Keine Panik: Was die Post vom Finanzamt für Rentner bedeutet

Von: Thorsten Wiese, dpa
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Keine Panik: Was die Post vom Finanzamt für Rentner bedeutet
Viele Senioren müssen möglicherweise eine Steuererklärung machen, unter Umständen sogar rückwirkend bis 2005. Foto: dpa

Berlin. Mancher Rentnerhaushalt bekommt in diesen Tagen Post. Es geht um die Steuererklärung, unter Umständen rückwirkend bis 2005. Viele sind verunsichert, denn zum Teil wird in der Öffentlichkeit der Eindruck erweckt, es kämen satte Nachzahlungen auf Ruheständler zu.

Wahr ist, dass viele unter Umständen eine Steuererklärung ausfüllen müssen. Grund zur Panik gibt es aber nicht. Durchschnittsrentner müssen in der Regel nichts nachzahlen.

„Angst haben ist der falsche Ausdruck”, sagt Anita Käding vom Bund der Steuerzahler in Berlin. „Es wird kein Brief kommen, in dem steht: Zahlen Sie bis nächste Woche 5000 Euro. Allein aufgrund von Rentenzahlungen kommen keine hohen Summen zusammen.” Das bedeutet im Klartext: „Nur wer dem Fiskus über mehrere Jahre hinweg Zusatzeinkünfte zum Beispiel aus Vermietung und Verpachtung verschwiegen hat, hat zu lange den Kopf in den Sand gesteckt.”

Hintergrund der Briefe ist, dass im Rahmen der Umstellung auf ein digitales Steuerwesen nun Rentenbezugsmitteilungen versandt werden. Während die Finanzämter zuvor nicht wussten, welcher Rentner wie viel aus welchen Töpfen erhält, müssen die Rentenkassen diese Daten nun an die Finanzverwaltung weitergeben. „Die Träger der Rentenversicherung - etwa die Deutsche Rentenversicherung, Pensionskassen und berufsständische Versorgungseinrichtungen - leiten die Daten an die Landesfinanzverwaltungen weiter”, erklärt Antje Scherbarth von der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) in Brandenburg, die bei der Deutschen Rentenversicherung für den Vorgang zuständig ist.

Die Renten werden damit dem Arbeitslohn gleichgestellt, erläutert Oliver Heyder-Rentsch vom Bundesfinanzministerium in Berlin: „Es sollen alle gleich behandelt werden.” Außerdem bewirkt das Alterseinkünftegesetz von 2005, dass immer mehr Rentner überhaupt Steuern zahlen müssen - oder müssten. Es sieht grob gesagt vor, dass die Einzahlungen in die Rentenkasse bis zu einer gewissen Höhe nicht besteuert werden - dafür aber die Auszahlungen, erklärt Scherbarth. Der Gesetzgeber spricht von „nachgelagerter Besteuerung”. Und mit den Jahren betrifft das einen immer größerer Anteil der Rentenauszahlungen.

„Seit 2005 liegt er bei 50 Prozent und steigt Jahr für Jahr an”, sagt Heyder-Rentsch. Wer 2005 in Rente gegangen ist, muss 50 Prozent seiner Bezugssumme versteuern. Und mit den Jahren müssen die jeweiligen Neurentner auf je 2 Prozent mehr ihrer Bezüge Steuern zahlen: Wer 2009 in den Ruhestand gegangen ist oder geht, versteuert 58 Prozent: „Von 10.000 Euro Rentenbezügen müssen Neurentner also 5800 Euro versteuern.” Vom Jahr 2040 an sind es 100 Prozent, denn ab 2021 steigt der Anteil jährlich um einen Prozentpunkt. Das komplizierte Prozedere verunsichert manchen Rentner.

„Bei uns rufen viele an und stellen Fragen”, sagt Käding. Auch die Lohnsteuerhilfe Bayern hat bereits einen „Ansturm” auf ihre Beratungsstellen verzeichnet. Meist können die Fachleute aber Entwarnung geben. Denn obwohl peu à peu ein größerer Anteil der Rente versteuert werden muss, fallen Durchschnittsrenten oft unter die Freibeträge - Rentner müssen dann keine Steuern zahlen.

„Wer monatlich nicht mehr als rund 1500 Euro Bruttorente hat, wird keine Post vom Finanzamt erhalten”, auf diese Formel bringt es der Neue Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL) in Berlin. Das liegt am Rentenfreibetrag, also am Prozentsatz, der nicht zu versteuern ist. Aber sobald nicht nur die übliche Altersrente bezogen wird, muss die Steuerfreiheit dem Fiskus per Erklärung nachgewiesen werden. Auch das Bundesfinanzministerium will dabei keine Panik aufkommen lassen: Das Gros der Fälle sei „erledigt”, sagt Heyder-Rentsch. Die meisten Rentner hätten niedrigere Bezüge und fallen nicht unter die Steuerpflicht. Oder sie haben pflichtgemäß eine Steuererklärung abgegeben. „Aber es gibt jetzt die Möglichkeit der Prüfung.”

„Es werden schon einige sein, die Post bekommen”, sagt Käding. Genaue Zahlen dazu hat weder das Bundesfinanzministerium noch der Steuerzahlerbund. „Aber es wachsen mit den Jahren immer mehr in die Steuerpflicht hinein.” Maßstab aller Rechnerei ist der Grundfreibetrag. Er beträgt für 2008 genau 7664 Euro, in diesem Jahr 7834 Euro, Anfang 2010 steigt er auf 8004 Euro - für Verheiratete gelten die doppelten Summen. Wird er überschritten, gelangen Ruheständler in die Steuerpflicht.

Sie dürfen allerdings vom zu versteuernden Anteil noch die Werbungskostenpauschale abziehen - 51 Euro für Ledige, das Doppelte für Ehepaare. Laut dem Bund der Steuerzahler bleiben Ruheständler, die 2005 in Rente gegangen sind und nur eine Rente in maximaler Höhe von 15 533 Euro pro Jahr beziehen, steuerfrei. Für Neurentner ab 2006 sind es 14 936 Euro, 2007 beträgt der Wert 14 383 Euro. Mit Rentenbeginn 2008 fällt er auf unter 14.000 Euro.

Literatur: Stiftung Warentest: Steuererklärung für Rentner, ISBN: 978-3-937880-72-3, 12,90 Euro; Wolfgang Benzel: Der aktuelle Steuerratgeber für Rentner und Ruhestandsbeamte, Walhalla, ISBN: 978-3-8029-3823-8, 9,50 Euro.

Was bei Missachtung passiert

Wer die Aufforderung zur Steuererklärung ignoriert, riskiert sogenannte Verspätungszuschläge. Darauf weist das Bundesfinanzministerium in Berlin hin. Laut dem Bund der Steuerzahler ist das eine „Kann-Regelung” - der Zuschlag kann also erhoben werden, muss es aber nicht. Wenn es dazu kommt, sind je nach Fall bis zu zehn Prozent der Steuersumme zu zahlen, maximal aber 25.000 Euro.
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