Fallstricke beim Gemeinschaftskonto

Von: Max Geißler
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Zusammenwohnende Paare leben leichter mit einer gemeinsamen Kasse, um ihre Haushalts- und Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Symbolbild: dpa

Aachen. Mein Geld, dein Geld oder doch gemeinsame Kasse? Gerade junge Paare stellen sich die Frage: ein gemeinsames Girokonto oder nicht? Einiges spricht für die Gemeinschaftskasse.

Zusammenwohnende Paare leben leichter mit einer gemeinsamen Kasse, um ihre Haushalts- und Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Fünf von sechs Paaren sehen das so und nutzen ein Gemeinschaftskonto. Alles komplett in einen Topf werfen wollen aber die wenigsten.

Laut einer Forsa-Umfrage besitzt ein Drittel der Eheleute sowohl ein gemeinsames als auch ein eigenes Girokonto. Bei den Jüngeren unter 35 Jahren hat sogar fast jeder Zweite gemeinsame und eigene Konten. Um ein Gemeinschaftskonto zu führen, muss man nicht verheiratet sein. Ein solches Girokonto kann auch von eingetragenen Partnerschaften sowie Personengruppen geführt werden. Allerdings sollten Paare bzw. Personengruppen eine wichtige rechtliche Unterscheidung beachten: Das Gemeinschaftskonto gibt es als Und-Konto und als Oder-Konto.

Und-Konto und Oder-Konto - der Unterschied

Bei einem Und-Konto können Transaktionen und andere Bankgeschäfte nur in gegenseitigem Einvernehmen durchgeführt werden. Möchten Sie eine Überweisung tätigen, muss jeder Verfügungsberechtigte zustimmen. Nicht so bei einem Oder-Konto. Hier kann jeder Kontoinhaber eigenständig agieren und Finanztransaktionen durchführen oder Daueraufträge einrichten. Einzig die Auflösung des Girokontos und die Erteilung von Kontovollmachten an Dritte bedarf der Zustimmung aller Partner.

Die Haftung

Oder-Konten sind einfacher zu handhaben als Und-Konten und daher die häufigste Form von Gemeinschaftskonten. Allerdings lauern auch hier Tücken. Eine ist die gemeinsame Schuldenhaftung. Wird das Girokonto von einem oder mehreren Partnern bis zum Anschlag ausgereizt, müssen auch die anderen Partner für die Miesen gerade stehen. Der Gläubiger kann zum Beispiel das Konto pfänden lassen. Dazu genügt ein Pfändungsbeschluss gegen einen Kontoinhaber, und das gesamte Guthaben wird eingezogen.

Anders bei einem Und-Konto

Bei einem Pfändungsbeschluss gegen ein Und-Konto darf der betreffende Kontoinhaber nicht mehr an das Girokonto heran. Da aber alle Transaktionen, auch Geldabheben, nur gemeinschaftlich erfolgen dürfen, ist faktisch kein Zugriff mehr auf das Konto möglich. Die nicht betroffenen Kontoinhaber müssen in diesem Fall den Nachweis einer Bruchteilsgemeinschaft führen. Gelingt dies, wird nicht automatisch das gesamte Vermögen gepfändet, sondern nur der Teil, gegen den ein Pfändungsbeschluss vorliegt.

Tipp:

Bevor Sie sich für ein gemeinsames Girokonto entscheiden, sollten Sie sich alle potentiellen Kontoinhaber genau anschauen. Zudem empfiehlt es sich, ein preiswertes Girokonto zu wählen, um Kosten zu sparen.

Das Finanzamt

Vorsicht ist geboten, wenn ein Partner einen großen Geldbetrag erhält und auf das Girokonto einzahlt. Beim Oder-Konto geht der Fiskus davon aus, dass über eine Einzahlung zum Beispiel aus einer Lebensversicherung oder einem Erbe alle Kontoinhaber zu gleichen Teilen verfügen dürfen. Damit besitzen auch diejenigen, die nichts eingezahlt haben, plötzlich ein Vermögen. Sind die Beträge hoch, kann Schenkungssteuer anfallen.

Bei Verheirateten und eingetragenen Lebenspartnerschaften dürfte das Finanzamt selten Glück haben, denn Ehepartner genießen untereinander einen Steuerfreibetrag von 500.000 Euro. Für Geschwister und nicht verheiratete Kontoinhaber gilt aber zum Beispiel nur ein Freibetrag von 20.000 Euro. In diesem Fall lauert Schenkungssteuer von bis zu 43 Prozent!

Erbfall:

Auch im Erbfall, gibt es Unterschiede zwischen den Gemeinschaftskonten. Das Oder-Konto erlaubt im Falle des Ablebens eines Kontoinhabers, dass weiterhin alle anderen Kontoinhaber über das Girokonto verfügen dürfen. Beim Und-Konto treten dagegen die Erben an die Stelle des verstorbenen Kontoinhabers und führen in der Folge gemeinsam mit allen anderen Verfügungsberechtigten Regie über das Gemeinschaftskonto.

 

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