Mini-Rente beziehen und Steuern sparen

Von: Rolf Winkel
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Die ab Juli 2017 geltende Regelung lässt den Versicherten mehr Spielraum zur Kombination von Arbeit und Rente. Foto: imago/Christian Ohde

Aachen. Ab dem 1. Juli können sich Arbeitnehmer ab 63 (Schwerbehinderte schon früher) für eine Mini-Teilrente entscheiden und zugleich weiterarbeiten. Der Clou daran: Mancher spart dadurch später einige Tausend Euro an Steuern.

Rente und Steuer: Das Bundes- finanzministerium rechnet damit, dass 2017 rund 4,4 Millionen der insgesamt etwa 20 Millionen Rentner Steuern zahlen müssen. Wer als Alleinstehender Anfang 2017 in Rente gegangen ist, muss inzwischen schon bei einer Brutto Rente von 1500 Euro monatlich mit einer Steuerbelastung von 33 Euro rechnen. Bei 1800 Euro Rente sind es bereits 72 Euro, auf ein Jahr bezogen also 864 Euro. Das Geld fordert das Finanzamt später nach Abgabe der Steuererklärung ein.

 

Steuertreppe: Der steuerpflichtige Teil der Rente steigt mit jedem neuen Rentnerjahrgang an. Für diejenigen, die in diesem Jahr in Rente gehen, sind 74 Prozent der Brutto-Rente steuerpflichtig – und 26 Prozent steuerfrei. Gerechnet wird dabei so: Bei einer Jahresrente von 18.000 Euro brutto sind für jemanden, der im Januar dieses Jahres in Rente gegangen ist, sind 13.320 Euro steuerpflichtig (74 Prozent von 18.000 Euro). Umgekehrt sind 4680 Euro steuerfrei. Dieser steuerfreie Anteil wird dann für die Zukunft lebenslang als Steuerfreibetrag festgeschrieben. Wer 2020 in Rente geht, kann bei den gleichen Ausgangswerten nur auf einen Steuerfreibetrag von 3600 Euro kommen. Denn dann sind schon 80 Prozent der Rente steuerpflichtig.

 

Rentenbeginn: Welcher Prozentsatz dabei zählt, richtet sich „nach dem Jahr des Rentenbeginns“. Das geht aus dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 19. August 2013 („Einkommensteuerrechtliche Behandlung von Vorsorgeaufwendungen und Altersbezügen, Geschäftszeichen: IV C 3 – S 2221/12/1001 0:004 ) hervor. Sollte man nun wegen einer möglichen späteren Steuerersparnis vorzeitig in Rente gehen? Wohl kaum. Allein wegen der hohen Rentenabschläge von derzeit bis zu 9,6 Prozent (bei Schwerbehinderten: bis 10,8 Prozent) bei vorgezogenen Renten lohnt sich das nicht.

10-Prozent-Rente: Lohnenswert kann es dagegen sein, zunächst nur einen kleinen Teil der Rente zu beziehen. Interessant ist dabei die Neuregelung von Paragraf 42 Absatz 2 Sozialgesetzbuch VI. Danach kann ab Juli 2017 auch „unabhängig vom Hinzuverdienst“ eine Teilrente gewählt werden. Diese muss „mindestens zehn Prozent der Vollrente“ betragen.

 

Job plus 10-Prozent-Teilrente: Damit können 63-jährige Arbeitnehmer ab Mitte dieses Jahres mit einer geringfügig verkürzten Arbeitszeit weiterarbeiten und gleichzeitig zehn Prozent ihrer Rente beziehen. Die Vorteile: Abschläge gibt es dann nur auf die bereits bezogene Minirente, nicht jedoch auf den 90-Prozent-Anteil der noch nicht bezogenen Rente. Zudem steigt die Rente durch die weiter gezahlten Versicherungsbeiträge stark an.

 

Steuervorteil: Wichtig ist dazu aber der Steuervorteil. Wer etwa 2020 von der Teilrente in die Vollrente wechselt, bleibt auf der Steuertreppe im Jahr 2017 stehen. Bei der Rentenbesteuerung ist „der ursprünglich ermittelte Prozentsatz maßgebend“, heißt es in einem Rundschreiben des Bundesfinanzministeriums. Mehr noch: Am ursprünglichen Jahr des Rentenbeginns ändert sich selbst dann nichts, wenn „die bewilligte Rente bis auf null Euro gekürzt (wird), zum Beispiel weil eigene Einkünfte anzurechnen sind“. Diese Kürzung der Rente „unterbricht die Laufzeit der Rente nicht“, ist dort zu lesen.

Beispiel: Bleiben wir beim Fall eines Arbeitnehmers, der derzeit eine Bruttojahresrente von 18.000 Euro erhalten könnte. Er nimmt ab Juli nur zehn Prozent dieser Rente in Anspruch und arbeitet – etwas reduziert – bis 2020 weiter. Seine zu erwartende Jahresrente dürfte dann rund 22 000 Euro betragen. Steuerfrei wären davon – nach dem „Treppenstand“ von 2017 – 26 Prozent. Das sind 5720 Euro. Würde der Rentner dagegen erstmals 2020 Rente beantragen, so wären davon nur 20 Prozent steuerfrei, also etwa 4400 Euro. Der Vorteil beim Steuerfreibetrag würde sich also auf 1320 Euro belaufen – und zwar lebenslang. Bei einem Steuersatz von 25 Prozent macht das immerhin ein Plus von mehr als 300 Euro. Für ein Jahr. Bis zum Lebensende kommen da einige Tausend Euro zusammen.

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