Haltefrist bei offenen Immobilienfonds umgehen

Von: Max Geißler
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Aachen. Neue Sicherheitsschranken machen offene Immobilienfonds für Anleger wieder interessant. Die zweijährige Mindesthaltefrist gilt nicht beim Börsenhandel.

Immobilienfonds sind als wertstabile Anlage wieder geschätzt. Etwa 88 Milliarden Euro haben die Deutschen in offenen Immobilienfonds angelegt. Davon kamen allein fünf Milliarden Euro im vergangenen Jahr neu hinzu. "Doch während Anleger Anteile von Aktienfonds, Renten- und Mischfonds grundsätzlich jederzeit zum aktuellen Anteilswert zurückgeben können, müssen sie bei offenen Immobilienfonds Halte- und Kündigungsfristen beachten", erklärt Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken. So gelte für Neuanleger eine zweijährige Mindesthaltefrist. Zudem sei eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten einzuhalten.

Fristen machen Sinn

Die Verkaufsbarrieren hatte der Gesetzgeber nach der Finanzkrise 2008 eingeführt, als reihenweise offene Immobilienfonds ins Trudeln gerieten, weil Anleger schlagartig ihre Anteile verkaufen und ihr angelegtes Geld zurückhaben wollten. Da sich Immobilien aber nicht über Nacht und schon gar nicht zu einem angemessenen Preis verkaufen lassen, mussten zahlreiche Immobilienfonds aus Geldmangel schließen.

Viele Fonds haben sich nie wieder erholt und wurden aufgelöst - mit teils herben Verlusten für die Anleger. Heute können neu gekaufte Anteile an offenen Immobilienfonds nur noch zeitversetzt zurückgegeben werden - das verschafft den Fondsgesellschaften einen zeitlichen Puffer und Kalkulationssicherheit.

Tipp: Haltefrist und Kündigungsfrist müssen nicht nacheinander ablaufen, sondern können parallel laufen. Im Klartext: Bereits während der zweijährigen Mindesthaltefrist können Sie die einjährige Kündigungsfrist starten, und zwar frühestens zwölf Monate nach Anteilskauf. Dann sind Ihre Fondsanteile nach zwei Jahren zum Verkauf frei.

Mit Börsenhandel Frist umgehen

Für Ungeduldige gibt es aber eine Hintertür. Sie können Anteile offener Immobilienfonds jederzeit, ohne Einhaltung von Fristen, über die Börse verkaufen. Das gilt auch dann, wenn die Anteile über die Fondsgesellschaft erworben wurden. "Die Mindesthaltefrist und die Kündigungsfrist gelten nur für Rückgaben an die Fondsgesellschaft", bestätigt Topar.

Ohne Risiko ist die Sache allerdings nicht. Denn beim Börsenhandel richtet sich der Preis, zu dem Fondsanteile gehandelt werden, nach Angebot und Nachfrage. Kommen gleichzeitig viele Verkäufer an die Börse, gerät der Anteilspreis unter Druck. Die Folge können Mindererlöse oder sogar Verluste sein. Hier gilt es aufzupassen und gegebenenfalls Verkaufslimits zu setzen.

Kursvorteil durch Börsenkauf

Andersherum kann der Börsenkauf Kursvorteile bescheren. Das gilt vor allem dann, wenn sich viele Verkäufer am Markt tummeln und den Preis drücken.

Beispiel: Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Textes kostete ein Anteil des offenen Immobilienfonds "Hausinvest" über die Fondsgesellschaft 41,51 Euro. An der Börse Frankfurt war ein Anteil zum gleichen Zeitpunkt zu 41,35 Euro zu haben. Der Kauf von 200 Anteilen hätte demnach einen Kostenvorteil von 32 Euro beschert. Auch die fälligen Transaktionskosten sind beim Börsenkauf über Direktbanken wie Consorsbank, DKB oder ING-Diba günstiger als der Ausgabeaufschlag von fünf Prozent, der bei der Fondsgesellschaft anfällt.

Warum sind nicht alle Immobilienfonds verfügbar?

Offene Immobilienfonds sind beliebt, weil sie die Möglichkeit bieten, bereits mit kleinen Geldbeträgen breit gestreut in eine Vielzahl von Immobilien zu investieren. Allerdings nehmen einige Fondsgesellschaften derzeit keine neuen Anlagegelder an. Der Grund: Es gibt nicht genügend attraktive Immobilien zu angemessenen Preisen zu kaufen.

Sorgen um den Wert ihrer Fondsanteile müssen sich Anleger deshalb nicht machen. "Die Einstellung der Anteilsausgabe schützt die bisherigen Anteilsbesitzer. Denn ansonsten würde es ihre Rendite vermindern, wenn neues Geld nicht gewinnbringend genug in neue Immobilien investiert werden kann", so Topar.

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