Länger arbeiten: Wann und wie ist das möglich?

Von: Rolf Winkel
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Eine Allensbach-Studie zeigt es: Unter den älteren Arbeitnehmern möchte fast jeder fünfte Arbeitnehmer länger arbeiten. Wann und wie ist das möglich? Die Antworten auf die drängendsten Fragen:

Müssen Arbeitnehmer bei Erreichen des offiziellen Rentenalters auch Rente beantragen?

Nein. Der Antrag kann auch später eingereicht werden. Aber ohne Antrag bleibt die Altersrente aus.

Erhöht eine späte Beantragung die Rente?

Ja. Aktuell ist das offizielle Eintrittsalter 65 Jahre und drei Monate. Wer sich allerdings später in den Ruhestand verabschiedet, wird belohnt. So erhöht sich die gesetzliche Rente für jeden Monat ab Erreichen des regulären Renteneintritts um 0,5 Prozent. Ein Beispiel: Wer mit 67 Jahren und drei Monaten seinen Dienst quittiert, kann sich über eine um zwölf Prozent höhere Rente freuen -; ein Leben lang. In aller Regel sind Arbeitnehmer, die jenseits der 65 noch arbeiten, weiterhin rentenversicherungspflichtig. Aus einer Monatsrente von 1.000 Euro erwachsen bei einer Verlängerung der Arbeitszeit um zwei Jahre für einen Durchschnittsverdiener etwa 1.200 Euro.

Ist es möglich, neben der Rente zu arbeiten?

Ja. Damit ist der Lebensunterhalt sogar wesentlich besser gesichert.

Ist es für die Rentenversicherung von Belang, wenn man zur regulären Altersrente zusätzlich Arbeitseinkommen erzielt?

Nein. Zumindest ist das dann nicht der Fall, wenn das offizielle Rentenalter erreicht ist. Wer also die besagte Grenze von 65 Jahren und drei Monaten hinter sich gelassen hat, darf beliebig viel hinzuverdienen -; ohne Abstriche in der Rente.

Was gilt bei Frührenten?

Hier ändert sich die Sachlage. Die Rentenversicherung fordert dann eine Erklärung, dass das Arbeitsverhältnis nicht mehr besteht oder der Antragssteller nicht mehr als 450 Euro monatlich verdient. Allerdings dürfen zwei Monate pro Jahr mit bis zu 900 Euro deutlich höher ausfallen. Wer darüber hinaus kommt, muss mit einer Kürzung der Altersbezüge rechnen -; und zwar um mindestens ein Drittel. Alternativ können rüstige Rentner auch von vornherein eine Teilrente wählen und beispielsweise neben einer halben Stelle die halbe Rente beziehen. Interessierte sollten sich bei der Rentenversicherung ausrechnen lassen, wie viel sie in welcher Konstellation hinzuverdienen dürfen.

Wie sieht es arbeitsrechtlich aus?

Das ist etwas komplizierter. Der Gesetzgeber hat zwar der altersbedingten Kündigung einen Riegel vorgeschoben. Eine Befristung -; zum Beispiel auf das reguläre Renteneintrittsalter -; ist zulässig und Arbeitsverträgen gängige Praxis.

Was, wenn jemand nach Ablauf des befristeten Arbeitsvertrags bei der gleichen Firma weiterarbeiten möchte und er schon im Rentenalter ist?

Aus dem befristeten wird ein unbefristeter Arbeitsvertrag. Aus Arbeitnehmersicht ist das optimal, viele Arbeitgeber lassen sich darauf aber nicht ein, da dann wiederum der gesetzliche Kündigungsschutz greift. Wenig verwunderlich ist daher das Urteil des Paderborner Arbeitsgerichts vom 23. März 2006, wonach die Kündigung eines 70-jährigen Autoverkäufers als unwirksam anzusehen ist (Az.: 3 Ca1947/05). Es hätten also zunächst Jüngere mit geringer Betriebszugehörigkeit entlassen werden sollen.

Kann mit 65 ein befristeter Arbeitsvertrag geschlossen werden?

Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetzt geht das nicht, wenn zuvor schon ein Arbeitsvertrag beim selben Arbeitgeber bestand. Hier kommt lediglich eine Befristung mit eindeutigem Sachgrund infrage, wie eine befristete Beschäftigung als Krankheits- oder Schwangerschaftsvertretung. Das alles ist nicht von Bedeutung, wenn Sie bei einem neuen Arbeitgeber tätig sein wollen. Dann kann ein normaler befristeter Arbeitsvertrag unterzeichnet werden -; ohne Sachgrund.

Gibt es Beschäftigungsverbote wegen des Alters?

Das ist äußerst selten. Dies trifft zum Beispiel bei Piloten zu, die früher ihr Cockpit räumen müssen.

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