In der Kritik: Irreführende Werbung mit Neuwagen-Preisen

Von: Norbert Michulsky, ddp
Letzte Aktualisierung:
Autos / Schrott / Abwrackprämie
Viele Leute lassen ihr Auto jetzt verschrotten. Beim Erwerb eines Neuwagens führen vermeintliche Schnäppchenpreise den Kunden dann aber in die Irre. Das kritisiert Verbraucherschützer. Foto: Archib

Düsseldorf. Wirtschaftskrise und Abwrackprämie - die Kombination scheint Autobauer und -händler auf fragwürdige Ideen zu bringen. In Zeitungsanzeigen und auf Internet­seiten erscheinen Neuwagen plötzlich so billig, dass man sich die Augen reibt. Dabei besitzt der vermeintliche Schnäppchenpreis eine fragwürdige Grundlage.

Die sogenannte Abwrackprämie in Höhe von 2500 Euro wurde kurzerhand schon vom Listenpreis abgezogen. Für diese Art des Kundenfangs hat die Verbraucher­zentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf eine unmissverständliche Bewertung: „Irreführung.” Die Folge: Bislang zehn Firmen wurden abgemahnt.

Fiat beispielsweise (Motto: „Weniger ist genial”) stellt seinen „Panda” im Netz für ködernde 4990 Euro aus, monieren die Düsseldorfer Verbraucherschützer. Zu diesem Schnäppchenpreis freilich werde das moto­risierte Bärchen aus Turin in Germania nur laufen, wenn der Käufer tatsächlich die Umweltprämie einstreiche. Das gelte ebenso für Fahrzeuge von Kia.

In der Internet-Präsentation suggeriere die Firma, ihr „Picanto” koste lediglich 5590 Euro und Bruder „Rio” lasse sich für schlanke 6890 Euro erwer­ben. Dass es dazu des staatlichen Schmankerls bedarf, erfährt der Kunde bei anderen Herstellern und Händlern ebenfalls nur am Rande, versteckt im Klein­gedruckten.

Und auch da fehlt für den Juristen Thomas Bradler von der Verbraucher­zent­rale NRW oft der eindeutige Hinweis, „dass die Prämie an mehrere Bedin­gun­gen geknüpft und vor allem keineswegs garantiert ist”. Im Fördertopf stecken 1,5 Milliarden Euro, und bislang wurden von den maximal möglichen 600.000 Anträgen rund 168.000 (Stand: 4. März) gestellt. Doch wenn der gigantische Batzen einmal vergeben ist, werden alle, die dann noch anstehen, leer ausgehen. Den aktuellen Stand der eingegangenen Anträge veröffentlicht das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) täglich auf seiner Website (http://www.bafa.de).

Ganz wichtig: Die staatliche Subvention kann erst nach Erhalt und Zulassung des neuen Fahrzeugs beantragt werden. Bei langen Lieferzeiten oder Verzögerungen droht daher möglicherweise statt des Jubels „Weniger ist genial” die Ernüchterung „Weniger ist fatal” - insbeson­dere denen, die ihr neues Gefährt auf Kredit finanzieren, warnen die Verbraucherschützer.

Genau mit diesen Hinweisen und mit Informationen zu den Voraussetzungen des Zuschusses geizen offenbar Autohersteller wie -händler bei den groß heraus­gestellten und auf klein heruntergerechneten Preisen. Zudem fehlt Verbraucherschützer Bradler wegen der missverständlichen Angaben die für einen Preisvergleich erforderliche Transparenz. Durch die bereits abgezogene Prä­mie entstehe leicht der Eindruck, diese Fahrzeuge seien wesentlich günstiger zu haben als die von Konkurrenten, die ihre Neuwagen korrekt anpreisen - nämlich mit dem gesetzlich geforderten Endpreis ohne Berücksichtigung von Nachlässen.

So gesellen sich zur Irreführung obendrein Verstöße gegen das Gebot von Preiswahrheit und -klarheit. Bradler hat deshalb begonnen, Firmen mit schöngerechneten Preisen abzumahnen. Auf seiner Liste stehen Citroen, die Renault Retail Group sowie Händler von BMW, Ford und Skoda. Für Kunden, denen Autohäuser die Abwrackprämie zusichern, hat der Jurist die Empfeh­lung, „sich die Garantie unbedingt schriftlich bestätigen zu lassen”.

Egal ob einwandfreie oder irreführende Werbung: Trotz des Geklingels um die Abwrackprämie rät die Verbraucherzentrale NRW, vor dem Kauf eines Autos seine Finanzen genau zu checken und sich auch von niedrigen Leasingraten nicht blenden zu lassen. Dahinter nämlich verbirgt sich oft eine hohe Schluss­rate, die die Haushaltskasse später extrem belasten kann. Auch ist es emp­fehlens­wert, beim zukünftigen Autokauf auf die Umweltfreundlichkeit zu achten.

Denn bei einer Neufassung der Kfz-Steuer soll nach dem CO2-Ausstoß eines Fahr­zeugs abgerechnet werden. Zudem sollte sich niemand abhalten lassen, beim Kauf eines neuen Autos einen satten Nachlass auszuhandeln. Denn die Prä­mie schenkt allein der Staat; der Autohändler selbst gewährt damit noch keinen Cent des zumeist erheblichen Rabatts auf seine Kosten.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert