Katerstimmung im Kapitalmarktgeschäft

Von: vo
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Berlin. Im Kapitalmarktgeschäft für Unternehmen haben Banken bislang gutes Geld verdient, auch in Deutschland. Jetzt jedoch geraten die Geldhäuser unter Druck: Eine Studie der Bain Beratungsgruppe zeigt, dass Banken im Kapitalmarktgeschäft deutlich an Ertragskraft verlieren.

Um wieder in den Gewinnbereich zu gelangen, sollten sie sich auf profitable Geschäftsfelder konzentrieren, Kosten senken und den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Lesen Sie hier, wie sich das Kapitalmarktgeschäft international entwickelt.

Ertragsrückgang bei Zinsmanagement, Währungsmanagement und Aktiengeschäft

In einer groß angelegten Studie untersuchen die Experten von Bain & Company die Erträge von Großbanken in Europa, Nordamerika und im asiatisch-pazifischen Raum. Das wichtigste Ergebnis: Die Erträge des Kapitalmarktgeschäfts sind stark rückläufig. In 2015 verzeichnen die Banken Erträge in Höhe von 227 Milliarden US-Dollar, ein Rückgang von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die negative Entwicklung geht auch im ersten Quartal 2016 weiter. Über die letzten sechs Jahre gerechnet, mussten die Banken international Ertragseinbußen von 28 Prozent hinnehmen. Auch und gerade in Deutschland haben Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken mit Ertragsrückgängen zu kämpfen und müssen auf regulatorische Anforderungen reagieren, das erleben LPA-Berater täglich in der Praxis.

Das Währungsmanagement und das Zinsmanagement leiden am meisten. Hier fallen die Erträge von 108 Milliarden Euro (2014) auf 103 Milliarden Euro (2015), die Rendite sinkt deutlich. Auch im Aktiengeschäft gibt es Einbußen, und selbst im Investment-Banking, das bislang für stabile Erträge gesorgt hat, gibt es im ersten Quartal 2016 einen Gewinneinbruch. 

Regulierung und Vorgaben drücken Rendite

Der wichtigste Grund für die geringere Ertragskraft liegt den Autoren zufolge in der strengeren Regulierung, die nach der Finanzkrise in vielen Ländern und Wirtschaftsräumen eingeführt wurde. Niedrigere Verschuldungsquoten und Mindestliquiditätsquoten drücken auf die Rendite.

Die Finanzinstitute müssen wesentlich mehr Eigenkapital vorhalten, der Kapitalbedarf dafür hat sich seit 2008 verdoppelt. Dieser Prozess ist noch lange nicht beendet, viele Kapitalmarktvorschriften werden erst in den nächsten Jahren greifen.

Was Banken tun können

Um ihre Ertragskraft zu steigern, sollten Banken sich nach Einschätzung der Bain-Berater im Kapitalmarktgeschäft unter anderem diese Strategien verfolgen und die Finanzinstitute umbauen:

Auf Gewinnbringer-Produkte fokussieren

Nicht alle Banken können alles gleich gut: Die Finanzinstitute müssen sich auf die Produkte und Kundengruppen konzentrieren, bei denen sie besonders gut abschneiden. Andere Produkte, selbst traditionsreiche oder weit verbreitete, gehören auf den Prüfstand. Nur so können Banken und andere Finanzinstitute ein klares Profil gewinnen. 

Regulatorische Vorgaben aktiv umsetzen und nutzen

Die strengen Vorgaben eröffnen die Chance, Risiken neu zu bewerten und Ungleichgewichte abzubauen. Zusammen mit Effizienz- und Kostensparprogrammen und dem Einsatz neuer Technologien kann die nötige Umstrukturierung auch die Ertragskraft wieder verbessern.

Ressourcen sollten in die ertragsstärksten Bereiche fließen; das Zinsmanagement und das Währungsmanagement sowie alle Prozesse im Kapitalmarktgeschäft müssen modernisiert und optimiert werden.

Betriebsmodelle überdenken

Die Digitalisierung macht vor der Bankenwelt nicht halt. Nach Einschätzung der Bain-Studie sollten Banken mit Partnern zusammenarbeiten, um moderne, zukunftsträchtige Betriebsmodelle zu entwickeln. Nur so können sie die Digitalisierung beschleunigen.

Andere Branchenstudien sagen vorher, dass für diese Anpassungsprozesse ein radikaler Umbau nötig sein wird - ohne Stellenabbau, Filialschließungen und möglicherweise dem Abschied von einigen Kundengruppen werden die Banken nicht zu alter Ertragsstärke zurückfinden.

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