Keine Chance für Mauerblümchen: Floristen müssen gut verkaufen können

Von: Vivien Leue, dpa
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Floristin
Gummistiefel als Blumenvasen: Floristen müssen sich immer wieder etwas Neues beim Gestalten von Blumenkreationen einfallen lassen.

Mönchengladbach/Gelsenkirchen. Es geht um mehr als nur um Blumen. Das ist Elisabeth Schoenemann wichtig, wenn sie von ihrem Beruf als Floristin erzählt. Denn gerade die Vielseitigkeit ihres Jobs reizt die 22-Jährige.

Sie arbeitet in einem Blumengeschäft in Mönchengladbach. „Ich binde nicht nur Blumen, ich muss auch mit Kunden umgehen und rechnen können”, sagt Schoenemann. Außerdem kennt sie die meisten lateinischen Namen der bunten Gewächse und weiß, welche Balkonpflanze wann blüht und ob sie die Sonne verträgt.

„Der Beruf wird stark von Frauen dominiert”, sagt Nicola Fink vom Fachverband Deutscher Floristen in Gelsenkirchen. Das zeigt auch die Statistik: Nur rund drei Prozent der Floristik-Azubis waren 2008 männlich, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn ermittelt hat. Wer sich für einen Ausbildungsplatz interessiert, muss nicht nur Interesse an kreativer Arbeit mitbringen, sondern auch Spaß am Verkaufen haben. „Es reicht nicht, die Natur zu lieben.” Floristen hätten viel Kundenkontakt. „Da muss man auch auf Menschen zugehen können.” Mauerblümchen haben es in dem Beruf daher schwer.

Elisabeth Schoenemann hat seit drei Jahren ausgelernt und hilft jetzt den neuen Azubis im Geschäft, lateinische Blumennamen auswendig zu lernen oder Besonderheiten der Gewächse zu studieren. „Zum Beispiel gibt es hunderte Sorten von Rosen, da ist es nicht immer leicht, alle zu kennen.”

Berufsberaterin Brigitte Hagen von der Agentur für Arbeit in Düsseldorf nennt weitere Voraussetzungen für den Beruf: „Zu kleine Hände sind hinderlich”, sagt sie. Denn immerhin müssten Floristen große Sträuße gut halten können. Außerdem sollte man genug Kraft haben, um auch einen schweren Trauerkranz tragen zu können. Der Beruf hat auch betriebswirtschaftliche Aspekte: „Floristen kaufen die Blumen ein, müssen Preise kalkulieren und den Lagerbestand beobachten, immerhin werden Blumen welk.” Oft gehört auch das Bearbeiten von Blumenbestellungen zum Geschäft.

In Düsseldorf gab es nach Aussage von Hagen Anfang 2010 mehr Bewerber als Ausbildungsstellen. Aber: „Es muss einfach passen, dann gibt es auch Jobs.” Der übliche Weg zu einer Ausbildungsstelle führt über ein Praktikum. So kann der Arbeitgeber den Bewerber genauer kennenlernen und schauen, ob es passt. Voraussetzung für die spätere Ausbildung ist generell ein Schulabschluss. Ob von der Hauptschule oder der Realschule, ist oft nicht so wichtig wie das Auftreten der Bewerber, ihr Rechen-Vermögen und ihr Interesse an dem Beruf.

Lukrativ ist der Beruf nicht gerade: Die Ausbildungsvergütung variiert zwischen 237 und 331 Euro pro Monat im ersten Jahr und 368 bis 499 Euro im dritten Jahr. Bei ausgelernten Kräften bewegen sich die Monatsgehälter zwischen 1200 und 1600 Euro brutto.

Der Arbeitsalltag von Floristen hängt stark davon ab, wo sie arbeiten. Arbeitgeber sind hauptsächlich Blumenfachgeschäfte, Gartencenter oder Gärtnereien mit Blumenabteilungen. Dort muss auch samstags gearbeitet werden. In Geschäften, die bis spät in den Abend geöffnet haben, gibt es meist zwei Schichten am Tag. Aber auch im Großhandel oder bei Bestattungsunternehmen und in einigen Event-Bereichen werden Floristen beschäftigt.

„Der Trend, vor allem bei den jungen Leuten, geht in Richtung Dekoration”, sagt Nicola Fink vom Floristenverband. In Boutiquen oder Hotels, bei Veranstaltungen oder Messen - florale Inszenierungen sind gefragt. Manchmal werden auch Wohnräume mit Hilfe von Floristen dekoriert.

Auch Elisabeth Schoenemann mag den dekorativen Teil ihrer Arbeit. „Wenn ich einem Kunden einen Strauß binde, möchte ich ihn mit dem, was ich anbiete, begeistern.” Das Schöne dabei: Das Feedback bekommt sie direkt - wenn der Kunde sich freudig bedankt. Gutes Feedback erhielt Schoenemann jüngst auch bei der Landesmeisterschaft der Floristen in Nordrhein-Westfalen. Für ihren kreativen Tischschmuck holte sie den Titel.

Neben der Teilnahme an Wettbewerben gibt es noch andere Möglichkeiten, sich als Florist weiterzuentwickeln. „Eine Weiterbildung zum Gärtner ist möglich”, erklärt Fink. Viele Floristen wagen nach einigen Jahren Berufserfahrung auch den Schritt in die Selbstständigkeit. Hilfreich hierfür ist die Weiterbildung zum Floristenmeister, die nach drei Jahren Berufspraxis möglich ist. Die Meisterschule kann entweder ein Jahr lang in Vollzeit besucht werden oder läuft eineinhalb Jahre lang berufsbegleitend. Mit der bestandenen Abschlussprüfung erhält der Floristenmeister dann auch die Erlaubnis, junge Floristen auszubilden.


Zahl der angehenden Floristen sinkt

Die Zahl der angehenden Floristen ist in jüngster Zeit stetig gesunken. Das hat das Bundesinstitut für Berufsbildung errechnet. So gab es 2008 bundesweit rund 6000 Auszubildende in dem Beruf - das war ein Zehntel weniger als zwei Jahre zuvor. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist in dieser Zeit sogar um fast ein Fünftel (rund 19 Prozent) gesunken.
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