertreten

Erst seit Ende 2009 in Deutschland vertreten ist die niederländische Triodos-Bank. Dabei zählt das Institut zu den führenden Nachhaltigkeitsbanken weltweit und ist in zahlreichen Ländern aktiv. Ende 2014 hatte sie rund 530.000 Kunden (Vorjahr: 517.000 Kunden). Ihr Deutschland-Geschäft ist allerdings noch klein und hat erst rund 10.000 Kunden. Seit Herbst 2012 ist ein Girokonto im Angebot, um den Kunden als Hausbank dienen zu können. Mit den Kundengeldern werden unter anderem Windkraft- und Solaranlagen in Deutschland finanziert. Seit Sommer 2014 können auch deutsche Anleger in die aktienähnlichen Rechte der Bank investieren. Eigenen Angaben nach brachten die Papiere eine Durchschnittsrendite von 4,9 Prozent in den vergangenen fünf Jahren. 2015 will sie in die Finanzierung von umweltfreundlichen Immobilien einsteigen.

0,5 Prozent Zins aufs Tagesgeld

Bei der Triodos-Bank gibt es auf Tagesgeld derzeit immerhin 0,25 Prozent ab dem ersten Euro. Die Ethikbank dagegen offeriert bei Einlagen derzeit 0,01 Prozent - und hat ihre Zinsförderkonten daher aktuell auch nicht im Programm. "Im Gegensatz zu vielen anderen Banken haben wir weder ein Liquiditäts- noch ein Bonitätsproblem. Deshalb müssen wir keine Lockangebote in den Markt werfen, die aus Ertragsgesichtspunkten jenseits von Gut und Böse sind", so Ethikbank-Vorstand Klaus Euler. Die Umweltbank offeriert 0,4 Prozent bei einer Mindesteinlage von 500 Euro - bei monatlicher Zinsgutschrift. Die GLS Bank zahlt derzeit 0,1 Prozent. Zum Vergleich: Die besten bundesweiten Tagesgeldangebote bieten derzeit die Volkswagen Bank, 1822 direkt und Renault Bank direkt mit einem Zins von 1,1 Prozent.

Soziale Rendite

Den Kunden der Nachhaltigkeitsbanken geht es nicht um Spitzenzinsen. Die Bankberatungsgesellschaft ZEB hat dafür eine Erklärung: Die sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Verwendung ihrer Spargelder, über die die Banken auf ihren Webseiten zum Teil aufgeschlüsselt auf einzelne Finanzierungsprojekte informieren, verschaffe den Kunden der Nachhaltigkeitsbanken eine "soziale Rendite", die in ihrer Wertigkeit dem bisher üblichen Bewertungsmaßstab, der Verzinsung ihres Guthabens, nahe komme. Ethikbank und GLS gehören dem Sicherungsbund der Volks- und Raiffeisenbanken an und garantieren daher de facto eine Vollabsicherung. Sowohl die Umweltbank, als auch Triodos-Bank garantieren eine Einlagensicherung pro Kunde von 100.000 Euro.

Geldanlage-Vergleich: Diese Zinsen gibt es derzeit bei Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefen.

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