„Expatriates”: Karriereversprechen ohne Garantie

Von: ddp-Korrespondent Hendrik Roggenkamp
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Berlin. Sie bauen Call-Center in Indien auf, schätzen Versicherungsrisiken in Malaysia ein oder bereiten den Markteintritt in Russland vor: Ohne „Expatriates”, die für ihren Arbeitgeber ins Ausland gehen, wäre die Globalisierung kaum denkbar.

Mit welchen Erwartungen die entsandten Beschäftigten ihre Heimat verlassen, welche Erfahrungen sie im Ausland gesammelt haben und wie ihre persönliche Bilanz nach der Rückkehr ausfällt, setzt sich das kürzlich erschienene Buch „Globalisierung hautnah - Expatriates im Gespräch” auseinander.

Für den Band haben Studierende des Fachbereichs Wirtschaft an der FH Mainz 52 Fach- und Führungskräfte interviewt. Die meisten waren - oder sind immer noch - in Asien, Europa und Nordamerika beschäftigt. Zu Wort kommen auch zwei ausländische Expatriates in Deutschland.

Die Motive für den Schritt ins Ausland sind bei den meisten Interviewten ähnlich. Für viele war die Entsendung eine weitere Stufe auf der Karriereleiter, hinzu kommen die Neugier auf fremde Länder und die Suche nach einer neuen Herausforderung. Die Bewertung des Auslandsaufenthalts fällt in den Gesprächen durchweg positiv aus, am Ende steht mindestens der „persönliche Erfahrungsgewinn”.

Allerdings hätte man von einigen „Expatriates” gerne mehr darüber erfahren, ob sich ihre Entsendung tatsächlich gelohnt hat: Das gilt beispielsweise für den Bankmanager, der jahrelang in Osteuropa tätig war, um dann von seinem mittlerweile fusionierten Arbeitgeber ein „optimales Angebot zur Vorruhestandsregelung” zu bekommen.

Auch anderen Gesprächen hätte die eine oder andere Nachfrage nicht geschadet. Kritik am Ablauf der Entsendung oder auch an der Planung der Rückkehr steht wenn überhaupt nur zwischen den Zeilen. Das dürfte allerdings auch darauf zurückzuführen sein, dass die Interviewten nicht nur mit Namen und Porträtfoto, sondern auch Lebenslauf und aktuellem Arbeitgeber abgedruckt sind und sich entsprechend zurückhaltend äußern.

Leser, die selbst vor einem beruflichen Auslandsaufenthalt stehen, können aus den Interviews dennoch einige Erkenntnisse gewinnen. So sollten „Expatriates” die Rückkehr aus dem Gastland frühzeitig planen und feste Bedingungen mit dem Arbeitgeber aushandeln. Anderenfalls kann - wie in einem geschilderten Fall - die Situation eintreten, dass die Entsendung vorzeitig beendet wird, aber gar keine passende Stelle im Unternehmen frei ist.

Wer die Entsendung nicht nur als Karrierestation begreift, sondern sich während der Jahre im Ausland wirklich zu Hause fühlen will, muss zudem starke Eigeninitiative entwickeln. Ohne Kenntnisse der Landessprache bleiben Kontakte zu Einheimischen meist auf den Geschäftsalltag beschränkt - das trifft vor allem auf asiatische Länder zu. Die meisten Befragten bleiben daher auch nur wenige Jahre im Ausland, bevor sie zurück nach Deutschland oder in ein anderes Land ziehen. Auf Dauer ausgewandert sind nur zwei ehemalige „Expatriates”.

Mehr Informationen

„Globalisierung hautnah - Expatriates im Gespräch”, herausgegeben von Andrea Beyer und Rüdiger Nagel, FH Mainz, ISBN 978-3-00-030966-3, 174 Seiten, 13,90 Euro).
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