Mit kleinen Maßnahmen den Spritverbrauch senken

Von: ddp
Letzte Aktualisierung:
sprit
„Bei den Neuwagen verbrauchte im Jahr 2000 der Durchschnittsbenziner noch 8,1 Liter je 100 Kilometer. Im letzten Jahr lag der Durchschnitt bei nur 6,6 Litern”, hat Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen ausgerechnet. Foto: Lars Brepols

Stuttgart. „Mit einem Testverbrauch von 11,7 Litern auf 100 Kilometern sind auch die Trinksitten lobenswert.” So pries das Fachmagazin „auto, motor und sport” einst den Autobianchi A 111, ein Kompaktmodell mit einem 1,4-Liter-Motor und 70 PS.

Das war vor 40 Jahren. Heute würde der Wagen mit seinem einst beispielhaften Verbrauch keine Lobeshymnen mehr auslösen. Seit Beginn der ökologischen Steuerreform am 1. April 1999 ist der Absatz an Benzin und Diesel kontinuierlich gesunken.

Wurden vor sieben Jahren noch durchschnittlich 205 Millionen Liter pro Tag verbraucht, waren es 2005 beispielsweise nur noch 171 Millionen Liter täglich. Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Autos, Busse, Lastwagen und Motorräder auf Deutschlands Straßen von 52,4 auf 56,3 Millionen Fahrzeuge.

„Bei den Neuwagen verbrauchte im Jahr 2000 der Durchschnittsbenziner noch 8,1 Liter je 100 Kilometer. Im letzten Jahr lag der Durchschnitt bei nur 6,6 Litern”, hat Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen ausgerechnet. Allerdings habe die Abwrackprämie das Bild ein wenig geschönt, da letztes Jahr vermehrt Kleinwagen verkauft worden seien.

Trotzdem, da ist sich der Branchenkenner sicher, wird weiter gespart werden können, „denn die neue Generation der kleinen Benziner mit Dreizylinder-Motoren wird in den nächsten Jahren bei fast allen Autobauern zum Modellprogramm gehören. Hinzu kommen immer mehr Start-Stopp- und Hybridfunktionen.”

Leichtlaufreifen, Leichtlauföl, Zylinderabschaltung, Rekuperationssysteme - die Liste der technischen Spritsparhilfen ist lang, und die Möglichkeiten sind längst noch nicht ausgereizt. Doch der entscheidende Faktor ist immer noch der Mensch. „Mit einer neuen Fahrkultur lässt sich der Kraftstoffverbrauch dauerhaft um bis zu 20 Prozent verringern”, sagt Martin Kraus, Entwicklungsingenieur bei der Sachverständigenorganisation Dekra.

Kraus kennt die wichtigsten Regeln für verbrauchsoptimiertes Fahren. Demnach lautet das oberste Gebot: Zügig beschleunigen, früh hochschalten. Beim Beschleunigen das Gaspedal um etwa drei Viertel durchdrücken und bei einer Drehzahl von etwa 2000 U/min den Gang wechseln. Ziel ist es, so kurz wie möglich auf dem Gaspedal zu bleiben und zügig die gewünschte Geschwindigkeit zu erreichen. Anschließend sollte man das Tempo in einem möglichst hohen Gang mit wenig Gas halten.

Danach heißt es: Vorausschauend fahren. Die Geschwindigkeit sollte dem Verkehrsfluss anpasst werden. Es gilt, möglichst gleichmäßig zu fahren und das Fahrzeug rollen zu lassen, um unnötiges Abbremsen und Beschleunigen zu vermeiden.

Besitzt das Auto eine Schubabschaltung, besteht weiteres Sparpotenzial: „Um langsamer zu fahren, sofort den Fuß vollständig vom Gas nehmen, den Gang aber eingelegt lassen. Dann wirkt die Schubabschaltung, die den Verbrauch auf null drosselt. Die Motordrehzahl über 1500 Umdrehungen halten, falls nötig hochschalten”, beschreibt der Dekra-Fachmann die entsprechende Vorgehensweise.

Allem Sparwillen zum Trotz bleibt allerdings gerade der so wichtige Reifendruck oft unbeachtet. Falscher Reifendruck erhöht den Rollwiderstand, und: „Der Anteil des Rollwiderstandes am Kraftstoffverbrauch eines typischen benzinbetriebenen Mittelklassewagens ist circa ein Fünftel.

Wenn bei einem Minderdruck von einem bar der Rollwiderstand um fünf Prozent zunimmt, wirkt sich dies immerhin mit rund sechs Prozent auf den Kraftstoffverbrauch aus”, erläutert Ruprecht Müller, Reifenfachmann beim ADAC, den technischen Hintergrund. Also: Je leichter der Reifen abrollt, umso weniger Kraftstoff wird verbraucht und Kohlendioxid ausgestoßen. Deshalb sollte man mindestens die Herstellervorgaben einhalten, besser aber die Werte für das beladene Fahrzeug nehmen. Sie können sogar noch um bis zu 0,5 bar überschritten werden. „Der Komfort leidet ein wenig - doch der Verbrauch sinkt spürbar”, versichert Kraus.

Klimaanlage, Sitzheizung oder Heckscheibenheizung können den Benzinverbrauch ebenfalls spürbar erhöhen. Deshalb empfiehlt es sich, solche Zusatzaggregate nur so lange einzuschalten wie unbedingt nötig. Konsumtreibend wirkt sich zudem alles aus, was die Aerodynamik des Autos vermindert. Dachaufbauten sollten entsprechend nach Gebrauch wieder entfernt, Unfallschäden oder ein defekter Unterbodenschutz rasch repariert werden. Auch unnötiger Ballast schlägt sich letztlich in der Spritrechnung nieder. Daher den Kofferraum regelmäßig entlasten.

Selbst mit der Routenwahl können Sparfüchse den Verbrauch optimieren. Viele Navis und Routenplaner bieten entsprechende Optionen an. Und wer dann noch Spitzenzeiten vermeidet und Strecken mit geringerem Verkehrsaufkommen wählt, trägt zusätzlich dazu bei, die Tankstellenbesuche zu reduzieren.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert