Frankfurt am Main - Intelligentes Wohnen wird die Zukunft

Intelligentes Wohnen wird die Zukunft

Von: Stephanie Saueressig, dpa
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Die Grafik zeigt vereinfacht und symbolisch anhand der gelben Leitungen, welche Bereiche im Haus intelligent vernetzt werden können. Foto: dpa

Frankfurt am Main. Die Waschmaschine schaltet sich automatisch zu den günstigsten Stromtarifzeiten an. Und mit dem Abschließen der Tür aktiviert sich die Alarmanlage. Die vernetzte Gebäudetechnik ist keine Zukunftsmusik mehr. Intelligente Häuser sind auf dem Weg, Wohnstandard zu werden.

Schrillende Alarmanlagen aktivieren automatisch schließende Jalousien. Ein Kühlschrank bestellt per Internet den Joghurt nach. Ist das intelligentes Wohnen? „Solch luxuriösen Schnickschnack braucht eigentlich niemand”, sagt Petra Schmieder vom Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) in Frankfurt am Main. Die Vorzüge des „Wohnens 2.0” liegen vor allem in der Effizienz.

Intelligentes Wohnen heißt, dass sämtliche Geräte im Haus zum Beispiel Heizung, Beleuchtung, Belüftung und Sicherheitstechnik miteinander vernetzt sind, um miteinander zu kommunizieren. Dadurch entsteht ein System, das sehr ökonomisch arbeitet und den individuellen Bedürfnissen der Menschen entgegenkommt.

Ein großer Vorteil liegt in der energieeffizienten Nutzung. Wenn zum Beispiel ein Fenster offen steht, regelt sich die Heizung automatisch herunter. Und wer das Haus verlässt, kann über eine zentrale Steuerung - sogenannte Panels - überprüfen und regeln, wo Licht brennt, Geräte noch eingeschaltet sind oder Fenster offen stehen - ohne jeden Raum einzeln betreten zu müssen.

Inzwischen ist es auch möglich, dass ein Haus die Temperatur automatisch anpasst, wenn der Bewohner das Gebäude verlässt oder nach Hause kommt, erklärt Prof. Alexander Klapproth von der Hochschule Luzern (Schweiz). Im Forschungslabor der Hochschule „iHomeLab” beschäftigt er sich mit der Effizienz und Massentauglichkeit der Gebäudevernetzung.

Für die Vernetzung braucht es eine spezielle Technik, wie beispielsweise KNX. „KNX ist wie die Steuerzentrale des Hauses, sozusagen das Hirn”, erklärt Schmieder. Von 2011 an werden diese und ähnliche Techniken an Bedeutung gewinnen - dann sind die Energieversorger gesetzlich verpflichtet, variable Tarife anzubieten.

„Das heißt, die Energiepreise könnten viertelstündlich erheblich schwanken”, sagt Klapproth. Dann ist intelligente Technik gefragt, die die energieeffiziente Nutzung des Hauses ermöglicht. Schon jetzt sind bei Neubauten intelligente Energiezähler, sogenannte Smartmeter, vorgeschrieben, die digital Strom-, Wasser-, und Gasverbrauch messen. Sind diese entsprechend mit dem Gebäude vernetzt, kann der Bewohner jederzeit sehen, welches Gerät wie viel Energie verbraucht. „Dies führt zu einer Sensibilisierung für Einsparungsmöglichkeiten, ermöglicht aber auch, dass Wasch- und Spülmaschinen sich automatisch dann einschalten, wenn der Strom am günstigsten ist”, sagt Klapproth.

Intelligentes Wohnen hat darüber hinaus auch einiges in punkto Sicherheit und Komfort zu bieten. Es ist möglich, jederzeit mit einem Smartphone auf das Haus zuzugreifen und zwar nicht nur, um das Licht auszuschalten. Spezielle Sensorik im Boden oder an den Fenstern kann zusätzlich zur Alarmanlage einen Notruf auf dem Handy auslösen.

Diese Notruffunktionen sind auch von erheblicher Bedeutung für das selbstständige Leben älterer Menschen. So können tragbare Geräte anhand von Beschleunigungswerten und Höhenunterschieden einen Sturz erkennen und einen Notruf verschicken. Wenn dieser nicht angenommen wird, wird automatisch der Rettungsdienst alarmiert.

„Wir arbeiten daran, Räume wahrnehmungsfähig auszurichten. Druckempfindliche Bodenbeläge und Bewegungssensorik könnten die Sturzerkennung übernehmen”, so Klapproth. Langfristiges Ziel ist es, auch die Steuerung über Panels zu ersetzen. Dann wäre eine Interaktion mit dem Haus durch Gesten oder Spracherkennung möglich.

Aber wie mache ich mein Haus intelligent? „Die Umrüstung mit Vernetzungstechnik wie KNX lohnt sich wegen des Aufwands vor allem bei einer Grundsanierung”, erklärt Schmieder. Um auch bestehende Häuser nachzurüsten, forscht das iHomeLab in Luzern an weiteren Technologien: Der Funkstandard ZigBee soll künftig die Geräte per Funk vernetzen. So müssten keine Leitungen mehr gelegt werden.

Eine weitere Option wäre die 230-V-Netzleitung Powerline. Hier werden die bestehenden Stromleitungen zur Vernetzung genutzt. „Allerdings kann nur das miteinander verbunden werden, was sowieso an der Stromleitung hängt. Nicht also etwa Fenster”, sagt Klapproth. Eine weitere Hürde stellt die Kompatibilität der Geräte dar. Es ist nicht einfach möglich, jeden Fernseher oder Backofen mittels KNX oder ZigBee zu vernetzen. Zudem erfordert jede Neuanschaffung einen speziell ausgebildeten Techniker, der das Gerät in das System integriert.

Aber auch dem wird bereits entgegengewirkt. „Wir arbeiten an einer Lösung, bei der der Verbraucher selbst zum Systemintegrator wird”, sagt Prof. Sahin Albayrak vom Innovationszentrum „Connected Living” in Berlin. Die Technologie soll automatisch Geräte erkennen und sie in das System integrieren. „Das funktioniert so, wie wenn ich heutzutage per USB einen Drucker an meinen Computer anschließe.”

Viele Menschen fürchten dennoch, ein Haus mit eigenem Willen zu haben. Daher stellt sich die Frage: Wie „intelligent” kann ein Gebäude überhaupt sein? „Ein wirklich intelligentes Gebäude muss wissen, was welcher Bewohner macht und welche Bedürfnisse er hat”, sagt Klapproth.

Deshalb werden die intelligenten Systeme ständig weiterentwickelt. Sie sind aber bereits jetzt eine sinnvolle Investition, die sich gerade im Hinblick auf Energieeffizienz lohnt. Komfort wie passende Licht- und Musikszenarien oder je nach Benutzer voreingestellte Wassertemperaturen beim Duschen versüßen einem zusätzlich das Wohnen.

Das intelligente Haus auf der Messe IFA

Komfort und intelligentes Energiemanagement stehen im Zentrum einer Sonderschau auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) vom 3. bis 5. September. Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) zeigt mit dem E-Haus einen Prototypen des vernetzten Wohnens. Ein Beispiel sind Waschmaschinen im E-Haus, die sich automatisch einschalten, wenn der Stromversorger über sein intelligentes Netz den günstigsten Tarif signalisiert.

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