Immer flüssig: Wein als Geldanlage

Von: Sebastian Knoppik, dpa
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Verstaubte Schätzchen: Wer in Wein investieren will, sollte mindestens 10.000 Euro einsetzen. Foto: dpa

Burg Layen/Ingelheim. Schon fast sprichwörtlich ist die Rendite edler Tropfen aus Bordeaux oder der Champagne. Doch taugen Wein und Champagner tatsächlich als Geldanlage?

Nur wer ohnehin ein echter Weinkenner ist, sollte diese exotische Anlageform ins Auge fassen. Experten empfehlen zudem, nur einen geringen Teil des Kapitals in flüssige Anlagen zu investieren. Mindestens 10.000 Euro sollten zudem als Startkapital für das Keller-Depot zur Verfügung stehen.

Auf gut Glück Weine als Geldanlage auszuprobieren sei nicht sinnvoll, erklärt Armin Diel. Er betreibt das Schlossgut Diel in der Gemeinde Burg Layen (Rheinland-Pfalz) und ist ein renommierter deutscher Weinkritiker. „Wein als reine Kapitalanlage muss ähnlich frustrierend sein wie wenn man sich teure Bilder an die Wand hängt, die einem überhaupt nicht gefallen”, sagt das Präsidiumsmitglied des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP).

„Man sollte eine strenge Grenze ziehen zwischen Weinen, die man anlegt, und solchen, die man trinken möchte”, ergänzt Michael Brückner. Der Autor aus dem rheinland-pfälzischen Rotweinort Ingelheim hat ein Buch zum Thema geschrieben. Neben dem Fachwissen und einem gewissen Faible für edle Tropfen müssen Anleger auch das nötige Kleingeld mitbringen.

Brückner rät, mindestens 10.000 bis 15.000 Euro als Startkapital in die Wein-Anlage zu stecken: „Dafür bekommen Sie schon zwölf gute Weine.” Zudem sollten höchstens zehn Prozent des angelegten Kapitals in Wein oder Champagner stecken.

Wer das nötige Kapital und ausreichend Wein-Wissen hat, dem stehen grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten des Investments offen. Neben der direkten Anlage in Wein besteht auch die Möglichkeit, in geschlossene oder offene Weinfonds zu investieren. Viele dieser Weinfonds wurden in der Vergangenheit allerdings vorzeitig geschlossen. Auch spezielle Zertifikate, die Wein- und Spirituosen-Aktien enthalten, wurden bereits aufgelegt.

Nach Angaben von Michael Spreckelmeyer, Weinhändler aus Düsseldorf, sind solche Produkte eine Alternative für Kleinanleger, die sich eine direkte Anlage in Wein nicht leisten können. Er rät allerdings von Fonds ab, die eine bestimmte Zahl von Weinen kaufen und das Portfolio während der Laufzeit des Fonds nicht umschichten: „Ich würde in einen Fonds investieren, der aktiv mit Weinen handelt.”

Brückner rät von indirekten Wein-Anlagen eher ab: „Ich empfehle grundsätzlich, direkt in den Wein zu investieren.” Und das liegt nicht nur daran, dass Wein-Fonds in der Vergangenheit vorzeitig geschlossen wurden oder Zertifikate grundsätzlich ein höheres Risiko bergen. „Es kommt ja noch der Spaß-Faktor dazu”, sagt Brückner. „Das Weinetikett ist einfach schöner als der Depot-Auszug.”

Bei der direkten Anlage in Wein können sich Investoren an den Bewertungen des US-amerikanischen Weinkritikers Robert Parker orientieren. „Parker bevorzugt sehr alkoholreiche und fette Weine und ist daher nicht unumstritten”, schränkt Diel zwar ein. Allgemein anerkannt ist aber der Einfluss dieses „Weinpapstes” auf die Preise: „Parker ist der renommierteste Weinkritiker der Welt. Die Weine, die er hoch bewertet, kann man später mit hohen Wertsteigerungen verkaufen”, erklärt Spreckelmeyer.

Besonders groß sei der Einfluss Parkers auf französische Weine. Bei deutschen Weinen hingegen seien die Bewertungen des Gault-Millau Weinguide wichtiger. Zudem könne man sich bei deutschen Tropfen an der Qualitätsbezeichnung „Große Gewächse” des VDP orientieren. „Voraussetzung dafür ist neben der VDP-Mitgliedschaft unter anderem, dass der Wein in einer sogenannten ersten Lage angebaut wurde und zu 100 Prozent per Handlese geerntet wurde.”

Die Wertsteigerungen bei Wein-Raritäten sind zum Teil beträchtlich. Nach Angaben von Brückner kostete der 2000er Mouton-Rothschild Premier Cru Classé bei Kauf vor der Abfüllung 150 Euro. Im Jahr 2008 brachte eine Flasche bei einer Auktion bereits 500 Euro ein. Solche extremen Wertsteigerungen sind zwar die Ausnahme.

Aber auch der Gesamtmarkt wächst stark. Der Liv-Ex, so etwas wie der DAX der Weinbranche, startete im Jahr 1994 mit 100 Punkten und verdoppelte seinen Wert schnell auf mehr als 200 im April 2007.

Allerdings hat die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise auch den Weinmarkt nicht unberührt gelassen. Der Liv-Ex ging seit Herbst 2008 um etwa 20 Prozent zurück. Nach Meinung von Weinhändler Spreckelmeyer ist daher derzeit der Zeitpunkt zum Einstieg besonders günstig: „Ich bin relativ sicher, dass die alten Preise schnell wieder erreicht sind, sobald wir aus der Krise heraus sind.”

Wie bei anderen Anlageformen muss sich aber auch der Wein-Investor darauf einstellen, dass seine Strategie nicht aufgeht und die Werte nicht steigen oder sogar sinken. „Trotzdem sind Weine eine Sachanlage, die einfach nicht zu schlagen ist.” Spreckelmeyer rät daher dazu, die Weine einfach zu liquidieren, wenn sie nicht die erwartete Rendite bringen: „Man hat immer noch die Möglichkeit, den Wein zu trinken.”

Literatur: Michael Brückner: Champagner, Wein & Co. Flüssige Werte als Kapitalanlage, München, ISBN 978-3-89879-457-2, 34,90 Euro.
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