Gehaltsvorauszahlung versichern

Von: Horst Peter Wickel
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Die Familienpflegezeit ermöglicht es Arbeitnehmern, die Arbeitszeit zu reduzieren, um Angehörige zu pflegen. Für Gehaltsvorauszahlungen fordern Arbeitgeber Versicherungsschutz.

Nach dem Gesetz zur Familienpflegezeit können Beschäftigte, im Einvernehmen mit ihrem Arbeitgeber, ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren. Das Bruttogehalt wird in einem ersten Schritt entsprechend der reduzierten Arbeitsstunden gekürzt. Der Arbeitgeber stockt das Gehalt um die Hälfte der Kürzung auf. Wer also seine Arbeitszeit beispielsweise um 50 Prozent reduziert, erhält 75 Prozent seines Gehalts. Der Arbeitgeber tritt mit dem Aufstockungsbetrag in Vorleistung.

Zum Ausgleich müssen die Beschäftigten nach Ablauf der Familienpflegezeit wieder in Vollzeit arbeiten, bekommen aber so lange das reduzierte Gehalt, bis der Gehaltsvorschuss ausgeglichen worden ist. Den Gehaltszuschuss in der Pflegephase können die Unternehmen über ein zinsloses Darlehen beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) finanzieren. Das Geld stellt die staatliche Förderbank KfW zur Verfügung. Den nach der Pflegephase einbehaltenen Lohn zahlt der Arbeitgeber dann an das Bundesamt zurück. Um Arbeitgeber, die während der Familienpflegezeit in finanzielle Vorleistung treten, abzusichern, gibt es eine Familienpflegezeitversicherung. Sie deckt das mögliche Ausfallrisiko der Rückzahlungen ab, das durch Berufsunfähigkeit oder Tod der/des Beschäftigten eintreten kann. Die Versicherung wird für die Dauer von Pflege- und Nachpflegephase abgeschlossen.

Drei Wege zur Versicherung

Eine solche Familienpflegezeitversicherung kann durch die Beschäftigte bzw. den Beschäftigten selbst oder durch den Arbeitgeber beantragt werden. Dabei gibt es drei mögliche Wege: Die Beschäftigte bzw. der Beschäftigte schließt bei einer selbst gewählten Versicherung einen individuellen Versicherungsvertrag ab, der Arbeitgeber schließt eine individuelle Versicherung ab oder der Versicherungsschutz wird durch die Aufnahme in eine vom Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) abgeschlossene Gruppenversicherung hergestellt.

Bei diesem Gruppenversicherungsvertrag beträgt der Monatsbeitrag während der Pflegezeit 1,99 Prozent des jeweiligen monatlichen Darlehensbetrages (Aufstockungsbetrag plus Arbeitgeberanteil an der Sozialversicherung). Während der Nachpflegephase beläuft sich der Monatsbeitrag auf 1,99 Prozent des jeweiligen monatlichen Rückzahlungsbetrages. Als Versicherungspartner für diesen Gruppenvertrag steht die Cardif Lebensversicherung (Stuttgart, Telefon 0711/820550) zur Verfügung (das Unternehmen gehört zum Konzern der französischen BNP Paribas). Amtlich zertifiziert für Familienpflegezeitversicherungen wurden bisher darüber hinaus der US-amerikanische Versicherer Genworth Financial (Neu-Isenburg, Telefon 06102/29180) sowie Ries Spezialmakler GmbH (Bensheim, Telefon 06251/9400200).

Beruf und Pflege besser vereinbaren

Von der Familienpflegezeit sollen Beschäftigte und Arbeitgeber gleichermaßen profitieren: Beschäftigte sind bei verbindlichen Rahmenbedingungen, insbesondere im Hinblick auf mögliche Rentenansprüche, finanziell abgesichert. Sie können den Kontakt zum Unternehmen aufrechterhalten und nicht zuletzt Pflege und Beruf besser vereinbaren. Arbeitgebern bleiben ohne finanziellen Mehraufwand qualifizierte Beschäftigte erhalten. Mithin sind sie hinsichtlich ihrer Personalplanung abgesichert.

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