Marc Friedrich: „Der Euro wird scheitern“

Von: Wolfgang Thomas Walter und Thomas Brummer
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Wie lange wird es die Gemeinschaftswährung Euro noch geben? Laut Autor Marc Friedrich, hat die Währung keine Chance mehr. Foto: dpa

Aachen. Bestseller Auto Marc Friedrich ist ein gern gesehener Gast in Talkshows. Zuletzt war er im ZDF bei Markus Lanz zu sehen. Der Ökonom erklärt, weshalb der Crash die Lösung für die Wirtschaft ist.

Whiskey, Wald und Gold sind nach Ansicht von Buchautor Marc Friedrich attraktive Sachwerte, die auch in Krisenzeiten ihren Wert behalten. Für ihn steht außer Frage, ob eine Krise kommt, sondern lediglich wann sie kommt. „Das Haltbarkeitsdatum unseres Finanzsystems ist 2008 abgelaufen“ , ist sich Friedrich sicher, der gemeinsam mit Matthias Weik die Spiegel Bestseller „Der grösste Raubzug der Geschichte“ und „Der Crash ist die Lösung“ verfasst hat.

Herr Friedrich, die Schweiz hat vor wenigen Tagen den Mindestwechselkurs zum Euro aufgegeben. Was waren die Gründe dafür und was sind Folgen?

Friedrich:

Es war klar, dass die Schweizer dieses irrsinnige, planwirtschaftliche Experiment nicht ewig durchhalten können. Die Devisenbestände der SNB sind auf mehr als eine halbe Billion Franken gewachsen. Mittlerweile sind die Eidgenossen sogar der größte Gläubiger Deutschlands. Es war die einzig richtige Entscheidung diesen Wahnsinn zu beenden. Man hätte ihn erst gar nicht beginnen sollen. Jetzt haben die Schweizer Notenbanker die Reißleine gezogen und damit klar signalisiert, dass sie kein Vertrauen in den Euro mehr haben. Aber auch das Vertrauen der Bevölkerung und der Banken in die Notenbanken generell wird sinken. Dadurch wird eine neue Bankenkrise kommen. Die SNB ist nun genau so schlau wie zuvor - wenig Erkenntnis und nichts erreicht für 500 Milliarden Franken. Außer Spesen nichts gewesen. Die Entscheidung der SNB letzte Woche wird in die Geschichtsbücher eingehen.

Damit ist Gold die einzige sinnvolle Geldanlage?

Friedrich:

Gold physisch zu besitzen ist immer ratsam, aber gerade in diesen Zeiten sind Edelmetalle nicht die schlechteste Wahl. Ich denke, 2015 wird ein deutlich besseres Jahr für Gold. Viel besser als 2014, hier konnte Gold bereits um rund neun Prozent zulegen und war das erfolgreichste Investment. Dieses Jahr wird es mehr werden. Neue Rekordhöhen sind durchaus drin. Offenbar haben die Notenbanken selbst auch nicht uneingeschränktes Vertrauen in ihre Währungen, denn jede Notenbank hat Goldreserven in Petto und kauft auch hinzu. Auf Druck der Bevölkerung hat Deutschland Teile seiner Goldbestände, die im Ausland gebunkert sind, bereits zurückgeholt. Wieso sollten also Privatpersonen nicht auch etwas Gold haben? Gold und Silber waren immer Geld und sind durch die Natur limitiert.

Lassen wir unseren Blick schweifen und blicken in die USA. Einige Banken rechnen schon diesen Sommer mit einer Zinswende in Amerika. Was denken Sie?

Friedrich:

Das sind bisher nichts als Ankündigungen. Vor 2016 passiert hier nichts. Es wird sich zeigen, was da wirklich dran ist. Überhaupt sind Zahlen aus den USA mit Vorsicht zu genießen, genaueso wie Zahlen aus China. Ich mache da keinen Unterschied. Die FED, aber auch alle anderen Notenbanken sind in einer Zwickmühle. Wenn sie die Zinsen erhöhen, ersticken sie dadurch das mickrige Wirtschaftswachstum, riskieren einen Börsencrash und steigende Arbeitslosenquoten. Wenn die Zinsen im Keller bleiben, werden die Blasen an den Aktien- und Immobilienmärkten stetig größer und immer absurder.

Am Sonntag finden in Griechenland Wahlen statt. Bei einem Erfolg der Linken wird Griechenland möglicherweise die Eurozone verlassen müssen. Wie wahrscheinlich ist das?

Friedrich:

Nun, ich habe keine Glaskugel und kann daher nichts Konkretes dazu sagen. Was ich aber sagen kann, ist, dass das für die Griechen das Beste ist, was ihnen passieren könnte. Sie wären dann befreit vom Zinskorsett der EZB. In diesem Klammergriff werden die Volkswirtschaften in Griechenland und anderen Südländer inklusive Frankreich niemals genesen können. Griechenland präsentiert sich mittlerweile schon wie ein Land der dritten Welt. Ihre Wirtschaft kann sich nur mit einer eigenen Währung entwickeln - der Euro ist ihnen zu teuer. Niemals werden die Griechen die Schulden zurückzahlen können.

