Muskeln und Taschenrechner: Forstwirt kein idyllischer Beruf

Von: Marc Herwig, dpa
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Forstwirte müssen zum Beispiel entscheiden, wann ein Baum gefällt werden muss. Foto: dpa

Kelheim/Bonn. Mit lautem Dröhnen arbeitet sich die Motorsäge in den Stamm. Dann kracht es laut, und die 30 Meter hohe Fichte stürzt zu Boden. Noch die Äste absägen, schon geht es zum nächsten Stamm. Baumfällen ist Akkordarbeit, und es geht ganz schön auf die Knochen.

Aber es ist die Hauptaufgabe von Forstwirten - im eisigen Winter genauso wie im brütend heißen Sommer. Mit der Romantik im Fernseh-Forsthaus Falkenau hat das wenig zu tun. Trotzdem übt der Arbeitsplatz mitten im Wald auf viele Auszubildende einen besonderen Reiz aus. Und auch die Hochschulen, an denen die Manager für den Wald ausgebildet werden, haben oft mehr Bewerber als Plätze.

„Als Forstwirt kann man die Liebe zur Natur mit dem Interesse an der Technik verbinden”, sagt Albert Rauch von der Bayerischen Waldbauernschule in Kelheim an der Donau. Und man sehe den Wald wachsen: „Auf Flächen, die man selbst angepflanzt hat, stehen 30 Jahre später plötzlich stattliche Bäume. Das hat schon was.”

Es gibt zwei völlig unterschiedliche Ausbildungswege für Forstwirte. Der eine führt über eine duale Ausbildung im Betrieb und in der Berufsschule. „Das sind die klassischen Waldarbeiter - bei uns in Bayern hat man früher Holzknecht gesagt”, erzählt Rauch. Im großen Staatsforst sind die Waldarbeiter an die Vorgaben des Revierförsters gebunden. In kleineren Privatwäldern haben sie oft einen recht großen Handlungsspielraum: Sie entscheiden selbst, welchen Baum sie wo pflanzen, wie sie gegen Schädlingsbefall vorgehen und wann sie einen Baum fällen.

„Am Anfang der dreijährigen Ausbildung muss man erstmal die Bäume, Sträucher, Pflanzen und Tiere kennenlernen”, sagt Rauch. Dann geht es schnell ans Handwerkliche. Zwar werden immer häufiger hochmoderne Erntemaschinen eingesetzt, aber 70 Prozent der deutschen Waldfläche sind für die sogenannten Harvester nicht erreichbar. Dort wird deshalb nach wie vor mit der Motorsäge gearbeitet.

„Wer schwere, stattliche Bäume fällt, muss ergonomisch arbeiten, den Wald schonen und vor allem auf seine Sicherheit achten”, sagt Thomas Maur, Ausbildungsberater bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Bonn. Immer wieder gibt es schwere Verletzungen und auch tödliche Unfälle im Wald. „Aber man muss nicht unbedingt zwei Meter groß und ein Muskelpaket sein. Mit einer guten Ausbildung machen kleine, drahtige Menschen die Arbeit im Wald genauso gut.” Auch Frauen finden sich in den Ausbildungsjahrgängen - ihre Quote liegt aber in der Regel unter fünf Prozent.

Auszubildende bekommen nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung zwischen 484 und 690 Euro im Monat. Für Gesellen ist ein Lohn zwischen 1588 und 1942 Euro üblich. Die meisten Azubis haben einen Hauptschul- oder Realschulabschluss, aber auch ohne Schulabschluss haben Bewerber Möglichkeiten, sagt Ausbildungsberater Maur. „Viele kommen über ein Praktikum an eine Ausbildungsstelle. Wer da beweist, dass er arbeiten kann, hat auch ohne Schulabschluss gute Chancen.”

Nach einigen wirtschaftlich schwierigen Jahren ist der Arbeitsmarkt für Forstwirte inzwischen wieder belebter. „In diesem Jahr sind 70 Prozent unserer Leute nach der Ausbildung übernommen worden, wenn auch teilweise nur mit Zeitverträgen”, erzählt Maur. Der Rohstoff Holz ist ein gefragtes Wirtschaftsgut - nicht zuletzt, weil Holz bei den erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle spielt.

Einen ganz anderen Beruf haben studierte Forstwirte. Sie sind moderne Manager rund um den Wald. „Der Studiengang heißt nicht ohne Grund Forst-Wirtschaft”, sagt Prof. Bastian Kaiser, Rektor der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg bei Tübingen. „Ein Förster kann sich nicht im Wald verstecken. Er muss auch wirtschaftliche Produktionsentscheidungen treffen und im internationalen Holzhandel bestehen können.” Fremdsprachen, Verhandlungsgeschick und Führungsstärke werden deshalb immer wichtiger.

Ganz nah dran an der Natur sind die studierten Forstwirte allerdings nicht mehr. „Je höher der Abschluss ist, desto mehr arbeitet man im Büro in Verwaltung oder Forschung”, sagt Jutta Rothe, Studienberaterin für die Forstwissenschaften an der Universität Göttingen.

Dafür sind die Verdienstmöglichkeiten ungleich besser als für die klassischen Waldarbeiter: Zwischen 2982 und 4730 Euro im Monat können sie im öffentlichen Dienst verdienen, in der Privatwirtschaft sind es nach Angaben des bayerischen Arbeitsministeriums meist zwischen 2834 und 3752 Euro im Monat. Die Berufschancen schätzt Rothe auch für Hochschulabsolventen für die kommenden Jahre wieder ganz gut ein: „Im öffentlichen Dienst stehen wir vor einer großen Pensionierungswelle.”

Neue Aufgaben durch Bioenergie

Holz als nachwachsender Rohstoff spielt bei fast allen Diskussionen um den Klimaschutz eine große Rolle. Gerade für studierte Forstwirte eröffnen sich dadurch ganz neue Tätigkeitsfelder - allerdings sollten sie sich von vornherein spezialisieren. An der Forsthochschule Rottenburg gibt es inzwischen einen Bachelor-Studiengang für Bio-Energie.

In Göttingen können sich Master-Studenten zum Beispiel einen Schwerpunkt auf Waldökologie oder die Holzindustrie legen. Ein Studiengang „Tropical and International Forestry” bereitet zum Beispiel auf einen Job in Entwicklungsländern vor.
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