Mehr Sicherheit für Karten: Umstellung auf neuen Chip verzögert sich

Von: Sebastian Wieschowski, dpa
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Die Umstellung auf den neuen Chip verzögert sich: europaweit müssen Karten und Automaten umgerüstet werden. Foto: ddp

Berlin. Viele Deutsche haben den goldenen Chip auf ihrer Bank- oder Kreditkarte Anfang des Jahres zum ersten Mal wahrgenommen. Ein Softwarefehler auf den Chips einer bestimmten Generation sorgte dafür, dass Bankkunden kein Geld am Automaten ziehen und auch nicht mit der Karte bezahlen konnten.

Mancher wünschte sich da möglicherweise die alten „Ritsch-Ratsch-Geräte” zurück. Aber ein mechanisch erstellter Durchschlag der gestanzten Kartennummer auf der Kreditkarte entspricht längst nicht mehr modernen Sicherheitsstandards. Auch der Magnetstreifen hat allmählich ausgedient. Der sogenannte EMV-Chip soll für mehr Sicherheit sorgen. Doch im Handel ist er noch nicht überall angekommen.

Hinter dem Kürzel stecken die drei Kreditgeber Europay International - heute MasterCard Europe -, MasterCard und Visa, die den Standard entwickelt haben. Sie erhoffen sich vor allem einen wirksamen Schutz gegen Missbrauch. Denn der EMV-Chip ist schwerer zu manipulieren als ein Magnetstreifen. Zudem ist keine Verbindung zu einem Sicherheitsserver mehr nötig, um die Echtheit einer Chipkarte in Verbindung mit der korrekten PIN-Nummer zu überprüfen.

Der zu Beginn des Jahres aufgetretene Fehler hat die Terminplanung für die Umstellung auf das sichere Verfahren im Handel allerdings zurückgeworfen. Und inzwischen hat der Einzelhandel deshalb ein handfestes Problem: Bis zum 30. Juni 2010 sollen die rund 650.000 Terminals umgestellt sein. Wie lange das dauert, ist nicht absehbar. „Zurzeit sind bereits schätzungsweise 30 Prozent der Terminals im Handel auf EMV umgerüstet”, sagt Kerstin Altendorf, Pressesprecherin des Bundesverbands deutscher Banken - das bedeutet aber eben auch, dass es 70 Prozent noch nicht sind.

Eine pünktliche Umstellung bis zur Jahresmitte wird immer unwahrscheinlicher: „Wir halten den Zeitplan für nicht einhaltbar”, sagt Ulrich Binnebößel, Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) in Berlin. „Der Einzelhandel ist nicht bereit, die Terminals umzustellen, solange es Karten im Markt geben könnte, die den Chip-Fehler aufweisen.” Seit Januar bieten die Banken und Sparkassen an Geldautomaten und in den Filialen Update-Funktionen an, seit Mitte Februar flächendeckend.

Bevor die Geräte im Handel weiter umgerüstet oder ausgetauscht werden, verlangt der HDE eine Akzeptanzsicherheit. Und erste Einzelhändler lassen die Muskeln spielen: Die Rewe-Gruppe hat angekündigt, die neue Software erst einzusetzen, „wenn diese einwandfrei funktioniert”.

Für die Kunden ergeben sich durch die Technikumstellung keine Änderungen. „Die Ausstattung der kreditwirtschaftlichen Karten mit einem EMV-Chip hat für den Karteninhaber, den Verbraucher, keine direkten Auswirkungen beim täglichen Einsatz der Karte”, sagt Altendorf. Die neuen Chipkarten können an den Terminals im Handel oder zum Beispiel auch an Tankstellen sowie an Geldautomaten genauso eingesetzt werden wie die gewohnten Magnetstreifenkarten.

„Die ausgegebenen Karten sind im Handel bis zum Ablauf des Gültigkeitsdatums einsetzbar. Bereits heute enthalten die Karten einen Chip, der bei bereits umgestellten Geräten genutzt wird”, sagt Binnebößel. Bei noch nicht umgestellten Terminals wird weiter der Magnetstreifen der Kreditkarte genutzt - so war es nicht gedacht, auch wenn der Kunde keinen Nachteil haben soll.

„In beiden Fällen hat der Kunde die gleiche Sicherheit und muss nicht für Schäden haften, solange er seine PIN-Nummer geheim hält”, wendet Binnebößel in Bezug auf die Kreditkarte ein. Und für das bekannte Zahlen mit der EC-Karte und Unterschrift, also das elektronische Lastschriftverfahren, gelten die Neuerungen ohnehin nicht - der Magnetstreifen auf der Karte wird weiter zum Einsatz kommen. Die zusätzliche Sicherheit, die durch den Wechsel vom Magnetstreifen auf den Chip beim elektronischen Lastschriftverfahren erreicht wird, soll später kommen.

Europaweite Umrüstung von Karten und Automaten

Nach einer Erhebung des Europäischen Zahlungsverkehrsausschusses „European Payments Council” (EPC) waren im September 2009 in den 31 Staaten des einheitlichen Zahlungsverkehrsraums sieben von zehn Bank-, EC- und Kreditkarten modernisiert. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt 656 Millionen Karten im Umlauf, teilt das Unternehmen EURO Kartensysteme, ein gemeinsamer Dienstleister der deutschen Kreditwirtschaft, mit.

Zudem waren rund 78 Prozent der europäischen Händlerterminals mit dem neuen Sicherheitsstandard ausgerüstet. Die Umstellung der Geldautomaten war zu 94 Prozent erfolgt.
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