Fan-Anleihe: Mit der Bundesliga Geld verdienen?

Von: Thomas Brummer
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Risiko-Papier Anleihe
Generell sind Anleihen von Fußballclubs mit Vorsicht zu genießen. Die hohen Zinsen von fünf oder sechs Prozent spiegeln das Risiko nicht einmal komplett wider. Foto: dpa

Aachen. Henning Vöpel, Professor für Volkswirtschaftslehre und Autor von "Brasilien und die Fußball-WM 2014", im Gespräch über die Fan-Anleihe.

Biallo.de: Herr Vöpel, im Fußball lässt sich viel Geld verdienen. Aber auch Fans können mit Mittelstandsanleihen daran teilhaben. Haben deutsche Anleger jemals Geld mit Anleihen von Fußballclubs in den Sand gesetzt?

Vöpel: Ein solcher Fall ist mir nicht bekannt. Generell sind Anleihen von Fußballclubs mit Vorsicht zu genießen. Die hohen Zinsen von fünf oder sechs Prozent spiegeln das Risiko nicht einmal komplett wider. Bei der Bank müssten die zumeist verschuldeten Vereine weitaus höhere Zinsen bezahlen, sofern ihnen überhaupt ein Kredit zugestanden wird. Bei Fan-Anleihen verzichten die Anleger auf Rendite, für die Vereine sind sie damit ein willkommenes Finanzierungsinstrument.

Macht es für Sie einen Unterschied, wofür ein Verein dieses Kapital verwendet?

Vöpel: Das macht in jedem Fall einen Unterschied. Steine statt Beine, lautet hier die Empfehlung. Eine Investition in die Infrastruktur ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht mit geringeren Risiken behaftet. Solche Ausgaben sind in aller Regel nachhaltige Investitionen in die Zukunft. Wird das Kapital in Beine, sprich in Spieler, gesteckt, ist das mit deutlich größeren Risiken behaftet. Jeder Fußballfan kennt sie, die teuren Transfers, die sich hinterher als große Missverständnisse herausstellten. Die Entwicklung eines Fußballvereins ist weit mehr vom Zufall beeinflusst als dies bei normalen Firmen der Fall ist.

Blickt man ins Ausland, so scheint kaum ein Verein nach den strikten Regeln der Wirtschaftlichkeit zu handeln. Täuscht der Eindruck, dass dies auch in Deutschland gängige Praxis ist?

Vöpel: In der Tat, Vereine sind in den wenigsten Fällen gewinnorientiert. Die Nutznießer davon sind die Spieler. Diese schöpfen im Wesentlichen die Gewinne ab, die im Profifußball zu machen sind. Gerade Vereine, die sich mit Anleihen einen Zinsklotz ans Bein binden, schränken damit den zukünftigen finanziellen Spielraum ein.

Aber ist es nicht ein Unterschied, ob ich mein Geld Schalke 04 leihe, die seit Jahren eine Top-Mannschaft in der Bundesliga sind und regelmäßig Einnahmen aus der Champions League generieren oder ob ich es dem FC Sankt Pauli leihe, der eine ähnliche Rendite verspricht und seit längerem in der 2. Bundesliga verharrt?

Vöpel: Sicherlich ist hier sportlich ein großer Unterschied. Aus Anlegersicht würde ich da aber keine Unterschiede machen. Schalke 04 hat dafür höhere Risiken. Der Club hantiert mit wesentlich höheren Summen und ist damit größeren Risiken ausgesetzt. Aufgrund des teuren Kaders wären längere sportliche Durststrecken fatal. Auch beim Hamburger SV zeigt sich die Problematik. Der Club versprach, das Geld in die Nachwuchsarbeit zu stecken. Stattdessen floss das Kapital in die aktuelle Profimannschaft, die vor einem Jahr fast aus der Bundesliga abgestiegen wäre.

Die Anleger haben bisher zumeist ihre üppigen Zinszahlungen pünktlich erhalten. Dennoch scheinen diese Fan-Anleihen mit Vorsicht zu genießen zu sein. Sind diese Anleihen dann überhaupt für normale Anleger interessant?

Vöpel: Konventionellen Anleger würde ich nicht unbedingt zum Kauf raten. Vielmehr sind jene Anleihen was für Fans dieser Clubs. Fußballanleihen sind eher Papiere, die die heimischen Wohnzimmerwände zieren, häufig bieten Vereine dafür eigens Schmuckurkunden an. Aber ich will das gar nicht negativ bewerten. Fans erhalten eben dafür eine emotionale Rendite, fühlen sich damit als Teil des Vereins und leisten auch ihren Anteil am Fortbestehen des Clubs. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber wie gesagt: Wer beim Thema Fußball emotionslos ist, braucht diese Anleihen nicht.

Herr Vöpel, vielen Dank für das Gespräch.

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