Hier verdienen Vermieter am meisten

Von: Manfred Fischer
Letzte Aktualisierung:
Mietwohnung
Nicht genutzter Wohnraum kann untervermietet werden. Foto: Axel Heimken

Aachen. Immer mehr Bürger vermieten Eigentum, das sie nur sporadisch nutzen. Ein Anlage-Rendite-Index zeigt, wo sich das besonders lohnt. Sharing Economy, die Ökonomie des Teilens boomt. Immer zahlreicher werden digitale Plattformen, über die Verbraucher anderen Wohnraum, Autos oder Alltagsgegenstände für einen bestimmten Zeitraum überlassen.

Nach einer Umfrage der Commerz Finanz GmbH bewerten sieben von zehn Europäern diese Form des Wirtschaftens positiv.

Manche sehen darin einen Schritt hin zu einer besseren, solidarischeren Gesellschaft. Der Soziologe Jeremy Rifkin prophezeit gar einen Sieg über das etablierte Wirtschaftssystem. Andere Wissenschaftler halten die Sharing Economy nur für eine neue Spielart des Kapitalismus. Die Historikerin Luise Tremel urteilt: Was Airbnb betreibe, sei kein Teilen, sondern "darüber kapitalisieren lediglich Leute ihre Wohnungen in guten Stadteilen".

Diese Leute liegen mit ihrer Geldanlage nicht so falsch. Eine aktuelle Marktuntersuchung zeigt, welche Anlagerenditen sich in Städten durch Privatvermietung erzielen lassen. Die Untersuchung, die die Reisemobil-Vermietungsplattform "Share a Camper" erstellt hat, vergleicht 31 Städte danach, wie lange es dauert, bis sich eine Geldanlage auszahlt. Betrachtet wurden die Kauf- und Mietpreise von Eigenheimen, Autos, Booten und Wohnmobile. Die Ergebnisse sind in einen "Anlage-Rendite-Index" eingeflossen.

Hohe Ertragsraten mit Eigenheimen

Glaubt man den Ergebnissen, amortisieren sich Immobilien mittels Sharing Economy schnell - vorausgesetzt, sie stehen in der richtigen Stadt und die Mietauslastung stimmt. In Berlin etwa wirft demnach ein Eigenheim bei einer Auslastung von 80 Prozent 9,14 Prozent Rendite im Jahr ab. Nach elf Jahren sind die Investitionskosten hereingeholt. Zum Vergleich: In Köln beträgt die Ertragsrate 4,77 Prozent, bis zur Amortisation dauert es 21 Jahre.

Im internationalen Städtevergleich reicht die jährliche Ertragsrate bei Eigenheimen von 3,91 Prozent (Bosten, USA) bis 13,48 Prozent (Frankfurt). Auf Platz zwei hinter der hessischen Großstadt rangiert Hamburg mit 11,26 Prozent.

Angesichts der aktuellen Zinsen für Baudarlehen erscheinen solche Werte geradezu als Traumrenditen. Baufinanziererer wie zum Beispiel die Allianz, 1822 Direkt, Hypovereinsbank oder ING-Diba bieten Darlehen für deutlich unter zwei Prozent effektivem Jahreszins.

So vielversprechend die Renditewerte sind, fraglich ist, ob die Mietauslastung in der Praxis überall immer so hoch ist, wie in den Berechnungen zugrundegelegt.

Mein Haus, mein Boot, meine Rendite

Renditestarke Mietobjekte sind der Untersuchung zufolge auch Autos, Boote und Wohnmobile. Wer in San Francisco oder Miami in ein Boot investiert und eine Mietauslastung von 40 Prozent erreicht, kommt auf eine Ertragsrate von mehr als zehn Prozent. In Melbourne sind es fast 20 Prozent.

Boom-Märkte für Sharing-Economy

Eigenheime, Autos, Boote und Wohnmobile zusammengerechnet, ist Barcelona der heißeste Markt für Investoren. Dahinter folgen Wellington und Melbourne. Auf Platz acht landet als erste deutsche Stadt Hamburg.

Der durchschnittliche Marktpreis für ein Einfamilienhaus liegt in der Hansestadt bei 569.840 Euro, die temporäre Vermietung über Online-Plattformen bringt monatlich rund 6.685 Euro ein, nach neun Jahren hat der Investor das Geld für die Immobilie hereingeholt. Das Geld für ein Wohnmobil erwirtschaftet er nach 37 Monaten, bei einem Auto dauert es neun Monate, bei einem Boot 18.

 

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