Deutschland ist seit Jahren Exportweltmeister, hat sein Jahren Rekordsteuereinnahmen, aber selbst wir als Wirtschaftslokomotive Numero eins in der Welt schaffen es nicht unsere Schulden zurückzuzahlen. Wie sollen es dann jemals Griechenland, Spanien, Japan oder die USA schaffen? Ich denke, man sollte es jedem klar machen, dass das System am Ende ist. Ich finde es auch schon sehr verwunderlich, wenn offiziell demokratische Länder den Griechen drohen, wenn diese falsch wählen. Tsipras wird die Wahl gewinnen und dann die Schulden neu verhandeln. Wenn man hier dann aber einknickt, wird es nicht lange dauern bis auch Italien, Spanien, Frankreich, Irland etc. einen Schuldenerlass einfordern. Das ist die gleiche Entwicklung wie damals mit den Maastrichter Grenzen. Damals war es der gleiche Effekt nur von oben. Zuerst haben Deutschland und Frankreich die Hürden gerissen und dann sind alle anderen Länder gefolgt. Dieses mal wird diese Entwicklung von unten kommen.

Ob mit oder ohne Griechenland, hat der Euro noch eine Zukunft?

Friedrich:

Nein, der Euro wird scheitern. Eigentlich ist er schon gescheitert. Denn Geld, das man retten muss, ist kein Geld! Der Euro ist gerade mal süße 14 Jahre jung, liegt aber schon seit 2009 auf der Intensivstation und wurde schon mehrfach reanimiert. Wir haben es im Buch ganz drastisch geschrieben: Der Euro eint nicht Europa, der Euro zerstört Europa und unseren Wohlstand. Und das erleben wir jetzt alle live. Es braucht wohl erst ein reinigendes Gewitter, bevor der Wahnsinn beendet wird. Unser Finanzsystem hat eine mathematisch begrenzte Lebensdauer und das Haltbarkeitsdatum hierfür ist 2008 abgelaufen und wird seitdem mit immensen und demokratisch fragwürdigen Mitteln künstlich am Leben erhalten. Ein Währungssystem, um das man ständig bangen muss und bei dem man immer wieder neue Mittel hineinschießen muss, kann doch keine gesunde Basis haben. Das System stand seit 2008 bereits elfmal vor dem Kollaps!

Und wenn der Euro tatsächlich scheitert, was müsste dann geschehen?

Friedrich:

Bisher sind alle Währungsunionen ausnahmslos gescheitert. So wird es auch dem Euro ergehen. Deutschland bräuchte wieder eine nationale Währung. Aber das wichtigste ist, dass ein künftiges Geldsystem wieder gedeckt ist. Es muss gar nicht unbedingt durch Gold gedeckt sein, aber Gold wäre hier sicher eine sinnvolle Variante. Der Blick in die Geschichte zeigt, dass solche Währungen am stabilsten waren.

Zurück zur konkreten Gegenwart. An der Zapfsäule lässt sich der deutliche Preisverfall des Öls fast schon täglich nachvollziehen. Was steckt dahinter?

Friedrich:

Der Ölpreis wird wohl manipuliert. Zudem hat sich die Weltwirtschaft abgeschwächt und befindet sich im Sinkflug. China hat deutlich an Dynamik verloren und fuhr zuletzt das schwächste Wirtschaftswachstum seit 1990 ein. Auch in Europa und bei uns geht es bergab. Die Welt geht in einen neuen Zyklus. Nach dem Crack-up-Boom (Anmerkung der Redaktion: Aktienboom aus Angst vor Wertverlust) durch das viele billige Geld der Notenbanken ist dieses Subventionsprogramm nun an seine Grenzen gelangt. Es wird nun offensichtlich, dass wir uns die letzten Jahre teuer erkauft haben und vieles auf Treibsand gebaut ist. Es wurde eine Blase von einer noch größeren Blase lediglich abgelöst. Und diese ist nun am erodieren.

Angesichts all dieser Problemfelder, die Sie sehen, können Anleger in dieser Gemengelage noch sinnvoll investieren?

Friedrich:

Der Mini-Zins wird weiter vorherrschen - und sich noch verschlimmern. Die Negativzinsen werden über kurz oder lang auch bei uns Sparern ankommen. Aber auch für Hauseigentümer wird eine Immobilienabgabe kommen. Und auch auf die staatliche Altersvorsorge würde ich mich nicht verlassen. Riester, Rürup, Lebensversicherung - alle staatlichen oder privaten Vorsorgesysteme sind gescheitert und dienten vor allem den Verkäufern. Im Wesentlichen sollten sich Haushalte darauf konzentrieren, ihr Vermögen zu sichern. Wichtig ist vor allem, eine Anlage zu verstehen. Nur so kann ich beurteilen, worauf ich mich einlasse. Besonders Sachwerte sind hier interessant. Ob Sie einen Wald kaufen, ein Grundstück, Gold oder schottischen Whiskey, ist dabei Geschmackssache und eine Frage des Geldbeutels. Fakt ist: Papierwerte dienen einem nur indirekt und es wollen viele Parteien mitverdienen: Banken, Versicherungen, Makler und der Staat. Sachwerte wiederum dienen einem selbst - direkt und unmittelbar. Zudem haben sie sich in der Vergangenheit bei Krisen stabiler verhalten.

Unter welcher Überschrift wird das Jahr 2015 stehen?

Friedrich:

Ich muss hier betonen, dass ich leider keine Glaskugel habe. Ich rechne mit einer Korrektur am Aktienmarkt, die Bevölkerung wird zunehmend Vertrauen gegenüber dem Geldsystem und den Notenbanken verlieren. Gold wird sich schließlich als Sieger entpuppen. Es wird ein spannendes Jahr und die Krisen werden uns weiter treu bleiben. Vielleicht wir das Motto sein: Es kann 2016 nur besser werden. Denken wir positiv!

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Friedrich.

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