Höhe der Dividende zählt nicht allein

Von: Sebastian Knoppik, dpa
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Wenig muss nicht schlecht sein: Höhe der Dividende zählt nicht al
Einmal im Jahr ist für Aktionäre Gewinnausschüttung - pro Aktie gibt es im Idealfall eine ordentliche Dividende. Foto: dpa

Düsseldorf/München. Auf den anstehenden Hauptversammlungen steht auch die Höhe der Dividende zur Abstimmung. Im besten Fall ist die jährliche Gewinnausschüttung ein Sahnehäubchen für Aktionäre. Wenn es keine gibt, sind viele private Anleger enttäuscht.

Dabei ist die Auszahlung einer möglichst hohen Dividende auf lange Sicht nicht der beste Weg. Für die künftige Entwicklung des Aktienkurses ist es vielmehr sinnvoll, dass zumindest ein Teil des Gewinns investiert oder in Rücklagen gesteckt wird.

Im laufenden Jahr müssen sich die Anleger in Deutschland auf eine geringere Ausschüttung einstellen. Laut einer Analyse der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Stuttgart werden die 30 im Deutschen Aktien Index (DAX) notierten Unternehmen insgesamt voraussichtlich 20,07 Milliarden Euro ausschütten - und damit rund zwei Milliarden weniger als im Vorjahr. Marco Cabras, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf, hat dafür durchaus Verständnis: „Die Dividende muss verdient worden sein.”

Angesichts der geringeren Gewinne im Zuge der Wirtschaftskrise sind auch die Dividenden geringer. Denn die Dividende wird aus dem Gewinn des Unternehmens gezahlt. Wenn die Firma im abgelaufenen Geschäftsjahr rote Zahlen geschrieben oder nur einen geringen Gewinn eingefahren hat, kann nichts ausgezahlt werden. Lufthansa und Daimler etwa werden in diesem Jahr gar nichts ausschütten - beide Konzerne verbuchten 2009 einen Verlust.

Die Allianz dagegen plant eine um 17 Prozent höhere Dividende. Die Deutsche Bank will sogar 50 Prozent mehr zahlen. Insgesamt zahlen die DAX-Konzerne in diesem Jahr laut der LBBW-Prognose immerhin 77 Prozent ihres Netto-Gewinns aus. Die Rendite der Dividende liegt demnach im Schnitt bei 3,3 Prozent. Allein die Dividendenrendite der DAX-Aktien ist also höher als die derzeitigen Zinsen von Tagesgeldkonten.

Unternehmen sollten nach Expertenmeinung zumindest einen Teil des Überschusses für schlechte Zeiten zurückgelegen und in neue Maschinen oder Produktionshallen investieren. Grundsätzlich sprechen sich Aktionärsvereinigungen wie die DSW daher nicht für die maximal mögliche Dividende aus: „Wichtig ist, dass die Dividende atmen muss mit dem Unternehmen”, sagt DSW-Sprecher Cabras. Wie groß der Anteil des Gewinns ist, der ausgeschüttet wird, hängt also von der aktuellen Situation der Firma ab.

Die DSW empfiehlt eine Dividendenquote von 50 Prozent. Es mache sich für die Anleger auf lange Sicht bezahlt, wenn auch in guten Jahren nur eine moderate Dividende gezahlt wird, sagt Cabras: „Das hat ThyssenKrupp in den vergangen Jahren gemacht.” Dem Stahlkonzern ist es daher in diesem Jahr möglich, trotz eines Verlustes im vergangen Jahr eine Dividende zu zahlen.

Auch die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) in München plädiert für Dividenden in vernünftiger Höhe. Verbandssprecher Lars Labryga kritisiert Unternehmen wie die Deutsche Telekom. Der Konzern hat angekündigt, in diesem Jahr eine Dividende in unveränderter Höhe auszuschütten, obwohl der Gewinn im vergangenen Jahr eingebrochen ist. „Insofern passiert es auch mal, dass wir für eine niedrigere Dividende als vom Vorstand vorgeschlagen stimmen.”

Die Dividende ist nach Expertenmeinung ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines geeigneten Aktien-Titels. Das gelte zwar nicht für risikoorientierte Anleger, die ganz auf jüngere Wachstumswerte setzen, erklärt Labryga: „Ein solcher Anleger ist geradezu enttäuscht, wenn eine Dividende ausgeschüttet wird.” Diese Investoren möchten, dass Gewinn in das Unternehmen investiert wird und so für ein schnelles Wachstum und einen rasanten Kursanstieg sorgt.

Gerade für den Privatanleger, der kein großes Risiko möchte, sei eine Dividende aber ein gutes Zeichen, sagt Labryga. „Wer in der Vergangenheit Dividenden ausgeschüttet hat, zeigt damit, dass das Geschäftsmodell erfolgreich war”, sagt auch Gerrit Fey, Volkswirt beim Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt/Main. Das gelte allerdings nur rückwirkend und sage nichts darüber aus, wie die Entwicklung in der Zukunft aussieht.

„Die Dividende ist gerade für Privatanleger ein großer Risikopuffer”, erklärt Cabras. So sorgt sie für eine Rendite, selbst wenn der Aktienkurs auf der Stelle tritt. Die Auszahlung der Dividende sei daher eines der wichtigsten Auswahlkriterien bei der Entscheidung für einen bestimmten Aktientitel. Dabei ist vor allem wichtig, dass die Ausschüttung regelmäßig erfolgt, wie Cabras erklärt: „Dividendenkontinuität ist eigentlich noch wichtiger als die Höhe der Dividende.”

So kommt es zur Höhe der Dividende

In den kommenden Wochen steht der Großteil der Hauptversammlungen der börsennotierten Unternehmen an. Hier werden die Dividendenhöhen beschlossen. Der Vorstand macht zuvor einen Vorschlag. Informationen rund um die Dividende und ihre Ausschüttung finden Anleger unter http://dpaq.de/HintergrundDividende.

Dividenden sind zu versteuern

In der Regel bekommen Anleger die Dividende nicht in voller Höhe ausbezahlt. Wie Zinsen und andere Vermögenserträge muss sie versteuert werden, sagt Gerrit Fey vom Deutschen Aktieninstitut in Frankfurt. „Von der Dividende zieht die Bank automatisch 25 Prozent Abgeltungsteuer plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer ab, wenn der Freistellungsauftrag des Anlegers ausgeschöpft ist.” Nur die „Netto-Dividende” - also die nach Abzügen - werde dem Aktionär gutgeschrieben.

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