Mehr Bares für die Haushaltskasse

Von: Brigitte Watermann
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Aachen. Bis Jahresende bleibt Zeit, im alten Jahr noch Steuern zu sparen und die Weichen für weniger Abgaben im kommenden Jahr zu stellen. Die wichtigsten Tipps für Sparfüchse.

Zum Jahresende sollte man sich nicht nur über Weihnachtsgeschenke Gedanken machen, sondern auch über die eigene steuerliche Situation. Beim Finanzamt ist oft mehr zu holen, als man denkt. Die wichtigsten Tipps für den Jahresendspurt 2016.

Lohnsteuerklasse prüfen und ändern

Verheiratete oder verpartnerte Arbeitnehmer sollten bis zum Jahresende checken, ob ihre Lohnsteuerklassen noch günstig verteilt sind. Die Kombination IV/IV bringt dann den geringsten monatlichen Lohnsteuerabzug, wenn Sie und ihr Partner etwa gleich viel verdienen.

Die Steuerklassen-Kombination IV/IV plus Faktor ist noch relativ neu. Sie bringt bei entsprechender Ausgestaltung ebenfalls Vorteile für Paare. Ihr Pluspunkt liegt darin, dass der laufende Lohnsteuerabzug ziemlich genau der tatsächlichen Steuerschuld beider Partner entspricht. Dadurch werden größere Überraschungen - vor allem ärgerliche Nachzahlungen - vermieden.

Bei größeren Gehaltsunterschieden ist die Kombination III/V für viele Paare steuerlich vorteilhaft. Der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) gibt allerdings zu bedenken, dass sich bei dieser Steuerklassenkombination häufig Nachzahlungen ergeben. Zum Teil verlangt der Fiskus sogar unterjährige Vorauszahlungen, so dass der Liquiditätsvorteil schnell dahin ist.

Bei Jobverlust schnell handeln

Falls einer der Partner im kommenden Jahr mit Arbeitslosigkeit rechnet, kann er durch eine günstigere Steuerklasse seine Lohnersatzleistungen erhöhen. Entscheidend ist die Steuerklasse, die zu Jahresbeginn gilt. Deshalb gilt es, rechtzeitig zu handeln und noch vor Jahresbeginn die Steuerklasse zu wechseln.

Steuerfalle für Alleinerziehende

Alleinstehenden Müttern oder Vätern steht die Steuerklasse II zu. Kommt jedoch zum Haushalt ein neuer Partner oder eine andere erwachsene Person hinzu, entfällt die Steuerklasse II. Umgekehrt sollten sich Alleinerziehende, die bisher die Steuerklasse I hatten, nach dem Auszug solcher Personen die Vorteile der Steuerklasse II sichern.

Steuerfreibeträge neu beantragen

Wenn Sie höhere Werbungskosten geltend machen können, zum Beispiel Sonderausgaben wie Unterhaltszahlungen, außergewöhnliche Belastungen oder andere abzugsfähige Aufwendungen, dann können Sie sich Freibeträge eintragen lassen. So streichen Sie noch im alten Jahr mehr Netto ein. Seit 2015 dürfen Sie als Arbeitnehmer Freibeträge für zwei Jahre im Voraus beim zuständigen Finanzamt beantragen. Noch bis zum 30. November können Sie über einen Antrag auf Lohnsteuerermäßigung Freibeträge für das laufende Jahr vermerken lassen - so werden Ihnen im Dezember deutlich weniger Steuern abgezogen.

Ausgaben strategisch planen

Als Arbeitnehmer sollten Sie sich jetzt überlegen, ob sich Ausgaben für Arbeitsmittel, Fortbildung oder andere Werbungskosten noch im alten Jahr oder erst 2017 steuerlich günstiger für Sie auswirken. Die Daumenregel lautet: Wer schon jetzt weiss, dass er 2016 deutlich mehr verdienen wird als 2017, sollte die Ausgaben möglichst vorziehen -; ist es anders herum, kann man sie aufs nächste Jahr verschieben.

Wichtig: Bei Arbeitnehmern sorgen allerdings nur Werbungskosten von mehr als 1.000 Euro für steuerliche Entlastung. Durch Vorziehen oder Verschieben von Werbungskosten über den Jahreswechsel lässt sich manchmal der Arbeitnehmerpauschbetrag überschreiten -; zumindest in einem der beiden Jahre.

Es kann auch zweckmäßig sein, wenn Sie Ihre Krankheitskosten in einem der beiden Jahre bündeln. Der Fiskus beteiligt sich erst oberhalb der sogenannten zumutbaren Belastung an Krankheitskosten. Der zumutbare Eigenanteil beträgt je nach Einkommen und Familienstand zwischen einem und sieben Prozent Ihrer Einkünfte. Wer die Zahlung für eine teure Zahnbehandlung oder eine große Medikamentenbestellung vorzieht oder verschiebt, kann diese Hürde leichter nehmen.

Stichtage nicht versäumen

Bis zum 15. Dezember können Sie bei Ihren Banken eine Verlustbescheinigung für Ihre Aktien- oder Fondsverluste beantragen. Das ist sinnvoll, wenn Sie Depots bei mehreren Banken führen und Gewinne bei einer Bank mit Verlusten bei der anderen Bank verrechnen möchten. Diese Verrechnung funktioniert allerdings nur über die jährliche Steuererklärung.

Keine Sorge: Wenn Sie den Termin verpassen, verschenken Sie nichts -; die Bank schreibt Ihre Verlustverrechnungstöpfe von 2016 dann einfach 2017 fort und verrechnet die Verluste mit künftigen Gewinnen oder Zinsen und Dividenden.

Riester-Sparer können von Steuervorteilen profitieren. Dazu sollten Sie allerdings als Lediger vier Prozent des letztjährigen Bruttoeinkommens abzüglich der staatlichen Grundzulage (154 Euro) und etwaiger Kinderzulagen (pro Kind 185 Euro, für ab 2008 Geborene sogar 300 Euro) in den Vertrag einzahlen. Bis zu 2.100 Euro an Beitragszahlungen werden staatlich gefördert.

Tipp: Wenn Sie noch keinen Vertrag haben und die Summe noch bis Silvester auf einen Schlag einzahlen, können Sie von der Förderung profitieren. Wichtig: Wer bereits einen Vertrag bespart, sollte unbedingt darauf achten, sich die staatlichen Zulagen nicht durch die Lappen gehen zu lassen: Bis Ende 2016 müssen Sie die Zulagen für 2014 beantragt haben, sonst verfällt Ihr Anspruch.

Freistellungsaufträge benötigen Steuer-ID

Checken Sie die Freistellungsaufträge bei Ihrer Bank, damit Sie 2017 den Sparerpauschbetrag von 801/1.602 Euro (Ledige / Verheiratete) sinnvoll verteilen und möglichst ausschöpfen können. Wichtig zu wissen: Seit Januar 2016 haben Freisteller ohne Angabe der persönlichen Steuer-Identifikationsnummer keine Wirksamkeit mehr.

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