Hamburg - Lebensversicherung: Bei Neuverträgen droht ein Verlustgeschäft

Lebensversicherung: Bei Neuverträgen droht ein Verlustgeschäft

Von: Manfred Rolfsmeier, dapd
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Lebensversicherung
Sinkende Überschüsse, reduzierter Garantiezins - die klassische Lebensversicherung wird nach Ansicht von Experten immer unattraktiver. Foto: ddp

Hamburg. . Sinkende Überschüsse, reduzierter Garantiezins - die klassische Lebensversicherung wird nach Ansicht von Experten immer unattraktiver. „Man kann niemandem mehr empfehlen, eine Police abzuschließen, die Lebensversicherung ist ein Auslaufmodell”, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten.

Für Anleger gebe es zudem attraktivere und kostengünstigere Möglichkeiten zur langfristigen Geldanlage.

Lag die Gesamtverzinsung von Lebensversicherungen vor zehn Jahren noch bei rund sieben Prozent, werden es 2011 nur noch rund vier Prozent werden. Damit nicht genug: Ab 2012 sinkt der Garantiezins für Neukunden von derzeit 2,25 auf 1,75 Prozent. „Die Versicherer werden daher schon bald eine Verkaufsoffensive starten”, sagt Rudnik.

Anleger sollten sich aber nicht vom mageren Zinsvorteil blenden lassen und die optimistischen Überschussprognosen in den Verträgen ignorieren, denn die seien keineswegs sicher. „Es ist zu befürchten, dass künftig immer mehr Versicherte nur noch den Garantiezins erhalten. Das bedeutet, dass sie nicht einmal mehr die eingezahlten Beiträge zurück erhalten, denn der garantierte Zins bezieht sich ja nur auf den Sparanteil”, warnt der Experte. Ausgenommen sind lediglich Riester-Verträge, hier sind Verluste ausgeschlossen.

Die Hälfte der Verträge wird nicht durchgehalten

Mehr als die Hälfte aller Lebens- und Rentenversicherungen werden nicht bis zum Ende durchgehalten. Eine bereits bestehende Versicherung zu kündigen, will aber gut überlegt sein, denn dabei müssen die Kunden hohe Einbußen in Kauf nehmen. Bei finanziellen Engpässen sei es sinnvoller, seine Versicherungen für einen bestimmten Zeitraum beitragsfrei zu stellen oder ein Policendarlehen in Anspruch zu nehmen, das bis zur Höhe des maximalen Rückkaufswertes gewährt werde, sagt Rudnik.

Wer sich ganz von seiner Lebensversicherung trennen will, der kann sie auch am Zweitmarkt verkaufen und erhält dafür laut BdV etwa zwei bis vier Prozent mehr ausgezahlt als bei den Versicherern. Allerdings werden längst nicht alle Policen aufgekauft.

Vertragswechsel nur zum Anfang ratsam

Für Kunden, die eine teure Police erworben haben, kann sich ein Vertragswechsel anbieten. „Der Umstieg von einer schlechten zu einer guten Lebens- oder Rentenversicherung lohnt sich aber allenfalls in den ersten Vertragsjahren. Danach fährt man besser, wenn der bestehende Vertrag durchgehalten wird”, sagt Susanne Meunier vom Magazin „Finanztest” der Stiftung Warentest.

Wer Geld sparen will, der sollte seine Beiträge zudem jährlich statt monatlich zahlen, denn dadurch erspart man sich die Ratenzahlungszuschläge. Nur bei Fondspolicen ist die Monatszahlung wegen der Schwankungen an den Börsen sinnvoll, da so der Kauf gleichmäßig über das Jahr verteilt wird.

Zudem sollten unsinnige und teure Zusatzvereinbarungen wie eine Extraleistung bei Unfalltod aus dem Vertrag gestrichen werden. Auch die dynamische Beitragsanpassung sollte man streichen, da dadurch nur zusätzliche Kosten entstünden und unklar werde, wie viel der Vertrag später abwirft, rät Meunier.

Investmentfonds und Zinsanlagen als Alternative

Für Sparer, die ihr Geld langfristig anlegen wollen, gibt es mehrere Alternativen zur Lebensversicherung. „Dazu gehören insbesondere weltweit anlegende Investmentfonds, unter Umständen kann auch eine günstige Rentenversicherung infrage kommen”, sagt Peter Lischke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin. Empfehlenswert sei auch eine Anlage in Indexfonds, da hier kein Ausgabeaufschlag anfällt. Für sicherheitsorientierte Anleger kämen außerdem auch Bundeswertpapiere, Sparbriefe und gut verzinste Festgeldanlagen infrage.

Lebensversicherungen sind laut Lischke auch für vorsichtige Anleger eine schlechte Wahl: „Die vermeintliche Sicherheit wird mit hohen Kosten und wenig Flexibilität erkauft.” Das gelte insbesondere auch für fondsgebundene Versicherungen, denn die seien nicht nur teuer, die Anleger müssten auch das volle Risiko tragen.

Kunden, die vor 2005 eine Lebens- oder private Rentenversicherung mit mindestens zwölf Jahren Laufzeit abgeschlossen haben, sollten sie möglichst behalten. Denn sobald die Versicherung mindestens 12 Jahre besteht und der Inhaber zum Zeitpunkt der Auszahlung mindestens 60 Jahre alt ist, sind die Erträge steuerfrei.
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